Mittwoch, 19. Mai 2021
Thema der Woche | 7. November 2013

Tucholsky-Zitat ist keine Beleidigung

Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Politikwissenschaftlerin, Gewerkschaftler und Stadtverordneten ein

"Verbindungen sind ein Haufen verhetzter, irregeleiteter, mäßig gebildeter, versoffener und farbentragender junger Deutscher", schrieb der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky 1928 über Burschenschafter. Gegner des umstrittenen Marburger Marktfrühschoppens griffen das vernichtende Urteil während einer Demonstration im Juli auf. In großen Lettern war es auf einem Transparent zu lesen. Damit handelten sich Gewerkschaftssekretär Ulf Immelt, Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth und der linke Stadtverordnete Jan Schalauske ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung ein. Die Staats­anwalt­schaft hat das Verfahren nun jedoch eingestellt. "Es handelt sich um ein pointiertes Werturteil", erläuterte Staatsanwalt Oliver Rust: "Aber es ist noch von der Meinungsfreiheit gedeckt." Dagegen hatte der einer katholischen Verbindung angehörende Rechtsanwalt, der die Strafanzeige gestellt hatte, geschrieben: "Ich bin nicht bereit, mich von fanatischen, linken Ideologen in eine rechtsextreme Ecke manipulieren zu lassen."

Immelt, Kurth und Schalauske hatten das strittige Plakat nicht getragen, aber während der Kundgebung gesprochen. Nach der Anzeige organisierte der DGB eine Tucholsky-Nacht auf dem Marburger Marktplatz. Man dürfe zwar nicht alle Burschenschaften in einen Topf werfen, sagte Gewerkschaftssekretär Immelt: "Ich distanziere mich aber nicht von dem Zitat."

Der Marburger Marktfrühschoppen sei ein "Symbol für die äußerst extreme Rechte des Verbindungswesens", sagte Jan Schalauske von der Marburger Linken. Das Fest wird nämlich regelmäßig von den rechtslastigen Verbindungen Rheinfranken, Germania und Normannia-Leipzig als Bühne genutzt, die in der als rechtsextrem geltenden Deutschen Burschenschaft organisiert sind. Die Stadt wollte das umstrittene Fest deshalb nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung verbieten. Der Verwaltungsgerichtshof hob das Verbot jedoch auf, so dass der Marktfrühschoppen mit rund 400 Besuchern doch stattfinden konnte. Die Gegendemonstranten mobilisierten rund 200 Menschen.

Gesa Coordes

Thema der Woche | 7. November 2013

Richtig ausgehen

Die studentische Kneipenlandschaft in Gießen / Studie des Instituts für Geographie

Einst galt die Ludwigstraße als die Kneipenmeile Gießens. Und auch, wenn heute immer noch zahlreiche Kneipen in der Ludwigstraße sind, hat sich das Bild in den vergangenen Jahren gewandelt. Kneipen-Klassiker haben dichtgemacht, dafür haben andere, neuere Locations sind in der Innenstadt dazugekommen und haben Stammpublikum gewonnen.

Wo gehen Gießens Studierende gerne hin? Was sind ihre Lieblingskneipen- und Locations? Das haben Gießener Geographiestudierende in einer Befragung Mitte 2012 ermittelt.

"Die Spitzengruppe der Kneipen, die von jeweils mehr als 10% der Befragten genannt wurden, besteht aus: News Café, Paprika, Türmchen, Dachcafé, Mr. Jones und Melchiors", berichtet Geographieprofessor Christian Diller, der die Befragung geleitet hat. Dabei sei das Geschlecht das wichtigste Merkmal in der Differenzierung der Nutzerstruktur, sagt Diller. In 12 der 35 meist genannten Kneipen zeigten sich deutliche Unterschiede beim Frauen-/ Männeranteil.

So falle auf, dass in den fünf der sieben Kneipen, die am häufigsten genannt wurden, der Anteil der weibliche Studierenden, die diese nannten, überproportional hoch sei. Studentinnen neigten also offenbar eher dazu, sich in bestimmten Cafés zu konzentrieren als männliche Studenten. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Kneipenpräferenzen hätten die Forscher "am meisten überrascht", sagt Diller.

So sind etwa das NewsCafé, das Café Paprika oder das Türmchen ganz besonders bei Studentinnen beliebt.

Außerdem hat die Befragung ergeben, dass es Studierende bestimmter Fächergruppen eher in bestimmte Kneipen zieht: Die Studierenden der Technischen Hochschule seien vor allem im Admiral, dem Alpenmax, aber auch dem Muk und dem Ritzis überproportional vertreten, berichtet Diplom-Geograph Fabian Schubert, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Institut für Geographie.

Juristen und Wirtschaftswissenschaftler der Uni Gießen konzentrierten sich dagegen besonders in Melchiors, Haarlem und Havana, ferner Dachcafé und Unique. Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler frequentierten dem­gegen­über besonders gerne Türmchen, Vanilla und Shishandis. Und die Natur­wissen­schaftler und Mediziner seien im Melchiors stark vertreten. Am markantesten ist jedoch wohl das Profils des Pferdestall: Passend zum Namen wird er besonders gerne von Veterinärmedizinerinnen besucht. Hinsichtlich des Alters, der Wohndauer in Gießen und des durchschnittlichen Einkommens gebe es zwar Unterschiede unter den Nutzern der einzelnen Lokalitäten, erläutern die Forscher. Diese Unterschiede seien jedoch zu gering, um statistisch auffällig zu sein.

In der Umfrage wurde zudem ermittelt, welche allgemeine Merkmale einer Kneipe für die Studierenden besonders wichtig sind. Hygiene, Freundlichkeit des Personals, Preise, Atmosphäre und Auswahl sind für Gießens Studenten danach die wichtigsten Faktoren, danach kommen Lage und Erreichbarkeit, schließlich Image, Angebote in Form von Sonderaktionen und am Ende der Nichtraucherstatus bzw. Rauchermöglichkeiten.

Auch hier gibt es einen klaren Unterschied zwischen den Geschlechtern, haben die Wissenschaftler herausgefunden. Frauen sind anspruchsvoller: Bei nahezu allen Faktoren hätten weibliche Studierende höhere Ansprüche formuliert als männliche. Nur bei der Erreichbarkeit zu Fuß und dem Image gebe es keine signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschiede.

Die Befragung
... wurde im Juli 2012 im Rahmen von abgestimmten Lehrveranstaltungen am Institut für Geographie der JLU Gießen und der Philipps-Universität Marburg durchgeführt.
Die Gießener Studierenden wurden dabei auch gebeten bis zu drei ihrer Lieblingslokalitäten in Gießen zu benennen: Auf diese Frage antworteten 770 Gießener Studierende, womit für diese Frage die zur Repräsentativität erforderliche Stichprobengröße nur knapp unterschritten wurde.
Bei den insgesamt 1777 Nennungen wurden 128 unterschiedliche Lokalitäten (Kneipen, Bars, Cafés, Discotheken) genannt, im Durchschnitt je Studierendem also 2,3. Weiterhin wurden bestimmte Merkmale der Studierenden abgefragt: Alter, Geschlecht, Studienrichtung und Einkommen.

red

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