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Thema der Woche | 14. Februar 2013

Näher dran

Mitreden, mitgestalten: Stadt Marburg setzt auf mehr Bürgerbeteiligung

Das Werkstattgespräch zum Dauerbrenner "Verkehrsentwicklung in der Nordstadt" samt erstem städtischen Livestream im Januar war nur der Anfang: Die Stadt Marburg will mehr Bürgerbeteiligung bei wichtigen städtischen Themen.

"Wir müssen die Bürger und Bürgerinnen bei den zukünftigen Entscheidungen mitnehmen", sagt Marburgs Stadtsprecher Ralf Laumer. Denn: Ohne eine aktive Bürgergesellschaft, ohne gut informierte Bürger, die ihre Stadt mitgestalten wollten, seien die Zukunftsaufgaben der Kommunen nicht zu stemmen.

Laumer, seit Oktober als Nachfolger von Rainer Kieselbach im Amt, ist seit Februar auch Leiter des neueingerichteten Fachdiensts "Presse- und Öffentlichkeitsarbeit & Bürger/innen-Kommunikation". "Dass wir die Bürgerkommunikation in den Namen aufgenommen haben, ist ein Zeichen dafür, wie wichtig es der Stadtverwaltung ist, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, sie an Entscheidungsprozessen zu beteiligen und die Arbeit der Verwaltung transparent zu machen", unterstreicht er.

Drei große Bereiche habe die Stadt auf ihrer Agenda: Marburg in den "Social Media", wie z.B. Facebook zu verankern, den Relaunch der städtischen Website sowie neue Kommunikations- und Bürgerbeteiligungsformen - online und offline - auszutesten und einzuführen.

Knapp 830 Marburger haben den Livestream zum Werkstattgespräch Nordstadt oder dessen Aufzeichnung am Werkstatt-Wochenende gesehen

Eine Idee: Ein Schlagloch vor der Haustüre könnten Marburger künftig etwa ganz einfach über eine interaktive Karte auf der Homepage der Stadt melden. "So eine Art von 'Mängel-Melder' ist für den Relaunch der städtischen Website angedacht", erläutert Laumer.

Eine andere Idee: Ähnlich wie es auch in Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover bereits durchgeführt wird, denkt die Stadt Marburg darüber nach, mehrmals im Jahr die Bürger online zu aktuellen Themen zu befragen. "Das Wichtige dabei ist, dass wir die Online-Umfrage so gestalten, dass eine repräsentative Auswahl von Einwohnern bei der Umfrage mitmacht, - damit das Ergebnis auch Relevanz hat", sagt Laumer. Vorbild sei dabei das in Hannover eingeführte System.

Bis Mitte 2014 will die Stadt nach den jetzigen Planungen mit dem Relaunch der Homepage fertig sein. Bis dahin sollen verschiedene Formen der Bürgerbeteiligung ausprobiert werden. So können Marburgs Bürger beispielsweise am 12. März zwei Stunden lang per Livechat mit Oberbürgermeister Egon Vaupel, Bürgermeister Franz Kahle sowie Fachleuten über das Verkehrskonzept für die Nordstadt diskutieren.

"Den letzten moderierten Livechat gab es vor fünf Jahren", sagt Stadtsprecher Laumer, aus dessen Sicht das Thema Nordstadtentwicklung überhaupt ein sehr gutes Beispiel für erfolgreiche neue Formen der Bürgerbeteiligung ist: Haben doch knapp 830 Marburger den Livestream zum Werkstattgespräch Nordstadt oder dessen Aufzeichnung am Werkstatt-Wochenende gesehen. "Mit so einem guten Ergebnis haben weder der OB noch ich gerechnet", so Laumer.

20.000 Euro hat die Stadt Marburg nach seinen Angaben in den Haushalt eingestellt, um die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung auszubauen und nach neuen Kommunikationsformen zu suchen. Der Fachdienst "Presse- und Öffentlichkeitsarbeit & Bürger/innen-Kommunikation" sei um eine Mitarbeiterin verstärkt und die Arbeit umorganisiert worden, um den digitalen Medien mehr Gewicht geben zu können.

"Zurzeit läuft zudem eine Bestandsaufnahme, welche Formen von Bürgerbeteiligung es in Marburg bereits gibt", berichtet Laumer. Und das seien nicht wenige: So gebe es etwa zahlreiche Möglichkeiten für Bürgerbeteiligung über den Agenda-21-Prozess und die vorgeschriebene Beteiligung der Öffentlichkeit bei Bauprojekten. Laumer: "Darüber hinaus gibt es zahlreiche Kommissionen, Beiräte, Foren und Runde Tische, in denen sich die Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Sachverstand und ihren Erfahrungen einbringen können." Oder auch die traditionell in Marburg gut angenommenen Stadtforen zu wechselnden Themen, beispielsweise der "Entwicklung von Stadt und Universität" und aktuell zu Marburgs Bewerbung für die UNESCO-Welterbeliste.

