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Thema der Woche | 18. August 2016

"Das birgt eine unglaubliche Energie"

Musiker Joris über Freundschaften, Erfolg und deutsche Texte
Foto: Hanzh Chang

Für den Newcomer Joris geht es seit zwei Jahren steil bergauf. Zunächst kreierte er mit seiner Gold-Single "Herz über Kopf" den beliebtesten deutsch­sprachigen Song 2015, dann wurde er mit gleich drei Echo-Preisen ausge­zeichnet. Mit seinen autobiografisch geprägten, gefühlvollen Liedern trifft er den Nerv der Zeit. Gemeinsam mit der Künstlerin Namika, die besonders durch ihren Hit Lieblingsmensch bekannt ist, kann man ihn im Rahmen des Gießener Kultursommers am Donnerstag, 25. August, live auf dem Schiffenberg erleben. Joris tritt dort um 19.30 Uhr zusammen mit Namika auf.

EXPRESS: Inwiefern hat dein musikalischer Erfolg dein Leben verändert?

Joris: Vieles ist anders, vieles ist aber auch gleich geblieben. Nach wie vor mache ich Musik, nur habe ich heute das Privileg, diese vor einem Publikum spielen zu können und sie so mit Menschen zu teilen. Außerdem bin ich mittlerweile unglaublich viel unterwegs. Letztes Jahr habe ich nur etwa zehn Tage Zuhause verbracht. Es war immer ein großer Wunsch von mir, viel rumzukommen und zu reisen, von daher bin ich sehr glücklich damit.

Neben den Veränderungen meines Alltags, geschehen sicherlich auch persön­liche Entwicklungen, die ich momentan nur noch nicht richtig fassen kann. Ich denke, sobald ich ein wenig Abstand zu dieser aufregenden Zeit habe, wird es mir erst gelingen können, sie zu reflektieren. Es sind gerade einmal 2,5 Jahre, die ich unterwegs bin. Um 100% zu verstehen, was gerade passiert, braucht es zunächst eine gewisse Distanz.

EXPRESS: Wie gelingt es dir Freundschaften zu pflegen?

Joris: Das ist ganz unterschiedlich: manchmal kommen Freunde von früher, mit denen ich nicht Musik mache, zu Konzerten von mir und begleiten mich zu Events. Wenn sie Partys organisieren, versuche ich vorbeizuschauen, sofern ich gerade in der Nähe bin und es die Zeit zulässt. Außerdem verbindet mein Team und mich natürlich auch eine enge Freundschaft. Eine Tour kann man sich vorstellen wie eine Klassenfahrt ohne Klassenlehrer. Da ist immer was los und man hat viel Spaß. Wir alle sind ständig unterwegs. Daher ist es besonders wichtig, sich nicht auf einem Geschäftsausflug, sondern auf einer Reise mit Freunden zu befinden.

EXPRESS: Inwieweit unterstützt dich deine Familie?

Joris: Meine Familie hat mich früher immer viel unterstützt: Mit fünf Jahren habe ich zu Weihnachten ein Schlagzeug bekommen, das war der erste Schritt in Richtung Musik. Später durfte ich Klavier lernen. Meine Eltern waren immer für mich da, wenn ich Hilfe brauchte, auch heute kommen sie ab und zu zu Konzerten in ihrer Nähe. Für mich war es aber schon früh wichtig, schnell auf eigenen Beinen zu stehen, weil ich immer den Wunsch hatte, selbst die Welt zu entdecken. Obwohl ich heute schon viel gesehen habe, glaube ich, dass noch einige Stationen vor mir liegen, die es zu bereisen gilt. Beispielsweise war ich noch nie in Indien, da würde ich gerne mal hin.

EXPRESS: Das Konzert in Gießen spielst du gemeinsam mit Namika. Kennt ihr euch privat?

Joris: Ich habe Namika zwar schon öfter getroffen, weil wir auf diversen Festivals zusammen gespielt haben. Dennoch kennen wir uns persönlich nicht wirklich. Uns verbindet aber die Gemeinsamkeit, dass wir seit dem letzten Jahr in eine neue Phase unserer Musikkarriere hineintauchen dürfen, mit der wir beide vorher nicht gerechnet haben.

