Mittwoch, 19. Mai 2021
Thema der Woche | 2. Januar 2014

Auf Behrings Spuren

Marburg erinnert mit einem Erlebnisspaziergang an den Medizin-Nobelpreisträger – Foto: Coordes

Wer auf der Marburger Behring-Route wandert, sollte gut zu Fuß sein. Mehr als drei Stunden dauert es, alle zwölf Stationen des Weges abzulaufen, die an den ersten Medizin-Nobelpreisträger erinnern. Jetzt wurde die mit Hinweistafeln ausgestattete Route eröffnet, zu der eine Begleitbroschüre erschienen ist. Die Tour, die sich als naturwissenschaftlich ausgerichteter Stadterlebnisspaziergang versteht, startet am Marburger Hauptbahnhof, wo Emil von Behring (1854–1917) 1895 mit dem Zug aus Berlin ankam, und endet am einstigen Schlossberg-Laboratorium des Forschers.

Im Gegensatz zu anderen Marburger Persönlichkeiten ist Emil von Behring im Erleben und im Bild Marburgs weniger präsent", erläutert Projektleiterin Karin Stichnothe-Botschafter vom städtischen Kulturamt: "Diesem Mangel wird mit der Behring-Route begegnet." Schließlich fand der Wissenschaftler, der den Impfstoff gegen die Diphtherie entwickelte, in Marburg seine zentrale Wirkungsstätte. Seine Bedeutung für die Stadt ist groß: Bis heute gehen mehr als 5000 Arbeitsplätze auf ihn zurück.

Als Emil von Behring 1895 nach Marburg kam, warnten die Kollegen allerdings vor dem eigensinnigen Forscher, der nur gegen den Widerstand der Marburger Fakultät berufen werden konnte. Er galt nämlich als miserabler Pädagoge und schwieriger Kollege. Die Lehre übernahmen allerdings häufig seine Assistenten. Und Behring selbst, der sich an seinem neuen Wirkungsort unweit der Hoechster Farbwerke erst richtig entfaltete, erhielt bereits 1902 den ersten Medizin-Nobelpreis und wurde in den erblichen Adelsstand erhoben.

Die Route führt an der Behring-Ausstellung mit dem Titel "Blut ist ein ganz besonderer Saft" vorbei, die neben der zentralen Behring-Forschungsstelle in Deutschland in der Bahnhofstraße 7 zu finden ist. Einige Schritte weiter gegenüber von der Marburger Elisabethkirche hat Behring einst am Hygiene-Institut gelehrt und geforscht. In einer Nische erinnert eine Büste an den Forscher, der sich als Marburger Stadtrat auch um die Trinkwasserversorgung der Stadt kümmerte. Von dort aus verläuft die Tour an seinem einstigen Geschäftshaus an der Ketzerbach 11 vorbei zu Behrings beeindruckender Privatvilla und seinem einstigen Forschungslabor. Weitere Stationen sind das Mausoleum Elsenhöhe, in dem Emil von Behring 1917 beigesetzt wurde, seine erste Serumabfüllstation, Firmengebäude und das private Schlossberglaboratorium. Wichtig ist natürlich auch das Gelände der ehemaligen Marburger Behringwerke, die der Wissenschaftler mit Hilfe des Nobelpreisgeldes aufbaute. Hier richtete Emil von Behring Stallungen für seine Versuchstiere ein, die bis in die 40er Jahre hinein "Produzenten" der Antikörperpräparate waren. In den 90er Jahren wurden die Behringwerke in mehrere Pharmaunternehmen aufgegliedert, bei denen heute mehr als 5000 Menschen arbeiten. Im Hauptgebäude findet sich auch sein früheres Arbeitszimmer. Die Route endet am Schloss mit seiner beeindruckenden Aussicht über Marburg.

