Mittwoch, 19. Mai 2021
Thema der Woche | 3. September 2015

"Neugierig bleiben"

Marburgs Theaterintendant Matthias Faltz zur Spielzeiteröffnung im Interview

EXPRESS: Sie haben das Theater in die Stadt gebracht, bespielen den Marktplatz im Sommer, arbeiten mit Studierenden, der Uni und vielen anderen Akteuren zusammen. Hat sich das ausgezahlt?

Matthias Faltz: In diese Vernetzungen fließt viel Kraft, Energie und Zeit. Aber letztendlich haben wir dadurch sehr viel Publikum gewonnen, sehr viel junges Publikum, das war relativ schnell zu sehen.
Wir haben viele Kontakte geknüpft und durch die Zusammenarbeit etwa mit den Geisteswissenschaftlern haben wir auch als Theatermacher viel gelernt.

EXPRESS: Muss sich das Theater angesichts der extrem gewachsenen multimedialen Konkurrenz heute generell mehr öffnen, mehr zu den Bürgern kommen?

Matthias Faltz: Es ist wichtig, dass wir uns Orte für das Theater suchen, die neugierig machen. Wenn man im Theater Theater spielt, ist das normal. Da glaubt man zu wissen, was einen erwartet. Aber wenn in einem Ladenlokal, auf dem Marktplatz, in der Lutherkirche oder wo auch immer Theater angekündigt ist, dann ist man schon mal angefixt, ist neugierig.
Rausgehen in die Stadt, zusammenarbeiten mit den verschiedenen Akteuren, dass ist, glaube ich, das Theater der Zukunft. Ob das jetzt ein Chor ist oder Leute von der Uni sind, die mit uns ein Symposium vorbereiten, wo die Studenten zum Teil zum ersten Mal ins Theater kommen, weil dort die Workshops sind ...

EXPRESS: Wie wichtig ist es, im Theater aktuelle politische und gesellschaftliche Diskussionen aufzunehmen? Aktuell bewegt die Flüchtlingssituation viele in Marburg und Deutschland ... nimmt man so was auf?

Matthias Faltz: Ja. Auf jeden Fall. Das ist, glaube ich, eine der Hauptaufgaben von subventioniertem Theater. Dass wir die Chance und die Freiheit haben, weil das Geld zur Verfügung gestellt wird, Projekte, Stücke und Themen auf den Spielplan zu setzen, die gesellschaftspolitisch relevant sind. Und dass wir die Menschen einladen, sich mit den Themen auseinanderzusetzen. Ich sehe das auch als einen Bildungsauftrag: zu versuchen mit den Themen auf der Bühne, gesellschaftspolitische Zusammenhänge und Strukturen aufzudecken.
Diese Woche eröffnen wir mit Lessings Nathan der Weise: ein Stück, bei dem es grundsätzlich um Toleranz geht, genau das Problem, dass wir heute nicht nur in der Flüchtlingsdebatte haben. Wir bearbeiten das Thema auf der Bühne und laden damit im besten Fall das Publikum zur Diskussion ein.

EXPRESS: Als Sie Nathan ausgewählt haben, war das vor dem Hintergrund einer besonderen Stimmung in Deutschland?

Matthias Faltz: Das lag in der Luft. Wir sind aktuell nicht das einzige deutschsprachige Theater, welches auf das Stück gekommen ist. Das haben auch andere in den Spielplan genommen. Und wir beschäftigen uns nach Nathan weiter mit diesem Themenkomplex: Das Stück, dass am 12.9. Premiere hat, "Die Ereignisse" ist unter dem Eindruck des Massakers von Anders Breivik in Norwegen entstanden. Mit der Arbeit an dem Stück versuchen wir im Theater auch zu erforschen und zu verstehen, wo Hass, wo Fremdenfeindlichkeit herkommt.

EXPRESS: Sie sind seit 2010 Intendant, ihr Vertrag läuft aktuell bis 2018. Unter was für einer Überschrift stehen die nächsten drei Jahre?

Matthias Faltz: Die Überschrift ist "neugierig bleiben", neugierig auf die Menschen.
Zu den Erfahrungen, die wir in den vergangenen fünf Jahren gemacht haben, gehört, dass es immer wieder ein gutes Gefühl ist, mit Projekten in die Stadt zu gehen und dort zu Diskussionen einladen. Das werden wir auf jeden Fall die drei Jahre machen.
Spannend wird deshalb auch die Rückkehr in die fertiggestellte Stadthalle nächstes Jahr sein.