EXPRESS: Die Medien betiteln deine und Namikas Musik gerne als eine neue Form der deutschen Popmusik. Wie siehst du das?

Joris: Ich glaube, dass die deutsche Musik bei dem Publikum schon seit mindestens fünfzig Jahren einen besonderen Stellenwert einnimmt. Es gibt Zeiten, da ist sie präsenter und Zeiten, in denen sie sich der englischen Musik ein wenig mehr beugen muss, dennoch hat sie seit jeher Menschen begeistert. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass sich jeder Künstler generell von anderen Künstlern abhebt, sobald er Musik aus seinem Herzen macht.

EXPRESS: Könntest du dir vorstellen, in Zukunft Englisch zu singen?

Joris: Ich habe früher immer Englisch gesungen. Als ich in Texas zur High­school gegangen bin, habe ich die englische Sprache für mich entdeckt und sie als meine eigene Sprache gefunden. Erst vor fünf Jahren habe ich dann begon­nen, in Deutsch zu schreiben. Es liegt auf der Hand, aber es ist ein sehr wich­tiger Faktor, dass das Publikum den Inhalt wirklich versteht. Das birgt eine unglaubliche Energie, die man besonders auf Konzerten spüren kann. Der Inhalt und die Geschichten der Lieder berühren die Menschen. So kann es passieren, dass es in der einen Minute mucksmäuschenstill ist, weil eine sehr emotionale Stimmung entsteht, und im nächsten Moment eine große Party gefeiert wird. Diese Art, das Publikum in den Bann zu reißen, habe ich mit meiner englischen Musik zuvor in Deutschland nicht schaffen können.

EXPRESS: Welchen Tipp möchtest du jungen Künstlern auf ihren musikalischen Weg mitgeben?

Joris: Ich mache seit 21 Jahren Musik und obgleich ich heute ein größeres Publikum mit meinen Songs erreichen kann, habe ich es früher genauso geliebt, Musik zu machen wie jetzt. Damals hat sich noch keiner für meine Musik interessiert und trotzdem hatte ich Spaß dabei und eine wunderschöne Zeit, wenn ich Lieder geschrieben habe. Ich würde jedem Künstler raten, genau die Musik zu machen, die er wirklich machen möchte und sich nicht danach zu richten, welche Genre gerade in den Charts besonders gut ankommen und womit man möglicherweise Erfolge feiern könnte. In vielen Castingshows wird die Einstellung verbreitet, dass erst ein Platten­vertrag den Beginn einer Karriere bedeutet. Das ist Blödsinn. In der Kunst geht es nämlich nicht um Platten­verträge oder Erfolgs­wahn. Es geht darum, das zu tun, was einen wirklich erfüllt.

EXPRESS: Hast du neben der Musik weitere Interessen, denen du nachgehst?

Joris: Ich kann natürlich nicht einmal die Woche ein Hobby im Verein betreiben, habe aber auch neben der Musik andere Interessen. Wenn sich die Gelegenheit bietet, mache ich beispielsweise Sport. Letztens haben wir auf einer Station sehr viel Tischtennis gespielt, das hat mir schon Spaß gemacht. Außerdem lese ich auch mal gern in ruhigen Minuten, nur fehlt mir dazu meistens die Zeit. Ansonsten gehen wir gerne mit dem Team feiern und genießen die gute Zeit.

EXPRESS: Worin zeigt sich neben deinen Songs deine Liebe zur Musik auch?

Joris: Es klingt ein wenig verrückt, aber sobald mein Team und ich irgendwo ankommen und das gesamte Equipment auspacken, nehme ich meine Gitarre in die Hand und höre erstmal eine halbe Stunde nicht mehr auf zu spielen. Ich tauche dann in eine andere Welt ein. Das mögen einige komisch finden und vielleicht als Macke bezeichnen, für mich ist es aber etwas sehr Schönes.

Interview: Kim-Sarah Marienfeld

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