Mittwoch, 19. Mai 2021
Thema der Woche | 28. November 2013

Arbeiten am Abgrund

"Der Untergang der Titanic" von 1983 – als der german stage service noch Marburger Theaterwerkstatt hieß – Foto: gss

Express: 30 Jahre german stage service – was hat sich verändert? Was ist geblieben?

Rolf Michenfelder: Nun ja, das Alte findet sich im Neuen. Aber um die Frage wirklich beantworten zu können, müssen wir wohl eine Express Sonderausgabe beantragen.

Express: Wer macht was beim gss? Wie steht es mit Ausstattung und Finanzierung?

Marius Rosinski: Wir verstehen uns als künstlerische Produktionsgemeinschaft für Inszenierungen von Rolf Michenfelder, Heike Scharpff, Graciela González de la Fuente und Anna Krauß.
Für zwei Koproduktionen, vielleicht auch mehr, kommt jetzt Dieter Krockauer hinzu. Dann gibt es mich, ich organisiere, vernetze, gestalte, mache Öffentlichkeitsarbeit, betreue die einzelnen Produktionen und mache mit Rolf zusammen die Gesamtplanung. Feste Schauspieler und Techniker gibt es nicht, das können wir nicht bezahlen, aber es gibt einen Pool von Künstlerinnen und Künstlern, die kontinuierlich mit uns arbeiten.

Rolf Michenfelder: Wir haben aktuell eine Förderung, die um etwa 18.000 Euro geringer ist als vor zwölf Jahren, das ist leider ein ständiges Arbeiten am Abgrund.

Express: Ein bisschen Statistik: Wie viele Produktionen, Spielorte, Mitwirkende und Zuschauer sind in den letzten 30 Jahren zusammengekommen?

Marius Rosinski: Mit der Frage haben wir gerechnet und schon mal versucht zu rekonstruieren. Es sind knapp 50 Inszenierungen für den Spielort Theater. Dann gibt es die künstlerische Linie, für die vor allem Rolf steht, also das, was an theaterfernen Orten läuft, da waren es etwa 20 Produktionen. Dazu noch vier nationale und internationale Festivals und mehrere Langzeitprojekte wie z.B. das dreiwöchige Rund-um-die-Uhr-Projekt "Weltschmerz", wofür wir unzählige eigene künstlerische Beiträge erarbeitet haben. Die Anzahl der Spielorte haben wir nicht mehr herausgefunden, wir sind keine guten Archivare.

Rolf Michenfelder: Wir haben ja viele Jahre mit einem ganz festen Ensemble gearbeitet und das ist noch in meinem Kopf, deshalb war ich doch überrascht, dass es fast 100 Mitwirkende waren, die gespielt oder inszeniert haben und noch einmal 50 in all den Bereichen, die nicht auf der Bühne zu sehen sind. Die Zuschauer haben wir nicht gezählt, weil es auch nichts aussagt. Wir machen oft Produktionen für eine begrenzte Besucherzahl. Unser Hotelstück "So viele Küsse, so viele Seufzer" haben wir z.B. 30 Mal gespielt und immer ausverkauft, die gleiche Zuschauerzahl erreicht man aber auch, wenn für einen Abend die Stadthalle gefüllt wird.

"Das Off-Theater in Marburg" – Marius Rosinski (l.) und Rolf Michenfelder – Foto: gss

Express: Wo verortet sich der german stage service innerhalb der momentanen Marburger Theaterlandschaft?

Rolf Michenfelder: Das tun wir selten und wenn, dann hängt es damit zusammen, was wir gerade machen, manchmal als Avantgarde, manchmal als Nachhut, manchmal mittendrin und dann ganz weit am Rand.

Marius Rosinski: Wir haben jetzt ein Transparent am Haus hängen, auf dem steht: "Das Off-Theater in Marburg".

Rolf Michenfelder: Auf jeden Fall glauben wir, dass Marburg ohne uns ärmer wäre.

Express: Kommt es zu lokalen/regionalen Kooperationen?

Marius Rosinski: Ja, aber selten. Bei dem Büchner-Projekt "Ich schreibe im Fieber" haben wir mit fast mit der ganzen freien Theaterszene zusammen gearbeitet, vorher waren es eher Projekte mit Einzelpersonen.

Rolf Michenfelder: Es gibt bedeutend mehr überregionale und internationale Kooperationen. Das hat mit unserer Geschichte zu tun, wir haben ja in Italien angefangen, mit unserer Festivaltätigkeit, mit unseren Kontakten, und das hat damit zu tun, wer für uns und für wen wir interessant sind. Und es hat auch ökonomische Gründe, denn die Koproduktionen, die wir machen, sichern einen Teil unseres Budgets. Wenn wir nur die lokalen und regionalen Gelder zur Verfügung hätten, gäbe es uns schon nicht mehr.

Express: Stichwort Nachwuchspflege. Wer macht in den nächsten 30 Jahren gss? Habt ihr eine Vision 2043?

Rolf Michenfelder: Anna Krauß, mit der ich seit drei Jahren zusammen arbeite, ist 25. Dass sie in fünf Jahren noch hier ist, ist unwahrscheinlich, aber vor 30 Jahren war es auch unwahrscheinlich, dass ich heute noch hier bin. Wir schauen, wer uns noch alles begegnet. Nur: Marburg ist beileibe kein Sehnsuchtsort für junge Künstlerinnen und Künstler. Und unser Etat ist kein Lockmittel. Ein befreundeter Leiter eines freien Theaterhauses in einer etwa doppelt so großen Stadt wie Marburg bemerkte einmal zu unserer Förderung: "Oh. Genauso viel koste ich. Und wovon macht ihr Theater?"

