Sonntag, 16. Mai 2021
Express Online: Thema der Woche | 17. März 2011

kuck! – schau! – spiel!

Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche
Aus Kindern werden Leute. Und aus einer kleinen Idee manchmal eine erfolgreiche Tradition. Als das Hessische Landestheater 1995 seine neuen Spielstätten am Schwanhof bezog, organisierten die Marburger Theatermacher zur Eröffnung ein kleines Festival. Das besondere: Die Zuschauer sollten Kinder und Jugendliche sein. "Das hat knallig eingeschlagen", erinnert sich Jürgen Sachs, damals wie heute Festivalleiter. Aus dem Knaller wurde ein Dauerbrenner, der, herangewachsen zurHessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche KUSS, seitdem Jahr für Jahr rund 3000 Besucher anzieht.
MiA
Ein Klassiker im neuen Gewand: 16. Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche KUSS vom 26.3. bis 2.4. Ein Gespräch mit Festivalleiter Jürgen Sachs

Express: Seit 1995 hat sich die Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche als Festgröße im Marburger Kulturleben etabliert. Was zeichnet das Festival aus?
Jürgen Sachs: Zuallererst natürlich die einmalige Verbindung von Theater sehen und Theater spielen. Das gibt es in dieser Form bundesweit sonst nirgendwo. Neben den 22 Aufführungen nationaler und internationaler Gruppen im Theater am Schwanhof können wir in diesem Jahr über 100 Workshops anbieten, die in in den Schulen von Stadt und Landkreis durchgeführt werden. In den letzten Jahren beobachten wir erfreulicherweise eine ständig steigende Qualität sowohl bei den Workshops, als auch bei den Theatervorstellungen, und hier besonders bei den hessischen Theatern – handelt es sich doch bei unserem Festival auch um das größte und wichtigste Treffen der Kinder- und Jugendtheater aus unserem Bundesland.

Express: Das langjährige Motto "Theater sehen – Theater spielen" wird 2011 zu "KUSS kuck! schau! spiel!" Gibt es weitere Änderungen unter der neuen Schauspielleitung?
Jürgen Sachs: Na, die Zusammensetzung des Vorbereitungsteams hat sich natürlich geändert. Es sind neue Mitarbeiter dazu gekommen, die auch neue Ideen eingebracht und zusätzliche Theater ins Rennen geschickt haben, die man berücksichtigen sollte. Ansonsten ist das Festival ja eine Kooperation von drei gleichberechtigten Partnern: dem Fachdienst Kultur der Stadt, die die finanzielle Grundausstattung beisteuert, dem Staatlichen Schulamt Marburg-Biedenkopf, das für die Durchführung der Workshops zuständig ist, und dem Hessischen Landestheater Marburg, dazu mit großzügiger Unterstützung durch das Land Hessen, den Landkreis Marburg-Biedenkopf und den Freundeskreis des Theaters. Und alle Veranstalter und Unterstützer waren einhellig der Meinung, dass es sich bei "Theater sehen – Theater spielen" um ein außergewöhnliches Erfolgsprodukt handelte – was auch bei "KUSS" hoffentlich nicht anders sein wird.

Express: Welches sind die besonderen Highlights des diesjährigen Festivals?
Jürgen Sachs: Die poetischen Eröffnungs- und Abschlussvorstellungen "Der König ohne Reich" bzw. "Der erste Traum des Leuchtturmwärters", das energiegeladene niederländische Tanztheater Aya mit "Venus" und alle Aufführungen, die mit dem Festivalschwerpunkt "Theater und Migration" zu tun haben. Also "Der Kaufmann von Venedig", in dem ausländische Jugendliche mit Profischauspielern gleichberechtigt auf der Bühne stehen, und "Sultan und Kotzbrocken", eine deutsch-iranische Koproduktion mit entsprechend unterschiedlichen Sprachanteilen.

Express: Welche Produktion steuern die Gastgeber bei?
Jürgen Sachs: Eine Uraufführung über die Freuden und Leiden der Pubertät "50 Ways To Love Your Monster" und als Übernahme vom Jungen Staatstheater Wiesbaden die Premiere von "Pompinien", ein Clownstheaterstück übers Abschied nehmen.

