Dienstag, 11. Mai 2021
Thema der Woche | 15. Oktober 2015

Die Idee von der Klinik-Tram

Straßenbahn zum Klinikum – Foto: Kronenberg

Ein Klinik-Express, der die Großkrankenhäuser Marburg und Gießen verbindet und quer durch den Wald auf die Lahnberge rattert? Das ist jedenfalls die Idee des langjährigen Gießener Verkehrskoordinators Reinhard Bayer (Grüne), die jetzt in Marburg diskutiert wird. Die Linken wollen, dass die Möglichkeit einer Straßenbahn durch die Universitätsstadt ernsthaft geprüft wird. Die SPD möchte das Thema möglicherweise in ihr Wahlprogramm aufnehmen. Eine klare Ablehnung gibt es bei der CDU, die das Konzept für zu teuer hält.

Von 1911 bis 1951 fuhr eine elektrische Straßenbahn vom Hauptbahnhof bis zum Wilhelmsplatz, später bis zum Südbahnhof, kurzzeitig sogar in die Oberstadt. Seitdem träumen Bahnfreunde immer wieder von der Tram. Die neue Idee entstand nun vor allem, um das Verkehrsproblem auf den Marburger Lahnbergen zu lösen. Jeden Tag fahren rund 20000 Menschen zum Arbeiten, Studieren und zu Krankenbesuchen hinauf und es werden Jahr für Jahr mehr. Die Stadtwerke setzen deshalb zusätzliche Busse auf der Strecke ein, doch selbst die sind in den Stoßzeiten völlig überfüllt. Die Marburger Grünen wollen daher eine Seilbahn auf die Lahnberge. Doch dagegen gibt es massiven Protest bei Anwohnern des Ortenbergs, über deren Köpfe die Seilbahn schweben würde. Auch der Koalitionspartner von der SPD steht nicht hinter der Idee.

Der grüne Bürgermeister Franz Kahle findet die Straßenbahn-Idee zwar "spannend", sieht aber mehr Vorzüge bei der Seilbahn. Er geht nämlich davon aus, dass eine Tram viel teurer würde als die Seilbahn-Lösung. Nach seinen Informationen würde der Bau der Schienen zu den Lahnbergen mehr als 100 Millionen Euro kosten, während die Seilbahn auf etwa 50 Millionen Euro geschätzt wird. In beiden Fällen gäbe es erhebliche öffentliche Zuschüsse.

Allerdings soll die Klinik-Tram nicht nur den Marburger Hauptbahnhof mit den Lahnbergen verbinden, sondern auch die fusionierten Uni-Kliniken Marburg und Gießen. Danach soll sie so ähnlich wie die Regiotram in Kassel funktionieren, also auf der Strecke zwischen den beiden mittelhessischen Städten auf den vorhandenen Bahnschienen fahren. In Gießen, wo das Konzept bislang kaum diskutiert wird, wären ebenfalls Anschlussschienen vom Hauptbahnhof über die Kiliansbrücke bis zum Klinikum nötig. Attraktiv wäre dies für Besucher, Mitarbeiter und Lahnberge-Pendler, die ihr Ziel dann mit nur einem Umstieg erreichen würden. Zudem könne die Tram, die im Halbstundentakt fahren soll, als Ersatz für gestrichene Regionalbahnen zwischen Marburg und Gießen dienen.

Die Marburger Linken wollen im November einen Antrag im Stadtparlament einbringen, um die Realisierungsmöglichkeiten einer Straßenbahn in allen Varianten – also auch in der City – zu prüfen. "In Marburg wurde viel Zeit darauf verschwendet, über von Mäzenen gewünschte Schrägaufzüge oder Seilbahnen zu streiten", sagt der in Marburg lebende Landesvorsitzende der Linken, Jan Schalauske. Darüber sei die naheliegende Alternative einer Straßenbahn "leider völlig hinten runter gefallen".

Streckenverlauf
Nach dem Konzept von Reinhard Bayer soll der Klinik-Express auf der Strecke zwischen Gießen und Marburg an den Stationen Oswaldsgarten, Lollar, Friedelhausen, Fronhausen, Niederwalgern, Niederweimar und Marburg-Süd halten. In Marburg könne die Schienentrasse dann vom Ostrand des Hauptbahnhofs – möglichst auf Höhe des Ortenbergstegs – über den Nordrand des Sportplatzes in die Schützenstraße bis zum Ortenbergplatz führen (Haltestelle Psychiatrische Klinik). Von dort soll sie in einem Linksbogen mit eventuellem Tunnelabschnitt nach Osten in den Wald fahren, wo sie an dem Taleinschnitt bis zum Uni-Heizwerk und von dort aus weiter zu den vier Haltestellen Uni-Klinik, Chemie, Biologie und Botanischer Garten fährt.
In Gießen könne die Straßenbahn vom westlichsten Gleis des Hauptbahnhofs über die Straße Margarethenhütte, Kliniksbrücke und Klinikstraße bis zu einer Endhaltestelle vor dem Haupteingang des Uni-Klinikums führen. Eine weitere Haltestelle soll an der Kreuzung zur Frankfurter Straße entstehen.
gec

Gesa Coordes

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