Was so eine Welterbe-Bewerbung finanziell bedeutet - und was die Stadt Marburg mit ihrem Geld generell so alles macht, wird demnächst freilich auch transparent dargelegt. Laumer: "Der OB hat uns auch die spannende Aufgabe gestellt, den Haushalt 2014 den Bürgern anschaulich näher zu bringen."

Die Schlacht der "Magic Seven"
Es ist mal wieder so weit: Wissensschlacht in Marburg. Ob dabei die Zahl Sieben den sieben Teilnehmern des siebten Science-Slams Glück bringen wird, die am 15. Februar auf der Bühne des Landestheaters mit Worten um den Sieg kämpfen? Das Publikum zumindest wird wieder Interessantes wie Kurioses aus der Welt der Wissenschaft zu hören bekommen, das versprechen beispielsweise die Beiträge "Reise ins Innenleben der Honigbienen" von Molekularbiologe Dr. Jörg Klug und "Antimaterie beim Arzt" von Physiker Michael Deveaux. Neben den beiden sind noch die Humanmediziner Alexander Falb und Johannes Hinrich von Borstel, der Politikwissenschaftler Jens Wiesner, der Medizintechniker Dr. Peter Westerhoff sowie der Psychologe Sebastian Bartoschek mit von der Partie. Und natürlich wird auch Vize-Intendantin Dr. Christine Tretow als mit Hornbrille bewaffnete Moderatorin samt ihrem Assistenten Abi und dem unbeschreiblichen Brain wieder mit dabei sein. Freitag, 15.2, ab 21 Uhr, Bühne Hessisches Landestheater.

Georg Kronenberg

 
Thema der Woche | 14. Februar 2013

Leichter lesen auf dem Tablet-PC

Lesestudie: Ältere Leser profitieren von E-Books / besser als gedrucktes Buch

Das Lesen von elektronischen Büchern ist für das Gehirn nicht anstrengender als das Lesen von herkömmlichen, auf Papier gedruckten Büchern. Im Gegenteil: Älteren Menschen fällt das Lesen auf einem Tablet-PC sogar leichter. Dies ergab eine Lesestudie, die unter Marburger Beteiligung mit Testpersonen unterschiedlichen Alters durchgeführt wurde. "Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass man auf digitalen Endgeräten schlechter liest oder das Gelesene schlechter behält", berichtet Dr. Franziska Kretzschmar von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), deren Wissenschaftler die Federführung bei der aktuellen Studie hatten. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass ältere Menschen auf Tablet-PCs sogar besser lesen, vermutlich weil hier die Kontraste stärker sind."

Elektronische Bücher haben in den letzten Jahren vor allem in englischsprachigen Ländern einen starken Zulauf und ihre Verkaufszahlen liegen mittlerweile schon über denen klassischer Printbücher. Deutsche Leser sind gegenüber den digitalen Texten noch etwas zurückhaltend: Elektronische Bücher machten 2011 nur etwa ein Prozent der gesamten Buchverkäufe aus. Nach ihrem Lieblingsmedium befragt, liegt bei den Deutschen das gedruckte Buch weit vor dem E-Book. Der Grund dafür mag unter anderem in einem allgemeinen Misstrauen gegenüber neuen Technologien liegen.

So fanden auch die 56 Testpersonen, die an der Studie der Universitäten Mainz, Göttingen und Marburg teilnahmen, das Lesen auf Papier am angenehmsten und konstatierten eine bessere Lesbarkeit. Im Experiment zeigte sich aber, dass diese Einschätzung, die gleichermaßen von den jungen wie von den älteren Probanden geäußert wurde, nicht mit der Analyse der Augenbewegungen und der Gehirnströme übereinstimmt. Die Testpersonen im Alter von 60 bis 77 Jahren wiesen eine höhere Lesegeschwindigkeit und eine geringere Gehirnaktivität beim Tablet-PC auf im Vergleich zum gedruckten Buch und auch im Vergleich zu einem E-Ink-Reader wie etwa dem Kindle. "Der kognitive Aufwand ist für die älteren Probanden beim Lesen am Tablet-PC geringer als beim E-Ink-Reader und der Papierseite. Dies wird durch die Beobachtung der Blickbewegungen beim Lesen und der gleichzeitigen Messung der Gehirnaktivität eindeutig bestätigt", erklärt Kretzschmar.