EXPRESS: Und nach 2018?

Matthias Faltz: Ich habe schon bei der Vertragsverlängerung gesagt, bis 2018 würde ich es machen. Aber dann ist Schluss.
Damit sie mich nicht falsch verstehen: Mir macht die Arbeit hier sehr großen Spaß. Ich glaube aber, nach acht Jahren ist es für die Stadt und für das Publikum gut, eine neue Handschrift, eine neue Ästhetik kennenzulernen.

EXPRESS: Also steht fest, sie machen nach 2018 nicht weiter?

Matthias Faltz: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören.
Ich sage das genau jetzt, damit ich mich später nicht überreden lasse.

Matthias Faltz
Nach einer Theaterausbildung im DT-Pantomimeensemble und dem ThéÉtre Corps Acteurs Paris gründete Matthias Faltz 1985 das Mime-Theater Finke-Faltz. Ab 1993 arbeitete er freiberuflich als Regisseur. Mit Beginn der Spielzeit 2004/2005 wurde Faltz Leiter des Jungen Staatstheaters Wiesbaden (Spartenleitung, Regisseur, Autor, Dramaturg). Seit Beginn der Spielzeit 2010/2011 ist der 1961 in Meißen geborene Theatermacher geschäftsführender Intendant des Hessischen Landestheaters Marburg; Inszenierungen in Marburg seitdem: The Black Rider, Don Juan, Der Revisor, Die Nibelungen, Die Dreigroschenoper, The Blues Brothers, Michael Kohlhaas, Durch den Wind (DSE), Woyzeck

Interview: Georg Kronenberg

Manifest für Vernunft und Humanität

Spielzeiteröffnung mit Nathan der Weise am Samstag im Theater am Schwanhof

Mit dem Satz "Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" beginnt Nathan seine Erzählung der Ringparabel. Eine Parabel, ebenso märchenhaft wie das Lehrstück "Nathan der Weise", mit dem sich seither Generationen von Theatergängern und Schülern als Utopie eines toleranten Miteinanders auseinandergesetzt haben. Lessings Stück spielt zur Zeit der Kreuzzüge. Massenexekutionen,Gräueltaten und Krieg prägen den Alltag der Menschen. Auch der JudeNathan hat seine Familie verloren, Frau und Kinder starben in einemMassaker verübt von Christen. Trotzdem adoptiert er ein christlichesWaisenkind: Recha wächst bei ihm auf im guten Glauben, sie sei seineleibliche Tochter. Als sich ein junger Kreuzritter in sie verliebt,droht die Situation zu eskalieren ...

Lessing will mit "Nathan der Weise" nicht bloß unterhalten, seinBildungsauftrag ist klar: In "meiner alten Kanzel, auf dem Theaterwenigstens" soll das Manifest für Vernunft und Humanität die Welt zumBesseren belehren. Mit großer Selbstverständlichkeit betrachten wir unsheute als aufgeklärt, doch weder in unserer Geschichte noch in unsererGegenwart spiegelt sich das wider: Was ist von Rationalität undpolitischer Korrektheit in einer orientierungslosen westlichen Welt nochzu halten?

Regisseur Nick Hartnagel, der nach Arbeiten an Häusern wie dem TheaterOsnabrück oder dem Staatsschauspiel Hannover nun sein Marburg-Debütgibt, bringt das 'dramatische Gedicht' auf die von Marc Bausbackentworfene Bühne, der auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet. DieMusikalische Leitung hat Michael Lohmann. Es spielen mit: Lisa-MarieGerl, Stefan A. Piskorz, Moritz Pliquet (a.G.), Victoria Schmidt und(erstmalig in Marburg) Karlheinz Schmitt. Gespielt wird in einemteilweise "lebendigen Bühnenbild" aus Jugendlichen zwischen 13 und 19 Jahren.

Termin
Premiere von Nathan der Weiseist am Samstag, 5. September, 19.30 Uhr, Bühne des Theaters am Schwanhof. Im Anschluss an das Theaterstück gibt es eine Spielzeiteröffnungsparty mit Musik, Tanz und dem "Party-Kollektiv Marbylon: aktiv&anregend"

pe

Thema der Woche | 3. September 2015

Netzwerk Wohnen

Studentenwerk Gießen unterstützt Studierende bei der Wohnungssuche

Mit Beginn des Wintersemesters steigen die Studierendenzahlen erneut an. "Auch wenn die Wohnheime des Studentenwerks in Gießen und Friedberg komplett belegt sind, möchten wir gerade Studienanfänger bei der Wohnungssuche unterstützen", so Ralf Stobbe, Geschäftsführer des Studentenwerks Gießen.

