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Thema der Woche | 27. August 2015

Vulkane, Turmaline und uraltes Wasser

Mineralogische Sammlung wird 225 Jahre alt – Foto: Coordes

Das Lieblingsobjekt von Kindern und Jugendlichen ist der philippinische Vulkan Mayon: Unter Donnern und Grollen spukt der originalgetreue Nachbau auf Knopfdruck Rauchschwaden aus, während der Lavastrom mit Hilfe einer kniffligen Mechanik den Berg hinabfließt. Die Rückseite zeigt den Schichtvulkan und das Aufsteigen des Magmas im Schlot. Daneben blinkt eine Karte mit den Vulkanen der Welt. Die einst weltweit einzigartige Installation wurde von einem früheren Mitarbeiter des Museums konstruiert, der den Bergkegel inzwischen auch für das Senckenberg-Museum nachgebaut hat.

In diesem Jahr wird die Mineralogische Sammlung der Marburger Philipps-Universität 225 Jahre alt. Zugleich wird das 500. Jubiläum des Kornspeichers gefeiert, in dem die Sammlung untergebracht ist. Jedes Jahr kommen etwa 5000 Besucher. Aber selbst Marburger kennen das Museum zum Teil nicht. "Viele Leute wissen nicht, welche Kunstwerke der Natur wir zu bieten haben", sagt Museumsleiter Peter Masberg.

Dabei handelt es sich um eines der führenden Mineralogischen Museen Deutschlands mit der größten mineralogischen Sammlung, die es in Hessen gibt. Sie umfasst mehr als 50 000 Exponate, darunter fast 150 Meteorite. Über drei Stockwerke zieht sich das Museum im ehemaligen Kornspeicher des Deutschen Ordens im Schatten der Elisabethkirche. Gleich am Eingang werden Besucher von einer mannshohen Sandrose empfangen, dem größten Sandrosen-Stück Deutschlands. Das vier Tonnen schwere Steingebilde aus der Wetterau ist 26 Millionen Jahre alt. Im Museum finden sich meterhohe Quarzitplatten, einer der größten Topase aus der Ukraine, samtgrüner Fluorit aus Sibirien, ungewöhnlich gewachsener Calcit, äußerst seltene Tropfsteine aus der Karsthöhlen der Philippinen sowie ein Stein aus Uruguay, in den 120 Millionen Jahre altes Wasser eingeschlossen ist.

Der "Meteorit von Treysa" steht sogar im Guiness-Buch der Rekorde. Der 63 Kilogramm schwere Eisenbrocken hat nämlich eine eigenwillige Geschichte. Am 3. April 1916 sauste er als leuchtende Feuerkugel donnernd über Mittelhessen und verschwand. Alfred Wegener, der Entdecker der Kontinental­ver­schiebungs­theorie, der gerade auf Fronturlaub in Marburg war, befragte Augenzeugen so intensiv nach der Flugbahn des seltenen Gesteins, dass er den vermuteten Fundpunkt überraschend genau berechnen konnte. Ein Jahr später wurde der Meteorit nur 800 Meter von dem von Wegener berechneten Punkt entfernt von einem Förster im Wald bei Treysa entdeckt. Heute können Besucher nicht nur diesen Fund, sondern seit 2011 auch einen der seltenen Mars-Meteorite bewundern. Es handelt sich um ein Fragment aus dem südlichen Marokko. Weltweit sind nur 115 Mars-Meteorite bekannt.

Wertvolle Dauerleihgaben und Stiftungen wie die von Gerhard Schweisfurth und dem Ehepaar Balzer sorgen immer wieder für neue Highlights im Museum. Dazu gehören die faszinierenden Amethyste, Achate, Drusen, Berg- und Calcitkristalle aus Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens. Die neueste Errungenschaft ist eine außergewöhnliche Turmalin-Sammlung der Stiftung von Ingrid und Reinhard Balzer, die 160 Exponate aus der ganzen Welt zusammengetragen haben. Das Mineral des Regenbogens erstrahlt in allen Farben und Formen.

Die einst als "Hessisches Mineralien-Cabinett" eingerichtete Forschungs-Sammlung hat bis heute Aufgaben für die Lehre. So geht Masberg mit Geografie- und Chemiestudenten ins Museum. Und er bietet Führungen für Schulklassen und andere Gruppen an. Im Jubiläumsjahr erwartet die Besucher noch eine besondere Ausstellung mit dem Titel "Eine mineralogische Reise durch Hessen". Ab 30. September sind gediegenes Eisen aus den Kasseler Bergen, Kupferschiefer aus dem Richelsdorfer Gebirge, Pyromorphite aus dem Taunus, Kappenquarze aus Usingen und Bergkristalle vom Rhein zu sehen. Zur ständigen Sammlung gehören Amethyste aus Steinperf, Bleiglanz aus Bad Laasphe sowie "Marburgit", eine örtliche Rarität aus calciumreichem Silikat.

Öffnungszeiten
Mi-Fr 10-13 Uhr (mittwochs auch 15-18 Uhr) sowie am Wochenende von 11-15 Uhr

Gesa Coordes

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