Dienstag, 11. Mai 2021
Thema der Woche | 28. Januar 2016

Führerschein für Computer & Co

Hessenweit einmaliges Pilotprojekt für Grundschüler – Foto: Coordes

"Das geht nicht!" "Wo steht das?" "Wie geht schließen?" Wenn die Lehrerinnen und Lehrer der Marburger Waldschule mit dem Nachwuchs an die Computer gehen, werden sie voll gefordert. Eigentlich müssten sie zu zweit vor der Klasse stehen, um all die Fragen zu beantworten, die in diesen Stunden auf sie einstürmen. Schon vor Jahren hat sich die Grundschule die medienpädagogische Arbeit auf die Fahnen geschrieben. Jetzt gehört sie zu den zehn Schulen des Landkreises, die den Computerführerschein für Grundschüler erproben – ein hessenweit einmaliges Pilotprojekt. "Kinder kritisch an die neuen Medien heranzuführen, ist unsere ureigene Aufgabe", sagt die langjährige IT-Fachberaterin und Schulleiterin, Elvira Heck-Schneider. Dass die digitale Bildung selbst in den neuen Bildungsstandards nur eine untergeordnete Rolle spielt, hält sie für falsch.

Der Hintergrund: In Hessen gibt es nach Einschätzung von Heck-Schneider eine gute PC-Ausstattung an den Grundschulen. Auch die Waldschule hat einen Computerraum mit zwölf PCs, Lernprogramme sowie Medieninseln mit zwei bis vier Computern pro Klasse. Doch die beste Ausstattung nützt nichts, wenn sie nicht genutzt wird. Deswegen entwickelten die IT-Berater unter Leitung des Marburger Schulamts die Idee für den Computerführerschein.

Der liegt nun als praktische Anleitung vor: Danach machen die Grundschüler sogar zwei Computerführerscheine – einen in der zweiten Klasse und einen in der vierten Klasse. Die Mädchen und Jungen sollen aber möglichst schon als ABC-Schützen mit den neuen Medien vertraut gemacht werden. Schließlich sind Tablets, Handys und soziale Netzwerke für die Kinder ständig präsent.

Die Kinder starten ganz einfach mit der Frage, wie ein Computer angeschaltet wird. Im Laufe der Grundschule malen sie dann Bilder am PC, schreiben kleine Texte, speichern, fügen ein und üben Rechnen und Schreiben mit Hilfe von Online-Lernprogrammen. Um den Computerführerschein zu bestehen, machen sie eine Art Abschlussarbeit – zum Beispiel ein Bild mit einem Malprogramm oder eine formatierte Geschichte mit eingefügten Fotos.

Möglich ist dies in jedem Fach. So können die Schüler im Sachunterricht etwa bei Referaten über einzelne Tiere lernen, wie und wo sie gute Informationen über ihr Thema finden. "Sie erfahren dabei auch, dass nicht alles stimmt, was im Internet steht", sagt IT-Fachberaterin Johanna Weitzel, die Fortbildungen zum Thema anbietet.

Zum Computerführerschein gehören Hinweise auf gut verständliche Internetseiten für Kinder, aber auch Informationen über die Risiken im Netz. "Sie landen sonst schnell auf irgendwelchen merkwürdigen Seiten", sagt IT-Fachberaterin Johanna Weitzel. Denn die Kinder haben zwar oft schon viele Internet-Erfahrungen, seien aber meist naiv im Umgang mit dem Computer.

Der Computerführerschein orientiert sich an dem für Nordrhein-Westfalen entwickelten Medienpass (www.medienpass.nrw.de). Dieses Konzept schätzt der Medienpädagoge Prof. Stefan Aufenanger (Uni Mainz), weil der Medienpass nicht bei technischen Fragen stehenbleibt, sondern auch zum Nachdenken und Reflektieren anregt – etwa über den eigenen Medienkonsum. Den Pass gibt es in Nordrhein-Westfalen aber nicht nur für die Grundschulen, sondern auch für Kindergärten und weiterführende Schulen. Aufenanger betont jedoch, dass die neuen Medien immer neue Herausforderungen mit sich bringen. So war das heute weit verbreitete soziale Netzwerk von WhatsApp vor wenigen Jahren noch kein Thema, sagt Aufenanger: "Aber die Kinder sind natürlich stolz, wenn sie so einen Pass in der Hand halten."

Europäischer PC-Führerschein
Es gibt zahlreiche Zertifikate und Pässe rund um Computerkenntnisse. Beispiele sind das Internet-Seepferdchen (www.internet-seepferdchen.eu), das Kindern, Eltern und Lehrkräften Tipps zum Kennenlernen des Internets gibt, oder der Internet-Surfschein (www.internet-abc.de), mit dem sich das Internetwissen testen lässt. An Schulen besonders verbreitet ist der von der Stiftung Warentest empfohlene Europäische Computerführerschein ECDL (www.ecdl.de), der von der Dienstleistungsgesellschaft für Informatik mit vielen Modulen angeboten wird. Etwa 1000 Schulen in Deutschland fungieren als Prüfungszentren für diesen Führerschein. Im mittelhessischen Raum sind dies die Blindenstudienanstalt und die Kaufmännischen Schulen in Marburg, die Gesamtschulen Gießen-Ost und Hungen, die Max-Weber-Schule in Gießen, die Theo-Koch-Schule Grünberg und die Friedrich-Magnus-Gesamtschule in Laubach. Als öffentliche Prüfungszentren gibt es die Bildungsinsel und das Alfatraining Bildungszentrum in Gießen. Der europäische Computerführerschein richtet sich vor allem an Interessenten, die – etwa in der Bewerbungsphase – ihre Computerkenntnisse nachweisen möchten und wirdan vielen Berufsschulen angeboten. Es fallen jedoch Kosten an.
gec

Gesa Coordes

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