Die Ausstellung
Die Behring-Ausstellung in der Bahnhofstr. 7 ist von Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr geöffnet (Eintritt frei). Das Marburger Tourismusbüro (Tel. 06421-99120) bietet regelmäßig Führungen zum Thema. Dort und im Rathaus ist auch die Begleitbroschüre erhältlich. Weitere Informationen zur Emil-von-Behring-Route finden sich unter www.marburg.de/behring-route.
Der Nobelpreisträger
Geboren wurde Emil von Behring 1854 als fünftes Kind eines Dorfschullehrers in Westpreußen. Medizin konnte er nur studieren, indem er sich verpflichtete, jedes Semester mit einem Jahr als Militärarzt abzugelten. Bereits im Alter von 24 Jahren wurde er Doktor der Medizin. Beim Militär stieß er auf sein Lebensthema, die Seuchenhygiene.
Damals starb in Deutschland noch jedes zweite Kind an den Folgen der Diphtherie. Mehr als 50.000 Mädchen und Jungen wurden jedes Jahr von der Erkrankung dahingerafft. Bis 1893 die Krankheit erstmals mit einem Heilserum behandelt werden konnte, das Emil von Behring entwickelt hatte. Hergestellt wurden die ersten Seren gegen den "Würgeengel der Kinder" am Hygienischen Institut in Berlin, in dem er seit 1889 als Assistent von Robert Koch tätig war. Gemeinsam mit seinem japanischen Kollegen Shibasaburo Kitasato veröffentlichte Behring 1890 den Beitrag über die Diphtherie- und die Tetanus-Immunität bei Tieren, der Medizingeschichte machte. Mit der Einführung der Diphtherie-Impfung sank die Sterblichkeit innerhalb von zehn Jahren auf die Hälfte. Auch der Wundstarrkrampf konnte mit der Tetanus-Impfung eingedämmt werden.
gec

Gesa Coordes

Thema der Woche | 2. Januar 2014

Ausgezeichnet

19. Licher Fotopreise "Mensch und Natur" vergeben – Die 50 besten Motive gehen im Januar 2014 auf Hessentour – Foto: Knoll

Exakt 1.132 Bilder wurden im November von einer Fachjury gesichtet, um die vier Gewinner-Motive sowie 46 weitere für die Wanderausstellung des Fotowettbewerbs zu ermitteln. Gefragt sind bei den Einreichungen nicht die bloße Abbildung von Natur, sondern der wechselseitige, sichtbare Einfluss, den Mensch und Natur aufeinander haben, und die Spuren, die der Mensch in der Natur hinterlässt.

Nachhaltiger Naturschutz braucht beständiges Engagement", hob Licher-Geschäftsführer Ulrich Peters in seiner Begrüßung hervor. Es sei wichtig, die Menschen dafür zu sensibilisieren. "Und hier setzt der Licher Fotopreis an. Er schafft einen Anlass, sich intensiv mit der Natur auseinanderzusetzen und die eigene Beziehung zu ihr kritisch zu überdenken – sowohl als Fotograf, aber auch als Betrachter." Seit 19 Jahren sei der Wettbewerb untrennbar mit dem Licher Engagement für Naturschutz in Hessen verbunden, "und die große Zahl der Einsendungen zeigt: Unsere Botschaft kommt an", so Peters. Günter Osterloh, Vorsitzender der Fotopreis-Jury und ehemaliger Leiter der Leica- Akademie, betonte, dass die Jury in diesem Jahr viel länger und intensiver diskutiert habe als in den Vorjahren, um die vier Gewinner und 46 zusätzlichen Bilder auszuwählen: "Das liegt daran, dass die Qualität der eingereichten Beiträge ständig steigt."

Und so hatte die Jury, der neben Osterloh und Peters auch Professor Michael Kerstgens von der Hochschule für Gestaltung in Darmstadt und Roland Holschneider, Chef-Fotograf der Deutschen Presse-Agentur, angehören, im November die Qual der Wahl, um aus den 1.132 Einsendungen von Fotografen aus Hessen, Deutschland und ganz Europa die Sieger zu küren.

