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Express Online: Thema der Woche
Express Online: Thema der Woche | 11. November 2010

Farbenprächtig

"Iris. Die Erfindung der Farben von 1600 bis heute"
Drei Ausstellungen in Gießen und Wetzlar zum 200. Geburtstag von Goethes Farbenlehre:
Goethes 'Farbenlehre' (1810) und die Lehren von den Farben und vom Färben
Stadt- und Industriemuseum Wetzlar, 19.11.2010 bis 6.3.2011
Eröffnung: 18.11.2010, 18 Uhr, in der Stadthalle Wetzlar
Farbforschung exemplarisch: Siegfried Rösch
Universitätsbibliothek Gießen, 20.11.2010 bis 6.2.2011
Eröffnung: 19.11.2010, 16 Uhr
Farbe in der zeitgenössischen Kunst
Neuer Kunstverein Gießen zu Gast im KiZ (Kongresshalle; ehemalige Stadtbibliothek), Lonystraße 2, und Ecke Licherstraße/Nahrungsberg, 20.11.2010 bis 6.2.2011
Eröffnung: 19.11.2010, 18 Uhr, im KiZ
Im großen Rahmenprogramm
der Ausstellungen ist u.a. eine Vortragsreihe über das Phänomen Farbe aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen wie Chemie, Botanik, Literaturwissenschaft und Psychologie.
Corinna Wilhelm
Zum 200. Geburtstag von Goethes Farbenlehre werden am 18. und 19. November in Gießen und Wetzlar gleich drei Ausstellungen eröffnet.

Wir sehen die Welt nicht alle in den gleichen Farben. Goethe entwarf mit seiner Farbenlehre eine Gegenthese zu Isaac Newtons Theorie, auf die er so stolz war, dass er darüber sogar seine Dichtung gering schätzte: "Auf alles, was ich als Poet geleistet habe, bilde ich mir gar nichts ein ... Daß ich aber in meinem Jahrhundert in der schwierigen Wissenschaft der Farbenlehre der einzige bin, der das Rechte weiß, darauf tue ich mir etwas zugute ..."

Goethes Theorie, nach der Farben im menschlichen Auge entstehen, konnte sich allerdings nicht gegen die bereits wissenschaftlich etablierte Theorie Isaac Newtons, nach der alle Farben bereits im Licht enthalten sind, durchsetzen.

Die drei Ausstellungen, die in Kooperation der Städtischen Museen Wetzlar, des Neuen Kunstvereins Gießen sowie der Universitätsbibliothek und des Instituts für Kunstgeschichte der Uni Gießen entstanden sind, beleuchten verschieden Facetten des Phänomens Farbe. Es wird versucht, etwas von jener Ganzheitlichkeit und Totalität, die Goethes Theorien zugrunde liegen, erfahrbar und sichtbar zu machen.

Den theoretischen Konzepten rund um Farbe und Färben, sowohl vor als auch nach Goethe widmet sich das Stadt- und Industriemuseum Wetzlar.In der Universitätsbibliothek Gießen kann man exemplarische Farbforschungen von Siegfried Rösch bestaunen und dem Phänomen Farbe in der zeitgenössischen Kunst kann man in der Kongresshalle nachspüren.

Der Regenbogen und das Abendrot

Der Regenbogen, altgriechisch "Iris" und das Abendrot der Dämmerung, sind zwei der farbenprächtigsten meterologischen Erscheinungen, die die menschliche Fantasie immer wieder beflügelten und zu forschender Neugier herausfordern. Bei der Ausstellung "Goethes ,Farbenlehre' (1810) und die Lehren von den Farben und vom Färben" bilden diese beiden Phänomene den konzeptionellen Rahmen, den Prolog und den Epilog einer Wissenschaftstheorie der Farben. Im Industriemuseum reicht das Spektrum der gezeigten Objekte von René Descartes' grundlegender wissenschaftlicher Erklärung des Regenbogens in seinem "Discours de la méthode" (1637) bis hin zu zwei 2005 entstandenen Sonnenuntergangsbildern des Künstlers Adrian Schiess und einem eigens für die Ausstellung entstandenen Gemälde von Leopold Schropp. Innerhalb dieses Rahmens beschäftigt sich die Ausstellungen mit theoretischen und praktischen Farbkonzepten. Es werden die Theorien von Goethe und Newton, aber auch Lamberts "Farbpyramiden", Rungens "Farbenkugeln" und der Theorie des Simultankontrasts des Chemikers Michel Eugène Chevreul erklärt.

Ein etwas praktischerer Ansatz der Farbsystematisierung sind die Färbebücher, Farbstoffsammlungen, Farbatlanten und die Musterbücher, die in der Zeit vor der industriellen Herstellung der Farben Auskunft gegeben haben über ihre Gewinnung aus pflanzlichen, mineralischen und tierischen Ausgangsstoffen. Über all dem stand aber auch immer wieder die Frage nach der Stellung der Farben in einem übergeordneten Ganzen, dies vor allem auch für Goethe. Dafür stehen Heinrich Khunraths "Amphitheatrum Sapientiae Aeternae", Hanau 1609, oder die "Theosophischen Werke" von Jakob Böhme ebenso wie die seit der Antike immer wieder unternommenen Versuche, Farbskalen und Tonleitern zueinander in Beziehung zu setzen. Dem Thema "Farbe und Musik", das für zahlreiche Komponisten des späten 19. und des 20. Jahrhunderts – von Alexander Skrjabin und Arnold Schönberg bis Karlheinz Stockhausen – von zentraler Bedeutung war, ist deshalb ebenfalls ein Teil in der Ausstellung gewidmet.

"Farbforschung exemplarisch: Siegfried Rösch"

Siegfried Rösch war Mineraloge und Farbwissenschaftler. Er baute die Theorie von so genannten Optimalfarben weiter aus, wobei er ein numerisches Verfahren zur Farbbestimmung entwickelte. In diesem Zusammenhang entstanden auch neuartige Farbmessgeräte wie das Optimalkolorimeter und der Spektralintegrator. Außerdem war Rösch Mitherausgeber der Zeitschrift Farbe. Wenn das nicht schon Grund genug wäre, einen Teil seines Nachlasses im Jubiläumsjahr von Goethes Farbenlehere zu zeigen, so dann sicherlich sein anderes Betätigungsfeld. Neben der Farbwissenschaft, war Rösch passionierter Genealoge und veröffentlichte unter anderem eine Publikation zu "Goethes Verwandtschaft".

Die von Thomas Vinson konzipierte Ausstellung kombiniert die Präsentation von Wissenschaftsgeschichte mit einer künstlerischen Installation.

Farbe in der zeitgenössischen Kunst

Alle Farbtheorien können nur einen kleinen Ausschnitt des Problems Farbe beleuchten, nicht aber das Phänomen in seiner Gesamtheit. Die Ausstellung in der Kongresshalle widmet sich daher dem Thema von einem ganz anderen Ausgangspunkt aus: Der Lust an der Farbe! Vor allem der Lust an der Farbe in der zeitgenössischen Kunst, ihrer oft unorthodoxen Verwendung in Malerei, Skulptur, Fotografie und Video. Frei nach Goethes Überzeugung: "Die Malerei ist für das Auge wahrer, als das Wirkliche selbst. Sie stellt auf, was der Mensch sehen möchte und sollte, nicht was er gewöhnlich sieht". Gezeigt werden unter anderem Josef Albers, Antoni Caldera, Imi Knoebel, Jörg Sasse und Vero Pfeiffer.

Corinna Wilhelm

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