Mittwoch, 19. Mai 2021
Thema der Woche | 5. Juni 2014

Ein Meter bis zur Zukunft

"ONE METER to THE FUTURE" – Foto: Thomas Gebauer

Seit dem 10. Dezember 2013, dem letzten Internationalen Tag der Menschen­rechte, hängt im Studentenhaus der Philipps Universität Marburg die Foto­ausstellung "ONE METER to THE FUTURE" mit fünfundzwanzig Fotografien zum Arabischen Frühling und den Menschenrechten. Der Express sprach mit Thomas Gebauer über die Ausstellung

EXPRESS: Ein ungewöhnlicher Titel für eine Fotoausstellung?

Gebauer: Oft braucht es nur einen Meter Perspektivwechsel, um die Welt mit anderen Augen zu sehen und die Realitäten anders zu reflektieren. Ich war in der glücklichen Lage, schon ein Jahr nach der tunesischen Revolution vor Ort die Fotografien der Ausstellung aufzunehmen.

EXPRESS: Was ist das besondere an den Exponaten?

Gebauer: Ich habe die einzelnen Fotografien mit den in arabisch geschriebenen Worten zahlreicher Menschenrechte und den entsprechenden englischen Übersetzungen gestaltet und auf feste Leinentücher drucken lassen. Ein Jahr später, im Januar 2013, habe ich die Fotografien zurück nach Tunesien gebracht und zusammen mit einer gleichnamigen Installation ONE METER to THE FUTURE, einer Art Sozialer Plastik der Bürgerbeteiligung in Sfax, der Marburger Städtpartnerstadt in Tunesien,präsentiert.

EXPRESS: Warum auf Leinentücher?

Gebauer: Leinentücher lassen sich zusammenrollen, können auch mit Reißzwecken an Wände gehängt oder auf den Boden gelegt werden und machen die Präsentation der Ausstellung mobiler und einfacher für Menschen, die die einzelnen Fotografien der Ausstellung in ihrer politischen Arbeit als Werkzeug nutzen wollen.

EXPRESS: Funktioniert das Werkzeug mobile Menschenrechts-Fotoausstellung?

Gebauer: Zusammen mit den Druckrechten z.B. für Postkarten und der Möglichkeit, die Exponate umsonst aus dem Internet zu ziehen schon. Unter anderem wurde die Ausstellung über Tunesien hinaus im Juni und Juli 2013 im Rahmen der "INTERNATIONAL EXHIBITION – ONCE UPON A TIME ... THE ARAB SPRING" auch in Marokko gezeigt.

EXPRESS: Gibt es ein Schlüsselwerk unter den einzelnen Fotografien?

Gebauer: Das Schlüsselwerk der Ausstellung zeigt ein kleines Mädchen, dass am ersten Jahrestag der tunesischen Revolution im Januar 2012 die Menschenrechte an einen Brückenpfeiler in Sfax malt. Als großformatiges Banner ist die Fotografie mit Erläuterung über die Hintergründe der Photoaufnahme an der Biogas-Anlage des Studentenhauses zu sehen.

EXPRESS: Mit welcher Intention?

Gebauer: Als Einladung in die Wahrnehmung des öffentlichen Raumes bzw. an Passanten gerichtet, sich dem Thema Menschenrechte einmal auf andere Weise zu nähern und vielleicht sogar die Ausstellung im Studentenhaus zu besuchen.

EXPRESS: Und wie geht's weiter?

Gebauer: Die Ausstellung "ONE METER to THE FUTURE" wird zeitnah allen deutschen Studentenwerken, allen Deutschen Schulen im Ausland und allen interessierten Menschen vor allem in den Ländern des Arabischen Frühlings durch eine interaktive Website kostenfrei zu Verfügung gestellt werden. Zum diesjährigen Stadtfest "3TM" im Juli gibt's die gleichnamige Installation als Soziale Plastik der Bürgerbeteiligung zum Mitmachen auch in Marburg.

