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Express Online: Thema der Woche | 2. Dezember 2010

Streng und klar

Gerhard Merz "GRANIT" – bis 27.2.2011 in der Kunsthalle Gießen

Mit der neuen Ausstellung "GRANIT" präsentiert die Kunsthalle Gießen den international bekannten Künstler Gerhard Merz. Merz, Jg. 1947, der in den vergangenen Jahrzehnten bedeutende Ausstellungen realisierte (u.a. Deichtorhallen Hamburg, K20 Düsseldorf, Kunsthaus Bregenz, Los Angeles County Museum of Art, Deutscher Pavillon Biennale Venedig, mehrere Documentaauftritte), hat seit Mitte der 70er Jahre ein Konzept der Malerei entwickelt, das durch ein sehr architekturbezogenes Denken bestimmt ist.

Gleichzeitig suchen seine Arbeiten immer die Auseinandersetzung um die grundsätzliche Frage nach dem Sinn heutiger Kunst. Dabei nimmt Gerhard Merz einen Standpunkt ein, der von der Kunst als einem autonomen geistigen Bereich ausgeht. Jeweils bestimmte grundlegende Problemstellungen oder Positionen der Kunstgeschichte bilden den thematischen Rahmen seiner Werke. Sowohl hohe Komplexität der in den Gesamtraumarbeiten reflektierten Bezüge, als auch größtmögliche formale Klarheit werden in jedem seiner Werke angestrebt.

Bestandteile seiner Arbeiten, die von Merz modulhaft, wie ein wiederkehrendes Vokabulareingesetzt werden, sind oft farbige Wandanstriche, monochrome Bilder, gleißend helle Lichtleisten, architektonische Elemente wie Stelen oder Rahmen aus Chrom und Edelstahl, Glasbilder, Skulpturen wie große Bänke oder Tische, sowie zitathafte Schriftzüge, die auf die Wand gebracht werden. Diese Elemente verweisen manifesthaft immer auf bestimmte geistige Einzugsbereiche, denen Merz sich verpflichtet fühlt.

In der Arbeit, die Gerhard Merz für die Kunsthalle Gießen entworfen hat, greift er den Text von Johann Wolfgang Goethe "Über den Granit" auf. Sie lässt sich so auch als ein Beitrag zu den künstlerischen Ausstellungstätigkeiten Gießens und Wetzlars lesen, die in diesem Jahr in einem Gemeinschaftsprojekt das 200-jährige Jubiläum von Goethes Farbenlehre thematisieren. In dem von Merz verwendeten Textauszug drücken sich Goethes naturwissenschaftliche Beobachtungen und Reflexionen über das Material Granit und dessen zeitenübergreifendeAusstrahlung aus: "Jeder Weg in unbekannte Gebirge bestätigte die alte Erfahrung, dass das Höchste und das Tiefste der Granit sei, dass diese Steinart, die man nun näher kennen und von Anderen unterscheiden lernte, die Grundfeste unserer Erde sei ... diese Gipfel haben nichts Lebendiges erzeugt, und nichts Lebendiges verschlungen". Gedanken, die sich mit dem überindividuellen Kunstverständnis verbinden, das Gerhard Merz vertritt. Seit Jahrzehnten entwickelt er seine Position, die im Zurücktreten subjektiver Umstände auf eine Gestaltung zielt, die sich aus zeitenübergreifenden "klassischen" Modulen und Formgebungen herausbildet-als ausgesprochener Gegenentwurf zu Äußerungen, die die "künstlerische Identität", das "Individuelle", die "Emotion" als oberste Instanzen künstlerischen Ausdrucks anerkennen.

Gerhard Merz' Raumarbeit für die Kunsthalle Gießen orientiert sich vollständig an den Gegebenheiten und Maßen des Raumes: die 5 m hohen Wände haben bis zur halben Höhe neutrale hochglänzende Wandanstriche im RAL-Ton 7026 Granitgrau erhalten. In der oberen, strahlend weiß gestrichenen Hälfte der Wände sind jeweils in der Längsrichtung der Kunsthalle – wiederum mittig platziert – Lichtbahnen aus jeweils 500 vertikal aneinander gereihten Neon-Tageslichtröhren angebracht. Dieses sehr helle, krasse Licht in Verbindung mit den den Raumeindruck verändernden großformatigen Anstrichen und dem Eindruck einer überwältigenden Strenge und Klarheit, formuliert den Innenraum der Kunsthalle neu und konfrontiert den Betrachter – im Zusammenwirken mit dem Text Goethes – mit einem Bezugsfeld, das seine sinnliche Wahrnehmung und seine Reflexionsfähigkeit zugleich fordert.

PM/MiA

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