Mittwoch, 19. Mai 2021
Thema der Woche | 6. Juni 2013

Trotz schwarzer Zahlen "extrem knapp"

Marburger Universität leidet unter vielen, schlecht isolierten Gebäuden

Die Marburger Philipps-Universität schreibt wieder schwarze Zahlen. Trotzdem lebt die Hochschule weiterhin mit einem strukturellen Defizit von mehr als sieben Millionen Euro. Das ist das Ergebnis der Finanzanalyse, die von Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann und Uni-Präsidentin Katharina Krause am Montag vorgestellt wurde.

Anlass für die Untersuchung war das Finanzloch von knapp 30 Millionen Euro, das die Hochschule im Jahr 2011 verbuchen musste. Damit war sie die einzige hessische Universität, die in den roten Zahlen steckte. Allerdings beruhte der Fehlbetrag vor allem auf so genannten "Einmaleffekten" für Rückstellungen – etwa für Mittel aus dem Hochschulpakt 2020, für eventuelle Nachzahlungen an das Klinikum und für die Umsetzung eines Urteils des Bundesarbeitsgerichts zur Unzulässigkeit von Lebensalterstufen. Im letzten Fall haben Land und Deutsche Forschungsgemeinschaft einen Teil der Kosten übernommen.

Damit sind die finanziellen Probleme der Hochschule mit ihren 23.000 Studierenden und 4.000 Mitarbeitern allerdings nicht gelöst, sagt Uni-Präsidentin Krause: "Faktisch besteht unsere extreme finanzielle Knappheit weiter." Die Philipps-Universität leidet nämlich unter einem strukturellen Fehlbetrag von 7,2 Millionen Euro. "Er gibt Anlass zur Besorgnis", sagte die Ministerin am Montag in Marburg. Nach Auskunft von Uni-Präsidentin Krause hängt er vor allem mit den vielen, schlecht isolierten Gebäuden der Universität zusammen. Die Hochschule hat knapp 300 alter Gebäude an 100 Standorten. Dadurch seien die Energiekosten im Vergleich zu anderen hessischen Universitäten extrem hoch. Deshalb haben Universität und Ministerium die Immobilienbewirtschaftung als einen zentralen Handlungsbereich ausgemacht. Das Projekt soll von dem Beratungsunternehmen unterstützt werden, das die Finanzanalyse vorgelegt hat.

Grundsätzlich wird sich das Problem nach Überzeugung von Krause vor allem durch den Bau des geplanten Campus Firmanei am Fuß der Marburger Oberstadt ändern. "Aber das dauert alles", sagte die Präsidentin. 2017 soll die neue Universitätsbibliothek im Alten Botanischen Garten bezogen werden. Dann können viele kleine Fachbibliotheken aufgelöst werden, was Energie und Personal spart.

Zudem soll versucht werden, beim Einkauf von Hardware für die Datenverarbeitung, Chemikalien und Laborbedarf durch Rahmenverträge günstigere Einkaufspreise zu erreichen. Zudem stellte das Unternehmen die Frage, ob Werkstätten und Sekretariate noch effizienter arbeiten können. Allerdings sagte Kühne-Hörmann auch: "Insgesamt liegen die Ausgaben der Philipps-Universität für das Hochschulrechenzentrum und die Zentralverwaltung nicht über dem Durchschnitt der hessischen Universitäten."

Gesa Coordes

Thema der Woche | 6. Juni 2013

Und Wetzlar feiert doch international

Nach Querelen: Internationales Wetzlarer Kulturfest findet am 1. September während des Brückenfestes statt – Foto: Stadt Wetzlar

Die Absage ist abgesagt: Das "Internationale Kulturfest" in Wetzlar findet dieses Jahr nun doch statt. Die Stadt will das Fest im Rahmen des Brückenfestes am 1. September auf dem Domplatz feiern. Das teilten Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP) und Bürgermeister Manfred Wagner (SPD) mit. In den vergangenen Jahren sei das Kulturfest auf dem Wetzlarer Domplatz eine Möglichkeit gewesen, die kulturelle Vielfalt in Wetzlar zu erleben und mit den Menschen mit Migrationshintergrund bei gutem Essen und Getränken ins Gespräch zu kommen, so Dette und Wagner. Und das soll auch 2013 aus Sicht der Stadt so bleiben, trotz der jüngsten Querelen um das Fest.