Info:
ONE METER to THE FUTURE – HUMAN RIGHTS PHOTOEXHIBITION von Thomas Gebauer im Studentenhaus der Philipps Universität Marburg noch bis 31.12.2014 (Erlenring 5, 35037 Marburg). Weitere Informationen: www.agent21-art-and-repair.de

Interview: red

Thema der Woche | 5. Juni 2014

Straßenfeger auf dem Rathausplatz

Wenn Gießens Pflaster aufbricht: Wandertheater "Stadt als Garten" am 5., 6. und 8. Juni / Berliner Platz – Foto: Mobile Albania

Seit zwei Jahren hat die Künstlergruppe "Mobile Albania" alternative Feiertage für Gießen entwickelt und den öffentlichen Raum in der Stadt in ein Theaterlabor verwandelt. Im Express-Interview erzählt Roland Siegwald von dem Künstlerkollektiv vom "finalen Festakt" am und auf dem Berliner Platz am 5., 6. und 8. Juni (jeweils ab 20.15 Uhr).

EXPRESS: Am Berliner Platz laden Sie zu einem Wandertheater "Stadt als Garten" ein. Was erlebe ich als Zuschauer dort?

Roland Siegwald: Wir laden Sie ein, auf verschiedene Wege ihre Stadt zu erkunden. So gibt es dort beispielsweise eine ganz spezielle Prozessionsstraße – wohin die führt, wird erst vor Ort erklärt. Ein Schwall lebendiger Erde wird aus dem Gießener Untergrund gekarrt und türmt sich auf dem Rathausplatz auf. Das Pflaster bricht in der Perfomance auf.
Straßenkehrer fegen die gewohnten Strukturen des städtischen Lebens weg: Der Platz wird danach nicht mehr so sein, wie er vorher war. Er kann für etwas Neues genutzt werden, für die Gießener tun sich dadurch neue Möglichkeiten auf.

EXPRESS: Was für Möglichkeiten?

Roland Siegwald: Wenn die Flagge unserer Künstlergruppe gehisst ist, dann gelten die Gesetze der Anwesenden, dann bestimmen die Künstler und auch die Besucher, was an dem Ort passiert. Denn unser Thema ist die Aneignung des öffentlichen Raums: Wie wollen wir leben? Wir wollen wir die Stadt in der Zukunft gestalten? Das sind die Fragen, die wir uns und den Zuschauern stellen.
Wir gehen von dem Bestehenden aus und wollen im Dialog mit den Zuschauern neue Möglichkeiten, Utopien entwickeln.

EXPRESS: Ihre Künstlergruppe hat sich während des letzten zwei Jahren bereits vier alternative Feiertage für Gießen ausgedacht. Wozu?

Roland Siegwald: Das ist ein Projekt im Rahmen des Kulturprogramms der Stadt Gießen zur Landesgartenschau. Als wir vor zwei Jahre angefangen haben, fanden wir es sehr spannend, über einen so langen Zeitraum Feiertage als Performances und Momente des Zusammenkommens zu entwickeln.
Wir sind quasi während der Zeit mit den verschiedenen Veranstaltungen mit den Zuschauern immer weitergewandert. Wir haben dabei mit Gießener Einrichtungen zusammengearbeitet, mit dem Seniorenheim am Theaterpark, mit einer Schulklasse oder auch mit der Jugendwerkstatt.
Unser innerstädtischer Wanderverein hat monatlich zu Wanderungen eingeladen, bei denen die Spaziergänger sehr spielerisch ihre Stadt entdecken konnten, zum Beispiel das Leben in den Hintergärten. Wir haben auch mit unserer "Wurmzeituhr" über rund ein Jahr Wortmüll gesammelt, der in das Wandertheater auf dem Rathausplatz eingeht.

EXPRESS: Woher kommt der Name "Mobile Albania" und wer macht bei dem Künstlerkollektiv mit?

Roland Siegwald: Alle Mitglieder, – Sarah Günther, Katharina Stephan, Till Korfhage, Camilla Vetters Kathrin Felzmann Anna Berkenhoff Laura Eggert und ich –, haben in Gießen angewandte Theaterwissenschaften studiert.
Der Name für das Kollektiv ist während einer Reise Richtung Albanien 2009 entstanden. Dabei haben wir erlebt, unter welchen Repressionen die Menschen in dem Land an der Grenze zur EU leben müssen, während sie darauf warten, in die Europäische Union aufgenommen zu werden.
Unsere Idee war, dass in unserem Theaterstaat "Mobile Albania", alle Bürger, also alle Künstler und alle Zuschauer, die Präsidenten sind und alle bei den performativen Aktionen mitbestimmen können.

Interview: Georg Kronenberg

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Mi 3.2. | 20.15 Uhr | TV | Kabel eins
 
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Do 11.2. | 20.15 Uhr | TV | Vox
 
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