Freitag, 7. Mai 2021
Thema der Woche | 16. August 2012

Kirche stellt sich hinter Klinik-Proteste

Montagsgebete für das privatisierte Universitätskrankenhaus füllen die Elisabethkirche mitten im Hochsommer – Foto: Wegst

Marburg. Das Drama um das privatisierte Universitätsklinikum bringt so viele Menschen in die Marburger Elisabethkirche wie sonst nur in der Adventszeit. Bis zu 500 Gläubige, Gewerkschafter, Mediziner und interessierte Bürger strömen seit acht Wochen jeden Montag zu einem "Gesundheitspolitischen Montagsgebet" in die berühmte Kirche, die sich damit in der Tradition der Montagsgebete der Ex-DDR sieht. Selbst mitten in den Sommerferien reißt das Interesse nicht ab. Die Besucher beten für mehr Menschlichkeit im Klinikum. Sie diskutieren neue Wege, um das Großkrankenhaus wieder für die öffentliche Hand zu gewinnen. Die Gebete sollen noch bis zum Herbst fortgesetzt werden.

Diese Beteiligung ist sehr erstaunlich", sagt der Pfarrer der Elisabethkirche, Bernhard Dietrich. Auf Anregung von Medizinern habe sich die Kirche kurz vor dem geplatzten Verkauf des mittelhessischen Großkrankenhauses an Freseniusauf diese Weise geöffnet. Damit gehen die Marburger mit ihren Protesten gegen Stellenabbau, Personalnot und eine Verschlechterung von Krankenversorgung, Forschung und Lehre neue Wege: "Uns bringen die brennenden Fragen zur Zukunft des Universitäts-Klinikums zusammen", erklärt Dietrich: "Die Zuwendung zu kranken Menschen darf nicht kommerzialisiert werden."

Mit ihrer Initiative zog sich die Kirche gleich den Unmut eines hochrangigen CDU-Landespolitikers zu, der sich bei Dekan Burkhard zur Nieden meldete. Trotzdem machte sich der Dekan die Forderungen von Gewerkschaftern, Mitarbeitern und Medizinern ausdrücklich zu eigen: "Es ist doch unmöglich, dass Schwestern und Ärzte unter Bedingungen arbeiten, die ihr Gewissen beschweren", sagt er. Und die in einem knallroten Sparschwein eingesammelte Kollekte geht an das Aktionsbündnis "Rückkauf jetzt – gemeinsam für unser Klinikum".

Diakoniepfarrer Maik Dietrich-Gibhardt erzählt eine kreative Heilungsgeschichte aus dem Neuen Testament. Die Bibelstelle zeigt, dass Kranke Solidarität, Zuwendung und Zeit brauchen. "Wo unter ökonomischen Gesichtspunkten abgebaut werden soll, da ist unser Widerspruch gefragt", sagt der Geistliche.

Doch die Pfarrer beschränken sich nicht auf theologische Betrachtungen. Zu den Montagsgebeten gehören auch "Worte zur Sache" – gehalten von Gewerkschaftern, Medizinern, Studenten und Politikern. So schilderte der Marburger CDU-Vorsitzende Philipp Stompfe seine Vorstellung von der Zukunft des Klinikums. Um das Großkrankenhaus von den Interessen des Kapitalmarktes zu befreien, könne man es als Genossenschaft betreiben. Und er spart nicht an scharfer Kritik an seinen Parteikollegen im Land: Die Verträge mit dem privaten Krankenhausbetreiber Rhön seien "maximal schlecht verhandelt" worden, "eine Katastrophe", formuliert er. Doch er freut sich über die parteiübergreifende Solidarität der Marburger mit ihrem Klinikum.

Auch die Montagsgebete bringen die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Jede Woche kommt Schwester Edith, die als Katholikin normalerweise nie in der protestantischen Elisabethkirche auftaucht: "Es ist nicht in Ordnung, mit kranken Menschen Geld zu verdienen", sagt sie. Viele Besucher sind Atheisten oder zumindest keine regelmäßigen Kirchgänger. Nicht wenige sprechen das Vaterunser nicht mit. Für andere – wie die Marburger Klinik-Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher – ist der Glaube ein Halt: "Wir müssen uns auf unsere Werte besinnen", sagt sie und freut sich darüber, dass die Pfarrer sich so kritisch äußern: "Das ist landesweit einmalig."

Wir treffen uns, weil wir uns Sorgen um unser Klinikum machen", sagt Dekan Matthias Rothmund. Das ist seit dem geplatzten Verkauf nicht leichter geworden. Die Chance auf den Rückkauf des Großkrankenhauses durch das Land ist damit weitgehend hinfällig: "Im Moment weiß keiner, wie es weitergeht", sagt Rothmund. Klar ist für ihn jedoch: 40 Millionen Rendite könne das Klinikum nicht erwirtschaften.

Dass die Mitarbeiter nun "komplett in der Schwebe hängen", sagt auch Betriebsratsvorsitzende Böttcher. Sie hofft weiter darauf, dass die Klinik vom privaten Betreiber befreit wird. In Kürze wird das Aktionsbündnis rund 35000 Unterschriften für den Rückkauf des Klinikums in Wiesbaden übergeben. "Die Arbeitsbedingungen müssen sich verbessern", sagt Bettina Böttcher: "Die Menschen arbeiten sich krank."

