Dienstag, 15. Juni 2021
Express Online: Thema der Woche | 16. Dezember 2010

Eine deutsche Moschee

Moslems in Marburg
In Marburg gibt es knapp 4000 Moslems, von denen etwa 400 regelmäßig in die Moschee gehen, die seit 1986 in einem alten Fachwerkhaus im Marbacher Weg besteht. Dabei handelt es sich um eine umgebaute Vier-Zimmer-Wohnung, die schon lange viel zu eng ist.
Das geplante Islamische Kulturzentrum liegt bei St. Jost zwischen Stadtautobahn und Bahnlinie neben dem Uni-Institut für Pädagogik und einem Bordell. Dazu gehört ein großer Gebetsraum mit Galerie sowie ein öffentlich zugängliches Bistro, ein Lebensmittelgeschäft, eine Bibliothek sowie elf Studentenappartements im Dachgeschoss. Große Glasfassaden sollen auch nach außen Offenheit und Transparenz vermitteln. Das Kulturzentrum soll auch Treffpunkt für Juniorclub, Männerkreis, Mädchen- und Studentengruppen sowie für den Arabischunterricht werden. Die Gottesdienste werden in deutscher Sprache abgehalten.
gec
Mit Bescheidenheit und Offenheit plant die Islamische Gemeinde Marburgs ihr erstes Kulturzentrum

Integrationsunwilligkeit kann man der Islamischen Gemeinde Marburgs wahrlich nicht vorwerfen: Sie waren die ersten in Hessen, die ihre christlichen Mitbürger zum Fastenbrechen in ein Ramadanzelt in der Marburger Innenstadt einluden. Sie haben ein hervorragendes Verhältnis zur Jüdischen Gemeinde. Und ihre alte, viel zu klein gewordene Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee ist ein offenes Haus, in dem Besucher willkommen sind. Jetzt planen sie eine neue Moschee: "Wir würden uns wünschen, dass die Marburger darauf eines Tages ebenso stolz sind wie auf die Synagoge", sagt Bilal El-Zayat, der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde.

Der 33-jährige Oberarzt ist Sohn einer Preußin und eines Ägypters, den das Studium nach Marburg verschlug. El-Zayat hat nicht nur einen deutschen Pass. Er ist auch Lokalpatriot: "Marburg ist meine Heimat. Das ist eine der schönsten Städte der Welt", sagt er. Und wenn manche Patienten bis heute darüber staunen, dass der Arzt perfekt deutsch spricht, kann er nur müde lächeln. Keine andere Sprache spricht er besser. Jetzt hat er sich neben dem 60-Stunden-Job an der Marburger Uni-Klinik für Orthopädie noch einer zweiten Aufgabe verschrieben – der geplanten Marburger Moschee.

El-Zayat hofft, dass die Baugenehmigung im Februar erteilt wird. Vorher soll es noch eine Bürgerversammlung für die Anwohner von St. Jost geben. Geplant ist eine bescheidene Moschee, ohne Minarett, ohne Kuppel, ohne Muezzin-Ruf. "Wir haben auf alles verzichtet, was provozieren könnte", sagt El-Zayat. Und die Pläne sind im Vorfeld nicht nur mit Vertretern der politischen Parteien besprochen worden, sondern auch mit Christen und Juden in Marburg. Nach den Gesprächen verzichtete die Gemeinde auf ein islamisches Ornament, das an die Kreuzsymbolik erinnert. Auf den Rat der Jüdischen Gemeinde wird die Moschee einen Keller haben. Sie haben ihn nach dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde "Orbach-Keller" getauft.

Kritische Stimmen sind bislang kaum laut geworden. Allenfalls die Parkplatzfrage sorgt für Diskussion. Das war vor drei Jahren noch völlig anders. Damals scheiterten die Pläne für eine neue Moschee an einer von der CDU im Marburger Stadtparlament angezettelten Diskussion. Die Moslems müssten beweisen, dass sie Demokraten seien. Zum Teil stünden sie unter dem Verdacht, Islamisten zu sein, warfen ihnen die Konservativen vor.

Einziger konkreter Anhaltspunkt dafür sei die Nennung des Betreibervereins Orientbrücke im Verfassungsschutzbericht gewesen, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). Was dies bedeutet, ließ sich von außen nicht klären. "Etwas Handfestes" sei jedoch nicht gefunden worden, berichtet Vaupel. Damals habe eine diffuse Terrorismusangst geherrscht, sagt El-Zayat: "Dagegen kann man sich kaum wehren", weiß der Deutsch-Ägypter: "Wir sind alle junge Leute, gut ausgebildet, gut integriert, bringen unseren Müll raus und reisen viel. Wir passen perfekt in das Bild möglicher Schläfer." Es tauchten Schmähschriften auf. Die Bank, die das für die Moschee geplante Gebäude verkaufen wollte, zog ihr Angebot zurück.

Um die Diskussion zu entschärfen, richtete Oberbürgermeister Vaupel einen "Runden Tisch der Integration" ein, an dem es um Gleichberechtigung, Bildung und kulturelle Teilhabe ging. Es wurde ein "Friedensweg der Religionen" eröffnet. Und die Islamische Gemeinde hat seitdem "sehr viel gelernt", sagt El-Zayat. Heute kommt Amnon Orbach als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu den hohen Festen der Moslems. Und El-Zayat ist beim Laubhüttenfest dabei. "Einfach war das zunächst nicht", sagt der 33-Jährige.

