Dienstag, 15. Juni 2021
Express Online: Thema der Woche
Express Online: Thema der Woche | 4. März 2010

Hautsache

Körperkunst im Fokus: Tim und Struppi auf dem Oberarm, eine Bulldogge oder das allseits belächelte Arschgeweih, was versteckt sich unter Ihrer Kleidung?

Immer mehr Menschen lassen sich tätowieren: Knapp zwei Millionen Deutsche sind es laut den Veranstaltern der 18. Frankfurter Tattoo-Convention schon und die Tendenz ist steigend. Derzeitig gibt es eine facettenreiche Vielfalt an Stilen und Motiven. Vom einfachen Schriftzeichen über's Comic-Motiv bis hin zu ganzen Porträts kann man sich heute alles stechen lassen, was das Herz begehrt.

Fragt man in der Gießener Fußgängerzone nach, wer alles ein Tattoo hat oder sich für den Körperschmuck interessiert, so erhält man die verblüffendsten Antworten: Da berichtet eine 75-jährige Rentnerin zwar etwas skeptisch, aber doch mit Wohlwollen in der Stimme, von ihrer Enkelin, die sich eine Blumenranke stechen ließ, die "auch ganz hübsch sei" oder der 21-jährige Chris behauptet: "99 Prozent aller Verbrecher sind statistisch gesehen tätowiert. Ich würde niemals so jemanden einstellen, das ist absolut unseriös."

Ganz anders sieht das Astrid, stellvertretende Managerin eines Modegeschäfts. Sie ließ sich ihr ihr erstes Tattoo mit 16 stechen und hatte bisher keinerlei Probleme mit ihrem teilweise sichtbarem Körperschmuck. "In einem paar Jahren wird es wohl umgekehrt sein, da wird man dann schief angeschaut, wenn man untätowiert ist", scherzt die 33-Jährige.

Mit der steigenden Popularität ist auch die Verantwortung der Tätowierers gestiegen: "Ein junges Mädchen, ohne Ausbildung, das ihr erstes Tattoo im Gesicht, Hals oder Händen haben möchte, schick ich auch erstmal weg. So was sollte man sich schon gut überlegen", berichtet Tätowiererin Yvonne Baumann, die dieses Jahr als Künstlerin an der Convention in Frankfurt teilnehmen wird. Denn nicht selten wird für den ein oder anderen aus dem Körperschmuck eine quälende Jugendsünde, wie für die 22-jährige Nicole. Mit zwölf Jahren ließ sie sich von einem befreundeten Tätowierer eine Bulldogge stechen. Ihrer Mutter erzählte sie damals: "Das hab ich mir nur aufgemalt".

Heute wünscht sie sich, es wäre so und möchte das das ungeliebte Bild demnächst weglasern lassen.

Mit Tätowierungen einen Arbeitsplatz zu finden, das kann immer noch problematisch sein, darin sind sich fast alle Befragten einig. "Auch wenn sich viel in den letzten Jahrzehnten verändert hat, als Kundenberater in einer Bank wird man mit einem sichtbaren Tattoo nicht eingestellt", schätzt Cosimo (43), der sich unter anderem Tim und Struppi auf dem Oberarm tätowieren ließ. Einen Besuch bei der am kommenden Wochenende in Frankfurt stattfindenden Tattoo-Convention, die zu den bedeutendsten Messen dieser Art weltweit gehört, haben sich ein paar Gießener Fans der Körperkunst fest vorgenommen. "Das diesjährige Motto, Südsee und Polynesien, ist sensationell! Ich träume ja schon lange davon, mir ein richtiges polynesisches Tattoo mit der traditionellen Technik stechen zu lassen. Auch wenn es wahrscheinlich ordentlich weh tun wird. Aber da muss ich unbedingt hin", sagt die 31-jährige Jennifer. Und auch die Freundinnen Annika und Meike freuen sich schon auf einen Besuch in Frankfurt. Beide haben sich vor mehreren Jahren ein ganz besonderes Zeichen ihrer Freundschaft tätowieren lassen: Jeweils zwei ganze Sterne und ein halber zieren Meikes linken und Annikas rechten Fuß. Nur, wenn die Freundinnen zusammen stehen, fügen sich die beiden Hälften zu einem Ganzen.