Marius Rosinski: Visionen gibt es mehrere, und solange sie Visionen bleiben, kosten sie auch nichts. Insofern wäre die Frage zu klären, ob Marburg eine Vision 2043 mit german stage service hat.

Express: Was entsteht aktuell?

Marius Rosinski: Heike Scharpff erarbeitet ein Stück über Susan Sontag, das Ende Januar Premiere haben wird. Und Dieter Krockauer wird Ende März mit "Eigentlich wollte ich nach Finnland" unsere zweite Koproduktion mit unitedOFFproductions herausbringen.

Rolf Michenfelder: Ich bin in der Vorbereitung von zwei Projekten. Zum einen habe ich mich mit Matti Fischer, einem langjährigen Kollegen zusammen getan, und wir fragen uns gerade, wer eigentlich für wessen Glück verantwortlich ist und was man bereit ist, dafür zu tun. Daraus soll dann ein Stück werden. Und im Herbst wird es dann die dritte Inszenierung mit unserem "Jungen Ensemble" geben, wieder kein Jugendtheater, sondern Theater für Erwachsene, gespielt von Jugendlichen. Das Team ist das gleiche wie bei "Dass nach dem Tag die Nacht kommt", also Anna Krauß und ich machen die Inszenierung und der Text kommt von Tim Etchells von Forced Entertainment.

Interview: Michael Arlt

Thema der Woche | 28. November 2013

Grüne Wissenschaftsachse

Studierende entwerfen Gärten der Wissenschaft

"Kulturlandschaft" ist das Thema des Wissenschaftsgartens, den die THM-Studierenden Eva-Lisa Gruber, Sven Nakowsky und Stella Topp für die Landes­garten­schau 2014 in Gießen entworfen haben. Die drei Studenten am Gießener Fachbereich Bauwesen haben damit im Wettbewerb der Technischen Hoch­schule Mittelhessen und der Justus-Liebig-Universität einen ersten Preis gewonnen. Insgesamt acht von 22 eingereichten studentischen Entwürfen zeichnete die Jury unter Vorsitz von Prof. Peter Jahnen aus, darunter sechs mit einem ersten Preis.

Fünf der Entwürfe werden nun realisiert. Neben der Kulturlandschaft ein "Grüner Hörsaal", der "Garten der Biodiversität", "Schlammbeisers Garten" und ein "Paradiesgarten". An zwei dieser Arbeiten waren auch Studenten der JLU beteiligt. Zwei weitere Gärten ergänzen die Wissenschaftsachse auf dem Gelände in der Wieseckaue: ein Ausstellungsgarten, der die studentischen Arbeiten vorstellt, und ein "Grünes Mathematikum".

Der Ausstellungsgarten führt die Reihe der Wissenschaftsgärten an und dient als Präsentationsraum für die Arbeiten aus dem Wettbewerb.

Der Garten der Kulturlandschaft soll den Grundriss der Stadt Gießen mithilfe unterschiedlicher Gräser nachbilden. Auch wichtige Gießener Gebäude sollen zu erkennen sein. Im Kontrast dazu steht an einer Seite eine begehbare weiße Betonschale, die eine Leerstelle markiert, an der nichts wächst.

Im "Grünen Mathematikum" entsteht ein Brunnen, der dem vom Mathematikum-Gründer Prof. Albrecht Beutelspacher entwickelten Tischspiel "Lights On", welches sich im Mathematikum befindet, nachempfunden sein soll. Per Knopfdruck können die Besucher dabei die Wasserstrahlen nach einem bestimmten mathematischen Muster unterschiedlich steuern. Der Brunnen besteht aus einer kreisrunden Scheibe aus Naturstein, die in 7 Segmente unterteilt ist. Aus den Fugen führen jeweils bei Betätigung der Taster Wasserstrahlen zur Mitte hin in ein kleines Wasserbecken.

Im "Garten der Biodiversität" soll das Verständnis der Besucher für die Bedeutung biologischer Vielfalt und die damit verbundenen ökologischen Zusammenhänge gefördert werden.

Der "Paradiesgarten" wiederum soll Raum für die individuelle Vorstellung eines jeden Besuchers. In einem sechs Meter hohen Holz-Pavillon sollen große Tafeln sie dazu einladen, mit Worten zu beschreiben, wie sie sich ihren eigenen Paradiesgarten vorstellen.

"Schlammbeißers Garten" soll den Besucher auf eine Zeitreise in ein Gießen der Vergangenheit einladen: Angefangen von einer Sumpflandschaft, wie sie im Gießener Becken um 1150 n. Chr. vorherrschte, bis hin zu den heutigen Auenlandschaften im Bereich von Lahn und Wieseck sowie der urbanen Nutzung.

Der "Grüne Hörsaal" mit Holzwürfeln und Tischen sowie Glaswänden, die als Tafel und Präsentationsfläche dienen können, soll Raum zum Studieren, Ausruhen und für Veranstaltungen bieten.

Jürgen Hauck, Architekturprofessor an der THM, betreut Planung und Bau der Wissenschaftsgärten. Gemeinsam mit den Architekturstudenten Jan Pfuhl- mann und Jonas Kurtscheid hat er die Ausführungsplanung entwickelt und Angebote eingeholt. In der derzeitigen Realisierungsphase ist er Bauleiter. Außer- dem ist es ihm gelungen, Sponsoren zu werben, die einen Großteil der Baukosten tragen. So wird ein Langgönser Bauunternehmen im Januar die etwa zehn Tonnen schwere Betonschale liefern wird.

pe/kro

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