Der Grund für die bessere Lesbarkeit ist vermutlich der stärkere Kontrast durch die Hintergrundbeleuchtung des Tablet-Computers. Diese hilft bei der Buchstaben- und Worterkennung und wirkt sich bis in die höchsten Sprachverarbeitungsebenen aus. Bei den jüngeren Probanden im Alter von 21 bis 34 Jahren scheint das keine Rolle zu spielen: Hier schnitten die drei Lesemedien in etwa gleich ab. Und egal ob jung oder alt, das Leseverständnis war in beiden Gruppen für alle drei Lesemedien gleich gut.

Die Ergebnisse zeigen also, dass die subjektive Beurteilung digitaler Lesemedien nicht mit den tatsächlichen kognitiven und neuronalen Anstrengungen bei der Informationsverarbeitung übereinstimmt, schreiben die Wissenschaftler aus Mainz, Göttingen und Marburg in einer Veröffentlichung in PLoS ONE. Vermutlich sei der subjektive Eindruck stark an den hohen Status des traditionellen, gedruckten Buches als Teil unseres kulturellen Erbes geknüpft. Die Ergebnisse der Untersuchung decken sich weitgehend mit einer Pilotstudie zu diesem Thema, die 2011 anlässlich der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde.

pe/kro

Thema der Woche | 14. Februar 2013

Studiencoaching

Neues Beratungsangebot für Studierende

Nicht immer verläuft das Studium zur eigenen Zufriedenheit. Enttäuschung, Verzweiflung und Ratlosigkeit stellen sich ein, wenn sich die Erwartungen an das Studium oder an die eigene Leistung nicht erfüllen. Dies wiederum beeinträchtigt die Studierfähigkeit. Studien zeigen: Viele Studierende, die ihr Studium aufgrund ihrer Fähigkeiten gut abschließen könnten, scheitern aufgrund eines Mangels an Zuversicht oder Motivationsschwierigkeiten. Seit dem Wintersemester 2012/13 verfügt die Uni Gießen daher über ein neues Beratungsangebot, das am Zentrum für fremdsprachliche und berufsfeldorientierte Kompetenzen (ZfbK) angesiedelt ist: Im Rahmen des Studiencoaching erhalten Studierende, die unter Schwierigkeiten im Studium leiden, die Möglichkeit, kostenfrei an einem persönlichen Coaching teilzunehmen. Sie erhalten Unterstützung bei der Entwicklung von Zielperspektiven und Lern- und Motivationsstrategien und können sich zu passenden Förderangeboten beraten lassen.

Die beiden Psychologinnen und geschulten Beraterinnen Maren Kersting und Lilith Michaelis bieten das Studiencoaching an. Sie hören von den Studierenden in ihren Sprechstunden oft Sätze wie "Ich weiß gar nicht, wie ich das alles schaffen soll", "Ich lasse mich leicht ablenken und kann mich nur schwer aufs Lernen konzentrieren". Aufgrund dieser oder ähnlicher Sorgen und Unsicherheiten haben bereits zahlreiche Studierende in den vergangenen Monaten ein Studiencoaching wahrgenommen.

Das Studiencoaching bietet den Studierenden einen Raum und die Möglichkeit, um über ihre Sorgen und Nöte rund um das Studium mit jemandem zu sprechen, der sie persönlich unterstützt. Die Beraterinnen helfen bei der Stärkung von Kompetenzen und Selbstwirksamkeit. "Es werden keine allgemeinen Ratschläge gegeben, sondern individuelle Lösungen entwickelt und die Studierenden bei der Umsetzung dieser Lösungen begleitet", sagt Maren Kersting.

pe/kro

Tipp des Tages

Full Metal Jacket

Foto: Kabel eins
Der sensible Privat Pyle lernt bei den US-Marines das Töten, zerbricht daran, und erschießt sich und seinen sadistischen Ausbilder. Für die anderen Rekruten wird es ernst. In Vietnam kämpfen sie gegen einen unsichtbaren Feind, der aus dem Hinterhalt angreift. Der monatelange Drill erweist sich nun als nutzlos ...
Mi 3.2. | 20.15 Uhr | TV | Kabel eins
 
Tipp der Woche

Guardians of the Galaxy

Foto: Vox
Peter "Star-Lord" Quill ist ein Weltraumbandit. Er tut sich mit den Kopfgeldjägern Rocket und Groot sowie der rätselhaften Gamora und dem rachgierigen Drax zusammen, um das Universum zu beschützen.
Do 11.2. | 20.15 Uhr | TV | Vox
 
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