Die 18. Internationale Tattoo-Convention mit Körperkünstlern aus aller Welt, einer Rockabilly-Band und einer Burlesqueshow findet vom 5.-7. März auf dem Messegelände Frankfurt statt.

Corinna Wilhelm


Express Online: Thema der Woche | 4. März 2010

Zugeschaut und mitgemacht!

"Theater sehen – Theater spielen": Die 15. Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche vom 6. – 13.3., Theater im Schwanhof

Aus Kindern werden Leute. Und aus einer kleinen Idee manchmal eine erfolgreiche Tradition. Als das Hessische Landestheater 1995 seine neuen Spielstätten am Schwanhof (TASCH) bezog, organisierten die Marburger Theatermacher zur Eröffnung ein kleines Festival. Das besondere: Die Zuschauer sollten Kinder und Jugendliche sein. "Das hat knallig eingeschlagen", erinnert sich Jürgen Sachs, damals wie heute Festivalleiter. Aus dem Knaller wurde ein Dauerbrenner, der, herangewachsen zurHessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche, seitdem Jahr für Jahr rund 3000 Besucher anzieht: "99 Prozent Platzausnutzung" bescheinigt Sachs der gemeinsam mit dem Fachdienst Kultur und dem Staatlichen Schulamt konzipierten Veranstaltung, deren Gesamtetat zwischen sechzig- und siebzigtausend Euro von Stadt, Land und Kreis getragen wird.

Mit "Klasse Klasse" eröffnet das Berliner Theater Strahl dieses Mal den Bühnenreigen, eine Woche später beschließt – nach der Verleihung des Festivalpreises -das Puppentheater Halle/Saale mit "Amadeus" die Veranstaltung. Zwischen dem Masken- und Beatbox-Theater und der Mozart-Salieri-Inszenierung gibt es Märchenhaftes vom Frankfurter TheaterGrueneSosse, eine Lars-von-Trier-Adaption des Jungen Theaters Basel, Shakespeares "Sommernachtstraum" als Puppenkomödie des Theaters Waidspeicher, Erfurt. Für die ganz Kleinen hat das Immichenhainer theater 3 hasen oben "Schritt für Schritt – Der Lauf des Lebens" mitgebracht, ein Spiel über das Gehen, Stehen und Laufen ab zweieinhalb Jahren. Das gastgebende Hessische Landestheater ist mit zwei Produktionen vertreten, der Uraufführung "Das Fragetierchen" für ab Dreijährige und der letzten Inszenierung seines scheidenden Intendanten Ekkehard Dennewitz, "Die Gerechten" von Albert Camus. Das Stück richtet sich an Jugendliche ab sechzehn Jahren. Das Teheraner Taatr Mani gibt mit "Gav – Die Kuh" mit Puppen, Koffern und Kühen ein Theaterspiel in deutscher und persischer Sprache für Kinder ab sechs.

Außer den insgesamt 24 Vorstellungen von 20 Theatern auf den drei TASCH-Bühnen werden auch dieses Jahr nicht weniger als 100 Workshops für Klassen und Gruppen an Schulen in Stadt und Landkreis veranstaltet. Professionell angeleitet, sollen die Teilnehmer der kostenlosen Workshops auf spielerische Weise Konzentrationsfähigkeit, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Gruppen- und Körpergefühl trainieren können. Für Freitag, den 12. März ist eine Präsentation der Ergebnise im TASCH vorgesehen.

Man darf gespannt sein, wie es im nächsten Jahr weitergeht. Denn die 15. Kinder- und Jugendtheaterwoche 2010 ist zugleich die letzte unter der Intendanz Ekkehard Dennewitz'. Wenn mit der kommenden Spielzeit Matthias Faltz dessen Nachfolge antritt, dreht sich nicht nur das Personalkarussell am Hessischen Landestheater. Auch grundlegende konzeptionelle und inhaltliche Veränderungen stehen dann naturgemäß ins Haus. Die Freunde des Kinder- und Jugendtheaterfestivals allerdings brauchen sich auf keine unangenehme Überraschung einstellen: "Das Festival wird als erfolgreiches Produkt mit neuem Team weitergeführt werden", versichert Festivalleiter Jürgen Sachs.

Weitere Infos: www.hlth.de

Michael Arlt

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