Der Weg der Integration gilt auch innerhalb der Islamischen Gemeinde. In Marburg beten Schiiten neben Sunniten, Frauen mit Kopftuch und ohne Kopftuch, Mystiker und Sophistiker, Männer mit langem Bart und Bartlose, Linke und Rechte sowie Moslems aus mehr als 40 Nationen. Auch das birgt Konfliktstoff. So gibt es jedes Jahr Streit darum, wann Ramadan gefeiert wird, weil dies ist in den Ländern unterschiedlich geregelt ist. Und es sind auch nicht alle Gemeindeglieder glücklich über die "bescheidene Moschee", an der nur das Treppenhaus an ein Minarett erinnert. "Das ist eine deutsche Moschee", erklärt El-Zayat seinen Glaubensbrüdern.

Dass in unmittelbarer Nähe eines Bordells gebaut werden soll, gefällt den Gläubigen natürlich auch nicht. Andererseits liegt die Moschee im Zentrum Marburgs. Und das Gelände wurde der Gemeinde teilweise geschenkt.

Wenn alles gut geht, soll im kommenden Jahr begonnen werden. Finanziert werden die Kosten von 1,2 Millionen Euro aus Spenden. Und damit niemand glaubt, dass Hamas oder Hisbollah dahinter stecken, will El-Zayat der Stadt Einsicht in die Spenderdatei geben.

Gesa Coordes


Express Online: Thema der Woche | 16. Dezember 2010

Von der Kinderparty bis zum Techno-Event

Jeden Tag Programm: Eventmanager Jochen Weinel von der Admiral Music Lounge im Ursulum über das Veranstaltungskonzept

Mit seiner am Wochenende eröffneten "Admiral Music Lounge" will der Wetzlarer Unternehmer Eyyup Kaya in Gießen für Großstadtflair sorgen – mit Variete- und Zaubershows, Comedy und Livemusik. Im Programm sind zudem Partys mit DJ-Promis wie etwa Giulia Siegel, die regelmäßigfreitags in der neu gebauten Veranstaltungshalle im Oberlachweg auflegen wird, die laut Inhaber Kaya einen Millionenbetrag gekostet hat.

Im Express-Interview erläutert Jochen Weinel, der als Veranstaltungskaufmann für das Admiral-Programm zuständig ist, das Veranstaltungskonzept.

Express: Sie sprechen davon, in der Admiral Music Lounge ein völlig neues "Entertainment-Konzept" bieten zu wollen, dass deutschlandweit seinesgleichen sucht. Wie sieht das aus?
Jochen Weinel: Es gibt keine andere Halle in Deutschland, die über 800 Quadratmeter groß ist und eine reine Lounge-Bestuhlung hat. Wir bieten das. Unser schlechtester Sitzplatz ist ein Sessel.
Unsere Vorgabe an die Designerin war, "machen sie uns aus den knapp 1000 Quadratmetern eine kleine gemütliche Lounge" und genau das hat sie gemacht.

Express: Und wie sieht ihr künstlerisches Konzept aus? Das Programm mit Partys, Variete, Gospel- oder auch Pop-Konzerten wirkt wie ein Gemischtwarenladen ...
Jochen Weinel: Bei sieben Tagen Programm in der Woche können wir uns nicht auf eine Zielgruppe fokussieren.Wir wollen für jeden etwas bieten, die breite Masse ansprechen. Am 25.12. tritt beispielsweise die Opernsängerin Susanne Vogelmann bei uns auf, ein Event für alle Opernfans. Wir hatten aber genauso Michael Ammer zur Eröffnung eingeladen, der ein ganz anderes, ein Party-Publikum anzieht.
Im Kontrast dazu kommt jetzt die Opernsängerin. TV-Magier Farid bekommt für seine regelmäßige Show bei uns eine Bühne maßgeschneidert. Das gibt es in dieser Form in Deutschland sonst nirgendwo. Und wir überlegen zurzeit, ob wir an Sonntagnachmittagen ein Kinderprogramm anbieten, zum Beispiel mit Clowns.

Express: Von der Techno-Party bis zum Opernabend – kann so ein Spagat funktionieren?
Jochen Weinel: Ich denke, dass der Bedarf da ist. Wir wollen ein Programm machen, das nicht nur für Leute aus Gießen und Umgebung attraktiv ist, sondern auch Besucher aus dem Rhein-Main-Gebiet anlockt.
Und wir können auch noch ganz anderen Veranstaltungen Raum bieten. Unser Haus ist auch sehr gut geeignet für eine Firmenpräsentation nachmittags oder eine Firmenfeier.

Express: Wie viele Besucher brauchen Sie pro Jahr, damit ihr Konzept aufgeht?
Jochen Weinel: Wir haben 325 Sitzplätze. Aber wir wollen mal tief stapeln: Mit 100 Besuchern im Schnitt pro Veranstaltung sind wir zufrieden. Es gibt große Acts, wo wesentlich mehr Leute kommen werden, etwa wenn wir im März Oliver Pocher auf der Bühne haben und kleine Acts, wo sicher weniger Leute kommen werden.

Express: Was passiert, wenn ihr Showkonzept nicht funktioniert? Gibt es eine Deadline, bis wann sich das Programm rechnen muss?
Jochen Weinel: Eine Deadline gibt es nicht. Wir machen im Moment eine Planung für ein Jahr. Ich bin jetzt schon dabei, Veranstaltungen Ende 2011 zu planen.
Selbst wenn die Shows nicht angenommen werden sollten, können wir an ein bis zwei Abenden in der Woche einen Clubabend mit Diskothek am Freitag und Samstag machen. Wir sind flexibel und werden uns den Publikumswünschen anpassen.

Website: www.admiralmusiclounge.de

Interview: Georg Kronenberg

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Di 2.2. | 20.15 Uhr | TV | Sat.1
 
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