Mittwoch, 19. Mai 2021
Thema der Woche | 26. Juni 2014

"Einzigartige Kooperation"

Marburg erhält ein Kompetenzzentrum für Blindenpädagogik – Foto: Wegst

Die Philipps-Universität und die Deutsche Blindenstudienanstalt haben eine bundesweit einmalige Kooperation vereinbart: Die Vereinbarung umfasst die Entwicklung und Einrichtung eines neuen Kurses "Grundlagen inklusiver Bildung bei Blindheit und Sehbehinderung", der im November 2014 starten wird. Darüber hinaus wird die Fortführung des bundesweit einmaligen, berufs­begleitenden Weiterbildungsstudiengangs "Blinden- und Seh­behinderten­pädagogik" festgelegt, den blista und Universität seit 2010 zusammen anbieten. Koordiniert werden beide Angebote von einer gemeinsam finanzierten Kooperationsstelle, die darüber hinaus auch für zukünftige forschungs- und lehrbezogene Kooperationsprojekte verantwortlich zeichnen wird. Die Verein­barung gilt zunächst bis 2017.

Der Kooperationsvertrag sei ein "herausragender Meilenstein in der langen und erfolgreichen Zusammenarbeit beider Institutionen", betonte Uni-Präsidentin Katharina Krause.

Die Vereinbarung mit der Philipps-Universität Marburg sei für die blista ein wichtiger Schritt, ihre Angebote und die Qualität ihrer Arbeit zukunftsorientiert auszurichten, erklärte Direktor Claus Duncker: "Unsere Gesellschaft hat sich die Umsetzung der UN- Behindertenrechtskonvention zur Aufgabe gemacht. Die volle und gleichberechtigte Teilhabe von blinden und sehbehinderten Menschen am gesellschaftlichen Leben gilt es zu verwirklichen." Durch diese "einzigartige Kooperation" zwischen der Universität Marburg und der Deutschen Blinden­studien­anstalt werde Marburg zu einem der wichtigsten Kompetenzzentren in der Pädagogik und Rehabilitation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland.

Renate Reymann, Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten­verbandes, bestätigte den dringenden Bedarf: "Damit blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler den jeweils bestmöglichen Bildungsabschluss erreichen können, brauchen sie behinderungsspezifische Unterstützung. Mit ihrer Kooperation werden die Marburger Philipps-Universität und die Deutsche Blindenstudienanstalt dazu beitragen, dass das benötigte blinden- und sehbehindertenspezifische Know-how zur Verfügung steht. Die bundesweite Selbsthilfe erwartet, dass Schulen und Bildungsverwaltungen Angebote, wie in Marburg, nun auch verstärkt nutzen, denn die UN-Behindertenrechtskonvention schreibt 'geeignete Maßnahmen zur Einstellung von Lehrkräften (...) und zur Schulung von Fachkräften sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf allen Ebenen des Bildungswesens' zwingend vor."

Der Weiterbildungsmaster Blinden- und Sehbehindertenpädagogik ist ein bundesweit einmaliger, berufsbegleitender und kostenpflichtiger Studiengang im Bereich der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik. Er ermöglicht Studierenden, die bereits ein Lehramtsstudium abgeschlossen haben, den Zugang zur Zusatz-/Erweiterungsprüfung "Sonderpädagogik Blinden- und Sehbehindertenpädagogik". Neben den sonder- und rehatypischen Inhalten einer sonderpädagogischen Zusatzqualifikation liegt der Schwerpunkt auf zwei Spezialisierungen der Marburger Erziehungswissenschaften: Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung sowie Beratung. Der Studiengang qualifiziert dazu, blinde und sehbehinderte Menschen in ihrer Bildung und Entwicklung zu fördern und zu unterstützen.

Das neue Angebot "Grundlagen inklusiver Bildung bei Blindheit und Sehbehinderung" ist für alle konzipiert, die Interesse an einer inklusiven Arbeit mit Menschen mit Sehbeeinträchtigungen haben oder in diesem Feld tätig sind und auf eine zertifizierte, einschlägige Qualifikation Wert legen. Im Laufe eines Jahres erwerben die Zertifikatsteilnehmer berufsbegleitend Kenntnisse in Feldern wie Pädagogik und Soziologie der Rehabilitation und Inklusion, rechtliche Grundlagen von Inklusion, Grundkenntnisse in Psychologie und Diagnostik bei Blindheit und Sehbehinderung, Grundlagen der Ophthalmologie, Audiologie und Sehhilfenanpassung sowie diverse Praxisschulungen an der Rehabilitationseinrichtung der blista.