Den von der Licher Privatbrauerei ausgelobten und mit 5.000 Euro dotierten ersten Preis gewann Eberhard Knoll aus Frankfurt mit seinem Motiv "Hotelruine in Andorra". Das Bild belege anschaulich die aberwitzige Idee einiger Menschen, sich die Natur unterordnen zu wollen, so die Begründung der Jury. Der riesige Hotelkomplex, der vor der kleinen romanischen Kirche in Andorra entstehen sollte, dann aber gestoppt wurde, zeige eindrucksvoll die oft fragwürdige Entwicklung des Tourismusbooms. "Der Neubau ist praktisch in den Fels hineingesprengt worden und eben deshalb, nach Ansicht der Jury, gleichsam ein Manifest des Größenwahns von Menschen. Und es ist ein schmerzhaftes Bild", brachte es Osterloh auf den Punkt. Der zweite Preis des Fotowettbewerbs, eine Leica-Kamera im Wert von 2.000 Euro, ging an die Fotografin Oana Szekely und wurde von Leica-Pressesprecher Andreas Dippel übergeben. Ihr Bild "AIDA-Schiff auf großer Fahrt" fiel der Jury unter den über 1.100 Bildern von Anfang an auf, die zum diesjährigen Wettbewerb eingesandt wurden. "Es fasziniert den Betrachter insbesondere durch den symmetrischen Aufbau des Bildes, in dessen Mitte sich eine Person an einem winzigen Pool niedergelassen hat. Von Natur ist kaum etwas zu sehen – nur in den Bildecken ein wenig vom großen, weiten Meer, das das Schiff bis zum Horizont umgibt und auf dem es unterwegs ist", sagte der Juryvorsitzende. Die Symbiose von Mensch, Natur, Schiff und Meer, von der in Sagen und Legenden seit Urzeiten berichtet wird, sei hier neu interpretiert worden.

Thomas Dressler durfte sich über den dritten Platz und das Preisgeld von 1.000 Euro freuen, ausgelobt von der Naturschutz-Akademie Hessen mit Sitz in Wetzlar und übergeben durch den Leiter Albert Langsdorf. Das Bild vom springenden Sandsurfer hatte Dressler in den Dünen der Namib Wüste in Namibia fotografiert. "Die Jury war von der fotografisch perfekt im richtigen Moment eingefrorenen Bewegung des Menschen in der Natur und der darin zum Ausdruck kommenden Dynamik besonders beeindruckt. Neben den vielen, eher "stillen" Bildern, die zum Wettbewerb eingesandt wurden, eine überraschend lebendige Bereicherung", erläuterte Osterloh bei der Preisverleihung.

Den Sonderpreis "Natur in Hessen", vergeben von der Stiftung Hessischer Naturschutz und dotiert mit 750 Euro, ging an Roland Adrian aus Gelnhausen. Der Hobbyfotograf nahm die Urkunde aus den Händen von Carsten Wilke entgegen, Abteilungsleiter Forsten und Naturschutz im Hessischen Umweltministerium. Adrians Aufnahme "Der Schäfer trotzt den Gewalten der Jahreszeiten" wurde in der Nähe von Linsengericht aufgenommen und zeigt ein Motiv, das für Hessen nicht untypisch ist: einen Schäfer mit seinen Hunden bei der Arbeit. "Außergewöhnlich ist die Stimmung in seinem bei wolkenverhangenem Himmel entstandenen Foto. Es lässt erahnen, was es bedeutet, in und mit der Natur zu allen Jahreszeiten für das Wohlergehen der Herde zu sorgen, weder einen Achtstundentag noch Sonn- und Feiertage zu kennen", so Osterloh zur Begründung der Jury.

Die vier Sieger-Bilder und die 46 weiteren ausgewählten Motive gehen im kommenden Jahr wieder auf "Hessentour". Die Wanderausstellung zum Licher Fotopreis startet am Dienstag, 28. Januar 2014 in der Sparkasse Gießen. Dort sind die Bilder bis zum 21. Februar zu sehen.

pe/MiA

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