Dienstag, 11. Mai 2021
Thema der Woche | 9. Oktober 2014

"Atmosphäre der Geborgenheit"

Hilfe für kranke Kinder in Peru Foto: Privat

Als Cinderella Krämer 2012 mit einer Freundin und einem Rucksack durch Peru reiste, konnte sie noch längst nicht erahnen, dass dieser Urlaub ihr Leben und vor allem zukünftig das Leben vieler Kinder verändern würde. Ihr Name erinnert an das Märchen Aschenputtel, sie übernimmt hierbei die Rolle der guten Fee.

EXPRESS: Wo liegt der Ursprung Ihrer Arbeit?

Cinderella Krämer: Ich liebe es zu reisen und Länder ungeplant kennenzulernen. Ich lasse mich dann einfach vom Begegnungen treiben. So war es auch 2012: aus Zufall haben wir von einer Familie erfahren, die Kindern, die an Leukämie erkrankt sind, ein Zuhause bietet. Kurz zuvor hatte ich einen mir sehr wichtigen Menschen an Krebs verloren, also hatte das Projekt direkt mein Interesse geweckt. Die hygienischen Bedingungen in Peru, sowie die Infrastruktur und auch die Aufklärung der Bürger ist unterentwickelt. Daher werden kranke Kinder entweder aus finanzieller Not oder auch aus medizinischer Unwissenheit der Eltern häufig verstoßen. In dem Moment, in dem sie nicht mehr gesund sind, verlieren sie obendrein ihre Familie.

EXPRESS: Wie sieht die Therapie konkret aus?

Krämer: Die Kinder werden in einer aus Spendengeldern finanzierten Kinderkrebsstation in Cusco behandelt. In den Chemopausen und teilweise nach Abschluss der Behandlung können sich nicht nach Hause fahren. Ihre geschwächte Verfassung lässt keine tagelangen Märsche zu ihren Familien zu, auch die notwendigen hygienischen Gegebenheiten sind in ihren Heimatdörfern nicht gegeben. Daher hat es sich die einheimische Familie Flores zur Lebensaufgabe gemacht, für die jungen Patienten zu sorgen. Zwischen 6 und 10 Kinder wohnen gemeinsam mit dem Ehepaar und dessen eigenen Nachwuchs unter einem Dach. Das Schicksal hat sie zusammengebracht, sie tauschen sich aus und leben in einer Atmosphäre der Geborgenheit. Das hat mich sehr berührt.

EXPRESS: Wie genau helfen Sie?

Krämer: Zunächst lief die Unterstützung sehr privat ab. Ich arbeite als Lehrerin und konnte viele meiner Schüler und Kollegen dafür begeistern, Geld zu sammeln. So veranstalteten wir beispielsweise bei meinem Referendariat einen Spendenlauf und auch regionale Politiker, sowie Lehrer und Bekannte steuerten etwas bei, um der Familie Flores die Möglichkeit zu geben, das Leben der Kinder noch wertvoller zu gestalten. Wir möchten Momente finanzieren, die sie am liebsten vergessen lassen, in welcher Situation sie sich befinden. Jeder einzelne Euro landet bei der Familie. Der Vater und ich stehen in ständigem E-Mail Kontakt, er listet mir genau auf, was durch uns geschieht. Die erste Investition war eine Waschmaschine, zuvor hat die Mutter noch die gesamte Wäsche von Hand gemacht.

EXPRESS: Und dann kam die Idee mit dem Verein ...

Häuser: Im Sommer diesen Jahres haben wir uns dafür entschieden, Cinderellas Hilfe offiziell zu machen. So kann sich einbringen, wer sich einbringen möchte und unsere Unterstützung wächst. Ich designte Flyer und wir fragten herum, wer Lust hätte, Teil des Projekts zu werden. Wir sind neun Gründungsmitglieder, bestehend aus Familie, Freunden und Bekannten. Sie alle wollen, ebenso wie wir, Menschen etwas zurückgeben, weil es uns so gut geht. Manchmal läuft man Gefahr, den Glauben an das Gute zu verlieren, doch sobald du ein Projekt aufbaust, das wirklich etwas verändert, ist es nicht schwer, Leute für dich zu begeistern. Unser langfristiges Ziel ist es, mehr Geld zu sammeln als die Familie Flores benötigt, um dann auch regional zu wirken.

EXPRESS: Wie könnten regionale Projekte aussehen?

Häuser: Wir sind auf der Suche nach der Lücke: Da, wo Menschen noch gerade genug haben, um staatlich nicht unterstützt zu werden, aber auf jeden Fall zu wenig, um das Leben genießen zu können. Dabei denken wir beispielsweise an alleinerziehende Mütter oder versteckte Kinderarmut. Man muss nicht nur weit in die Welt gehen, um Gutes zu tun, auch hier in Gießen und der Region wird Hilfe benötigt. Wer eine Organisation kennt, die unterstützt werden sollte, ob finanziell oder durch unsere Mitarbeit, kann sich gerne bei uns melden. Darüber würden wir uns sehr freuen!

EXPRESS: Aktuell laden Sie zum Festival der Farben ein ...

Krämer: Genau. Am 12. Oktober veranstalten wir in der Hüttenbergstraße 11, ein kunterbuntes Familienfest. Es wird ein Graffiti-Workshop angeboten, Radio Los Santos tritt auf und als Highlight wird ein Salsa-Duo die Stimmung einheizen. Die Veranstaltung ist das erste Ergebnis der Zusammenarbeit unseres Vereins, der gesamte Erlös wird der Familie Flores zu Gute kommen.

Fest & Infos
Das Festival der Farben für Kinder, Familien und einen guten Zweck findet am Sonntag, 12. Oktober, in der Hüttenbergstr. 11 in Gießen-Allendorf statt. Der Erlös des Festes kommt an Leukämie erkrankten Kindern zu Gute. Weitere Infos unter www.cinderella-stiftungsverein.de.
Spendenkonto
IBAN: DE76513500250205038816, BIC: SKGIDE5FXXX

Interview: Kim-Sarah Marienfeld

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