pe/kro

Thema der Woche | 26. Juni 2014

Spur des Nibelungenlieds

Germanistinnen erstellen Lexikon zur Deutschen Literatur des Mittelalters in Ungarn und Rumänien – Foto: Orsolya Lenart

Nur noch ein paar letzte Korrekturen, dann darf das Ergebnis erfolgreicher Projektarbeit zum Verlag gehen: Die Gießener Germanistinnen Prof. Cora Dietl und ihre Mitarbeiterin Anna-Lena Liebermann haben mit Unterstützung von Mary-Jane Würker innerhalb von drei Jahren ein Lexikon der regionalen Literaturgeschichte des deutschen Mittelalters – Band Ungarn/Rumänien erstellt.

"Literatur des Mittelalters? So etwas gibt es bei uns nicht. Unsere Vorfahren hatten keine Zeit für Liebeslieder." Eine solche Reaktion auf Prof. Dietls Anfrage nach mittelalterlichen Handschriften war kein Einzelfall. Viele begegneten dem Projekt mit Zweifeln. Kaum aber war das Konzept des Lexikons erklärt, das Räume der Schriftkultur ins Zentrum stellt und sich gerade nicht auf Höhenkammliteratur bzw. auf außerordentliche Autoren und ihr Oeuvre konzentriert, konnten die Gießener Germanistinnen einige Archivare und Bibliothekare in Siebenbürgen und in Ungarn ihre Schätze präsentieren sehen – kostbar illuminierte liturgische Handschriften ebenso wie unscheinbare Briefe und Predigtsammlungen.

Der jetzt vorgelegte Bandist Teil eines mindestens 15-bändigen Großprojekts, dessen Grundidee vor Jahren unter anderen von Prof. Jens Haustein (Jena) und Prof. Horst Brunner (Würzburg) entworfen worden war und das Prof. Christoph Fasbender (Chemnitz) 2008 als neues Gemeinschaftsprojekt der deutschen Mediävistik anstieß: Es ist ein Ortslexikon der deutschen Literatur des Mittelalters, das Räume und Institutionen der Literaturproduktion, -vervielfältigung und -rezeption beschreibt, unabhängig davon, ob die dort dokumentierten Werke überhaupt überliefert und ob sie in der deutschen Volkssprache oder von mit dem deutschen Kulturkreis verbundenen Verfassern in Latein verfasst sind. Höfe und Klöster, Schulen und Bibliotheken, Stadtkanzleien und Druckereien werden beschrieben – als Orte, an denen Einflüsse des deutschsprachigen Kulturkreises greifbar werden.

Im Band Ungarn/Rumänien wird nachgezeichnet, wie eng die Missionierung Ungarns unter Stephan I. zu Beginn des 11. Jahrhunderts an den bayerischen Kulturkreis angebunden war, wie viele Klöster in Ungarn aus Österreich besiedelt wurden, wie die im Hoch- und Spätmittelalter nach Siebenbürgen einwandernden "Sachsen" die Gottesdienst- und Zunftordnungen aus der Heimat mitbrachten und abwandelten und welche Netzwerke die deutschen und italienischen Humanisten im östlichen Europa aufbauten.

Wenn in der Flut der pragmatischen Literatur hier und da eine Spur des Nibelungenlieds in Gran oder ein Preisgedicht Peter Suchenwirts in Plintenburg auftaucht, freut das all diejenigen, die einen traditionelleren "Literatur"-Begriff bevorzugen. Das Bearbeiterteam in Gießen, die Projektpartner in Budapest und Klausenburg/Cluj (Prof. András F. Balogh und sein Team) und die über die drei Länder verstreuten Autoren aber packte die Entdeckerlust gerade bei den unbekannten, sonst eher missachteten Texten, die sie im handschriftlichen Original oder in der Forschungsliteratur aufstöberten.

Etwa zeitgleich mit dem Band Ungarn/Rumänien werden der Band Sachsen (hg. von Christoph Fasbender) und der Band Tschechien (hg. von Jiri Cerny) beim Verlag Walter de Gruyter erscheinen. Damit ist der Startschuss gegeben für die "kartographische Vermessung" der mittelalterlichen Literatur.

Info
Weitere Informationen: www.coradietl.de
Lexikon der regionalen Literaturgeschichte des Mittelalters. Ungarn und Rumänien. Hg. von Cora Dietl, Anna-Lena Liebermann. Berlin: de Gruyter [geplant 2014].

pe/kro

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