Bereits seit zehn Jahren hat das Studentenwerk Gießen Studierende mit dem "Netzwerk Wohnen" erfolgreich bei der Wohnungssuche unterstützt und wird dies auch in diesem Jahr wieder tun. "Wir sammeln die Angebote privater Vermieter zentral in Gießen und stellen diese den wohnungssuchenden Studierenden in Gießen und Friedberg über unsere Online-Wohnungsbörse sowie in Papierform zur Verfügung." erläutert Ralph Vogtmann, Leiter Studentisches Wohnen den Ablauf des Netzwerks Wohnen. "Melden Sie uns Ihre Zimmer- und Wohnungsangebote telefonisch unter 0641 40008-330, per Fax unter 0641 40008-309, per Mail an netzwerkwohnen[at]studwerk.uni-giessen.de oder stellen Sie Ihr Angebot in unsere Online-Wohnungsbörse unter www.studentenwerk-giessen.de (Quicklink rechts oben auf der Startseite) ein. Die Eingabe ist dank einer auszufüllende Maske ganz einfach."

Vom 7. September bis zum 23. Oktober wird das Netzwerk Wohnen für wohnungssuchende Studierende bereitstehen. Der zu diesem Zweck eingerichtete Servicepoint Foyer der Mensa Otto-Behaghel-Straße in Gießen wird montags bis donnerstags von 10:00 bis 15:00, freitags bis 14:30 Uhr besetzt sein. Das dortige Team ist nicht nur Ansprechpartner für die Gießener. Auch Vermieter und Wohnungssuchende aus Friedberg können sich telefonisch unter 0641 40008-330, per Fax unter 0641 40008-309 oder E-Mail an netzwerkwohnen[at]studwerk.uni-giessen.de an das Team in Gießen wenden.

Außerhalb der Öffnungszeiten besteht die Möglichkeit, eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter zu hinterlassen, die dann zeitnah bearbeitet wird.

Am Servicepoint können täglich aktuelle Wohnungsangebote eingesehen werden und es besteht die Möglichkeit kostenfrei ins Internet zu gehen und dort beispielsweise auf der Website des Studentenwerks (www.studentenwerk-giessen.de) die "Wohnbörse" nach Angeboten zu durchforsten. Studierende der THM in Friedberg können ebenfalls in der Mensa auf dem Campus der THM in Friedberg online auf Wohnungssuche gehen.

Freitags liegen am Servicepoint kostenlose Ausgaben der Gießener Allgemeinen Zeitung und des Gießener Anzeigers mit Wohnungsinseraten aus, mittwochs die der Mittelhessischen Anzeigenzeitung, donnerstags der Gießener Express und montags kann das Sonntag Morgen Magazin eingesehen werden.

Hat eine Studentin oder ein Student ein interessantes Angebot entdeckt, kann sie oder er direkt und kostenlos vom Servicepoint aus beim Anbieter anrufen und einen Besichtigungstermin vereinbaren. Wer ein Minicar benötigt, um dorthin zu gelangen, kann dies ebenfalls direkt über den Servicepoint bestellen.

Für Studierende, die von sehr weit her anreisen müssen, um eine Wohnung zu finden, stellt das Studentenwerk in Gießen Übergangsquartiere bereit, die für einige Tage Übernachtung bieten.

Günstigen Wohnraum
... finden rund 3.000 Studentinnen und Studenten in den insgesamt 14 Wohnheimen des Studentenwerks Gießen. Die zehn Wohnheime in Gießen, drei in Fulda und eins in Friedberg beherbergen Einzelzimmer, Einzel- und Doppelapartments, Familienwohnungen sowie barrierearmen Wohnraum. Die Zimmer sind voll möbliert und haben fast alle Internetanschluss. Die Bewerbung auf einen Wohnheimplatz erfolgt online unter www.studentenwerk-giessen.de/Studentisches Wohnen.

pe/kro

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Mi 3.2. | 20.15 Uhr | TV | Kabel eins
 
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Peter "Star-Lord" Quill ist ein Weltraumbandit. Er tut sich mit den Kopfgeldjägern Rocket und Groot sowie der rätselhaften Gamora und dem rachgierigen Drax zusammen, um das Universum zu beschützen.
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