Beten helfe da auch nicht weiter, sei ihr in einem Gespräch mit Landespolitikern beschieden worden. Dazu sagt die Betriebsratsvorsitzende: "Das wollen wir doch mal sehen."

Gesa Coordes

 
Thema der Woche | 16. August 2012

Volles Programm

Stadtfest Gießen vom 17. – 19.8. mit Musik auf acht Bühnen – Foto: Andreas Linke

Hunderte Musiker, Künstler und Gastronomenstehen in den Startlöchern: Am Freitag, 17. August, wird das Gießener Stadtfest von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz eröffnet. Die "Tour der Hoffnung-Bühne" am Kirchenplatz entern um 18.30 Uhr die drei Pop-Musiker von "Maila". Ohne die Hilfe einer Agentur oder eines Managers stand die Band unter anderem an der Seite von Nena, Christina Stürmer, Polarkreis 18, Revolverheld und Jennifer Rostock auf der Bühne. Beinahe zeitgleich lässt sich Alleinunterhalter Tobias Wessel auf der "Hand in Hand-Bühne" in der Kaplansgasse nieder, um mit Mundharmonika und Gitarre mal wieder ordentlich Spaß zu verbreiten. Mit Songs der Rolling Stones, der Beatles, Eric Clapton, Bob Dylan, Tom Petty, U2 und vielen anderen lässt er Songs der 60er und 70er wieder aufleben und liest die Wünsche seiner Zuhörer quasi von den Lippen ab und so werden Zurufe prompt mal in die Show mit eingebaut. Um 20 Uhr bieten The 2nd Generation in der Plockstraße eine Zeitreise in die 1960er Jahre, CoverbandLimo rockt in der Kaplansgasse. Ein Highlight des Tages ist der Auftritt von KK'nZ (Helmut Krumminga, Werner Kopal, Michael Nass und Jürgen Zöller von BAP) mit Sängerin Inga Rumpf um 21.00 Uhr auf dem Kirchenplatz.

Am darauffolgenden Tag geht es für Frühaufsteher und Sportbegeisterte um 10.30 Uhr direkt mit einer Portion Zumba weiter. Zumba ist eine Art "Tanzfitness", – durch die Mischung aus Tanz und Fitnessübungen hat man nicht nur richtig Spaß, sondern verliert auch noch Pfunde.

Um 15 Uhr gönnen "reimtext" den Lachmuskeln keine Auszeit, denn die schrägen Songs in hessischer Mundart sind einfach urkomisch. Bauch- und Lachmuskeln entspannen sich und Ohren und Beine sind an der Reihe, wenn um 18 Uhr "GosPop" auf der "Bratfisch-Bühne" im Neuenweg mit einer Mischung aus Gospel, Pop, Rock und Soul zum Zuhören und/oder Tanzen einlädt. Weiter geht es im Programm auf der "Tour der Hoffnung-Bühne" um 21 Uhr unter anderem mit "Soneros de Verdad", sieben Musikern aus Kuba, die man getrost als zweite Generation des "Buena Vista Social Club" bezeichnen kann.

An diejenigen, die mit ihrem Nachwuchs über das Fest flanieren wollen, haben die Veranstalter natürlich auch gedacht. So geht es am Sonntag ab 12 Uhr gleich los mit einem umfangreichem Kinderprogramm auf dem Kirchplatz: Eine großes Kinderfest mit Zirkuszelt und vielen Spielen und weiteren Attraktionen lässt die kleinen Herzen höher schlagen. Ballonmodellieren, Jonglieren, Kinderschminken, Riesenkugelball, Hüpfburg, Torwand, Basketballanlage und die Musikshow mit "Spunk" lassen definitiv keine Langeweile aufkommen.

Auch die Erwachsenen dürfen sich auspowern. Und zwar beim "14. Run'n'Roll for Help" – ab 15.30 Uhr fällt auf dem Brandplatz der erste Startschuss. Alle Teilnehmer können für einen Startbetrag von 10 Euro (Nachanmelder 15 Euro / Schüler 5 Euro) am Wettlauf teilnehmen und für einen guten Zweck schwitzen. Inverschiedenen Laufkategorien werden verschieden lange Strecken zurückgelegt, wobei die Startgelder aller Teilnehmer der Aids- und Lebenshilfe Gießen gespendet werden.

RonJa

Tipp des Tages

Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein

Foto: Arte
"Werde nicht wie alle, die du nicht sein willst" ist das Lebensmotto des zwölfjährigen Paul Silberstein, der mit seiner wohlständigen Familie im Wien der späten 50er Jahre lebt. Doch Paul will so gar nicht in das steife Bild eines Jungen aus besserem Hause passen.
Fr 5.2. | 20.15 Uhr | TV | Arte
 
Tipp der Woche

Guardians of the Galaxy

Foto: Vox
Peter "Star-Lord" Quill ist ein Weltraumbandit. Er tut sich mit den Kopfgeldjägern Rocket und Groot sowie der rätselhaften Gamora und dem rachgierigen Drax zusammen, um das Universum zu beschützen.
Do 11.2. | 20.15 Uhr | TV | Vox
 
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