Express: Was kann Kinder- und Jugendtheater der viel beklagten Dominanz virtueller Medien entgegensetzen?
Jürgen Sachs: Eben das, dass es nicht virtuell ist. Das kollektive Live-Erlebnis! Im Moment des Zuschauens entsteht Neues, auf der Bühne und im Zuschauerraum. Immer wieder. In jeder Vorstellung. Und das wirkt nach ...

Express: Stichwort Nachhaltigkeit: Hat das Festival positive Effekte auf Herausbildung des darstellerischen Nachwuchses?
Jürgen Sachs: Teilweise. Einige unserer ehemaligen Jugendclubmitglieder sind bei Schauspielschulen angenommen worden und spielen heute an großen Theatern. Aber das steht nicht im Vordergrund. Viel wichtiger ist die Nachhaltigkeit im Bereich der ästhetischen Bildung, die heute auch in den Schulen immer mehr an Gewicht gewinnt. Die Schüler werden durch Theatersehen und Theaterspielen in ihrer Kreativität, ihren Wahrnehmungs- und Ausdrucksmöglichkeiten, ihren sozialen Fähigkeiten und damit in der gesamten Entwicklung ihrer Persönlichkeit gestärkt.

Express: Sind Kinder und Jugendliche eigentlich das bessere Publikum?
Jürgen Sachs: Nicht besser, nicht schlechter. Aber ehrlicher, direkter! Da kommt die Rückmeldung sofort. Und zwar nicht nur auf der gepflegten intellektuellen Ebene. Eine besondere Herausforderung, aber auch eine große Freude, wenn's klappt.

Interview: Michael Arlt


Express Online: Thema der Woche | 17. März 2011

Runde Sache

Das Mathematikum wird 100: Die Lange Nacht der Mathematik feiert 100 Monate Mitmach-Museum

Was ist an einer Zeitspanne von acht Jahren und vier Monaten besonders? Auf den ersten Blick nichts – im Mathematikum in Gießen aber schon: Denn anders gerechnet sind es 100 Monate. Und genau so lange existiert das erste mathematische Mitmach-Museum der Welt. Mit der Langen Nacht der Mathematik wird in das "Jubiläum" hineingefeiert. Los geht's am Freitag, 18. März, ab 19 Uhr. Und pünktlich um Mitternacht lässt Museumsdirektor Prof. Albrecht Beutelspacher das Flammenrohr zu "Happy Birthday" tanzen.

Eigentlich ist die Hundert mathematisch gesehen nicht so aufregend", sagt Prof. Beutelspacher und doch, sie fasziniert sie die Menschen. Deswegen werden im Mathematikum Geschichten über die Zahlen von Eins bis Hundert erzählt. "Wir lassen uns von unseren Besuchern inspirieren, was ihnen zu den Zahlen einfällt", verrät der Hausherr.

Der Hauptsatz – manchem noch aus der Integral- und Differenzialrechnung in Erinnerung – bekommt in der Langen Nacht der Mathematik eine musikalische Dimension. Der Chor des Mathematikums wird die Hauptsatzkantate (1984) des Mathematikers Friedrich Wille vortragen. "Substituieren, partiell integrieren, alles ist jetzt voll trivial", lautet der Schlussgesang. Und wer dann von Mathematik noch nicht genug hat, kann seinen Kopf beim Mathequiz zum Rauchen bringen oder am neuen Pi-Tisch knobeln, der in einer Exponat-Premiere vorgestellt wird.

Das außen und innen mit hunderten Leuchten bunt illuminierte Mathematikum lädt in der Langen Nacht der Mathematik zu mehr als Zahlenspielen ein: Musik und Cocktails werden serviert. In der Lounge lässt es sich in gemütlichen Sesseln relaxen, plaudern und auf die flammende Mitternachtsshow für 100 Monate Mathematikum warten.

Termin: Lange Nacht der Mathematik mit Feier zu 100 Monaten Mathematikum, Freitag, 18. März, ab 19 Uhr, Mathematikum

Georg Kronenberg

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