Der Wetzlarer Ausländerbeirat, der die Veranstaltung in den vergangenen Jahren ausrichtete, hatte das ursprünglich für 9. Juni geplante Kulturfest vor kurzem abgesagt. Auslöser war ein Streit zwischen der Stadt Wetzlar und dem Ausländerbeirat über die Teilnahme des türkischen Sozialdienstvereins Wetzlar und Umgebung, Bizim Ocak, am Kulturfest.

Der Magistrat der Stadt Wetzlar hatte den Ausländerbeirat aufgefordert, "Bizim Ocak" vom Fest auszuladen, weil der Sozialdienstverein den rechtsextremen "Grauen Wölfen" nahe stehen soll. Das hatte der Ausländerbeirat, dessen Vorsitzender Bayram Serin bei "Bizim Ocak" aktiv ist, abgelehnt und stattdessen sich mehrheitlich dafür entschieden, das tradierte Kulturfest, das 2000 zum ersten Mal in Wetzlar gefeiert wurde,kurzerhand abzusagen. Begründung: Die Stadt Wetzlar versuche, massiv in die Arbeit des Ausländerbeirats einzugreifen.

Hintergrund: Der türkische Sozialdienstverein Wetzlar und Umgebung, Bizim Ocak, ist Mitglied des vom hessischen Verfassungsschutz beobachteten Verbands "Föderation der türkisch-demokratischen Idealistenvereine in Deutschland". Für die Verfassungsschützer ist der Verband das Sprachrohr der rechtsextremen "Grauen Wölfe" und deren politischer Bewegung in der Türkei, der "Partei der Nationalistischen Bewegung" (MHP), die die Errichtung eines "großtürkischen Reiches" propagiere.

Der Wetzlarer Magistrat hatte den türkischen Sozialdienstverein bereits 2011 aufgefordert, sich ausdrücklich von den Grauen Wölfen zu distanzieren. Das ist laut Stadtverwaltung nicht geschehen. Deshalb hatte die Stadt im Februar 2012 den Beschluss gefasst, den türkischen Sozialdienstverein von städtischen Veranstaltungen auszuschließen.

Die Absage des Kulturfestes durch den Ausländerbeirat wiederum hat laut Stadt bei vielen Migrantenvereinen und Teilnehmern früherer Kulturfeste für Enttäuschung gesorgt. So sei an den Magistrat die Bitte herangetragen worden, ob nicht das Kulturamt diese Veranstaltung in eigener Verantwortung ausrichten könne.

Das wird jetzt gemacht: Das Internationale Kulturfest soll im Rahmen des Wetzlarer Brückenfestes am 1. September auf dem Wetzlarer Domplatz stattfinden. Mit Informationsständen, Essen und Trinken aus der jeweiligen kulturellen Tradition wie auch einem Bühnenprogramm soll sich das Fest "als attraktiver Anziehungspunkt im Rahmen des Wetzlarer Brückenfestes" darstellen. Wie OB Wolfram Dette und Bürgermeister Manfred Wagner gemeinsam erklärten, erwartet der Magistrat, dass mit der Integration des Internationalen Kulturfestes in das traditionsreiche Wetzlarer Brückenfest der Publikumszuspruch für diese Veranstaltung noch weiter gesteigert werden kann. Das hofft auch Diakon Harald Würges, der in Wetzlar in der Ausländer- und Flüchtlingsarbeit tätig ist: "Ich glaube, es ist eine gute Entscheidung, dass das Internationale Kulturfest während des Brückenfests stattfinden soll." Durch die Einbettung in das Wetzlarer Volksfest offne sich das Kulturfest neuen Gruppen und es werde die integrative Seite des Fests gestärkt. Würges: "Ich hoffe auf einen Neuanfang."

Neuanmeldungen
Das Wetzlarer Kulturamt will Vereine, die sich bereits zum ursprünglichen Termin angemeldet haben, anschreiben, um abzuklären, ob sie auch am 1. September an der Veranstaltung mitwirken wollen. Darüber hinaus können sich auch weitere interessierte Vereine und Organisationen unmittelbar an das Kulturamt der Stadt Wetzlar (Tel.-Nr. 06441/99-4103) wenden, wenn sie an diesem Fest teilnehmen wollen. Oberbürgermeister Dette und Bürgermeister Wagner: "Mit dieser Erweiterung des traditionsreichen Brückenfestes ergibt sich die Chance, dass auch die Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur durch interessante Begegnungen verbreitert werden können."

kro/pe

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