Mittwoch, 19. Mai 2021
Thema der Woche | 24. November 2016

"Schweigen ist der falsche Weg"

Rezepte gegen Rechts: Interview über den Umgang mit rechtem Parolen

Wie pariert man rechte Parolen? Wie soll man mit dem rechtem Gedankengut in unserer Gesellschaft umgehen? Das ist Thema einer Podiumsdiskussion mit der Demokratienforscherin Prof. Ursula Birsl, Ali Can vom Verein interkultureller Frieden, der Generalsekretärin der hessischen SPD, Nancy Faeser und der heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Handan Özgüven am 28. November.

Einer der Initiatoren der Podiumsdiskussion ist Georg Simonsky. Der SPD-Politiker engagiert sich in sozialen Medien gegen rechte Hetze und Rassismus. Für seinen Einsatz wurde der Marburger Juso-Kreisvorsitzende bei Facebook beschimpft und bedroht. So wurde ihm angedroht, dass er an einem "Laternenmast baumeln" werde. Zum Schweigen bringt das Simonsky freilich nicht. Im Interview erklärt er, wie wichtig es ist im Gespräch mit Parolenschwingern sachlich zu bleiben – und keine Angst vor komplexen Antworten zu haben.

Express: Mal ehrlich. Oft wissen wir nicht, wie mit "den Rechten" umzugehen ist. Wie soll ich mich etwa verhalten, wenn mir jemand sagt, "ich bin ja kein Nazi. aber es kann doch nicht sein, dass halb Syrien zu uns kommt und uns hier die Jobs wegnimmt"?

Georg Simonsky: Ich würde sagen, "versuche dich doch mal in die Situation reinzuversetzen. Du lebst in einem Land, in dem Bürgerkrieg herrscht und die Zivilbevölkerung bombardiert wird. Würdest du dann nicht selber auch versuchen, mit deiner Familie das Land zu verlassen – auch wenn es dein Heimatland istund an einen Ort zu fliehen, an dem man nicht vom Tode bedroht ist."

Express: Solche Fakten allein helfen leider selten in der Diskussion mit Hardlinern ...

Georg Simonsky: Die Sachlage ist sehr kompliziert – und das muss man versuchen, mit Fakten zu vermitteln. Mit dem Spruch "Wir schaffen das" ist es ja beileibe nicht getan. Man muss ruhig und sachlich bleiben und genau erklären, wir wir es schaffen die Flüchtlinge aufzunehmen, zu integrieren und warum das kein Fehler ist – sondern gut für unser Land.

Man muss dabei deutlich machen, dass die einheimische Bevölkerung nicht hinten runterfällt und schlechter gestellt wird, weil Flüchtlinge kommen. Da gibt es so viel Fehlinformationen. Ich glaube, dass kaum jemand hier in Deutschland sagen kann, dass die Anwesenheit von Flüchtlingen sein Leben negativ beeinflusst hat. Dies muss man den Leuten vor Augen führen.

Express: Oft fruchtet es trotzdem nicht, wenn man rechten Parolen und Positionen entgegen tritt. Speziell in den sozialen Medien, wo der ganze Hass kumuliert ...

Georg Simonsky: Schweigen ist aber immer der falsche Weg, glaube ich. Nach dem Motto: "Wenn die Guten nichts tun, hat das Böse schon gewonnen." Und ich denke, viele von den Leuten, die beispielsweise Hassparolen über Flüchtlinge verbreiten, hatten noch gar keinen persönlichen Kontakt mit einem Flüchtling. Also würde ich die Leute ansprechen und fragen, wo ihr negatives Bild von den Hilfe suchenden Menschen herkommt und ob sie schon mal mit einem Flüchtling gesprochen haben.

Express: Was nur geht, wenn der Gegenüber auch bereit ist, die Argumente des anderen ernsthaft anzuhören. Wenn jemand bei Facebook Hassparolen verbreitet lässt, geht er darauf wohl kaum ein ...

Georg Simonsky: Die Diskussionskultur in den sozialen Medien ist im letzten Jahr immer schlimmer geworden. Nochmal: Deshalb darf man aber nicht kapitulieren. Selbst wenn man die, die Hetze und Hassparolen verbreiten, nicht vom Gegenteil überzeugen kann.

Wichtig ist: man muss auch den Menschen, die diese rechten Kommentare lesen, einen Gegenentwurf anbieten. Damit sie sich ein eigenes Urteil bilden können. Man darf die Hetze nicht unwidersprochen lassen.

Wir sind an einem Punkt, an dem man für unsere Demokratie eintreten muss. Ich glaube, dass viele Dinge, die in den letzten 70 Jahren in unserem Land passiert sind und die gut für uns waren, mittlerweile als zu selbstverständlich angesehen werden. Welche Freizügigkeit uns beispielsweise die Europäische Union gebracht hat. Das und vieles andere muss man den Leuten ins Gedächtnis rufen.

Die Podiumsdiskussion
... "Ich bin ja kein Nazi, aber ..." zum Umgang mit rechtem Gedankengut beginnt am Montag, 28. November, um 19.30 Uhr. Veranstaltungsort: Hörsaalgebäude Marburg, Hörsaal +1/0020

Interview: Georg Kronenberg

Thema der Woche | 24. November 2016

Hast du Worte

Zukünftige Poetry Slam-Stars gesucht / 7. & 8. Dezember

Um den dichtenden Menschen in Gießen und Marburg ein Sprungbrett zu bieten, das sie in die Spähren der Slam Szene katapultieren soll, veranstaltet Poetry Slam-Meister Lars Ruppel am Dienstag, 6. Dezember, im KFZ Marburg und am Mittwoch, 7. Dezember, im Jokus Gießen die "Mein erster Poetry Slam"-Spezials. Dabei treten nur SlammerInnen, die noch nie zuvor bei einem Slam teilgenommen haben mit ihren selbstgeschrieben Texten gegeneinander an.

Zur Teilnahme braucht man nur: Lust auf ein Leben als Poesie-Star, zwei Texte von maximal 5 Minuten Länge und eine Email an slamarburg[at]gmx.de.

Um den versteckten Talenten in Mittelhessen den Einstieg zu erleichtern hat Lars Ruppel exklusiv für den Express ein paar Insidertipps ausgeschrieben:

1. Kopf aus

Wenn einem nicht einfällt was man schreiben soll, dann schreibt man mit dem falschen Körperteil. Der Kopf ist ein schlechter Ratgeber, wenn es um Poesie geht. Wir schreiben mit dem Herzen, den Händen und dem mittleren Teil der Milz. Interpretieren und bewerten sollen die Leute mit den akademischen Abzeichen aus Elfenbein.

2. Internet aus

Das Internet ist der größte Feind der Poesie. Schon eine einzelne Facebook­kommentar­spalte verursacht erheblichen Schaden im Sprachzentrum. Lustige Youtubevideos schauen ist zwar leichter als das Schreiben eines Gedichtes, aber es bringt einen nicht weiter. Ein Gedicht auf einer Bühne vorzutragen ist hin­ge­gen gut für Körper, Geist und Freundeskreis.

3. Handy an

Meldet euch an und sagt all euren Freunden Bescheid. Wer im Publikum einen befreundeten Hooligan-Mob sieht, der fühlt sich sicherer. Mobilisiert auch die Exfreunde und Exfreundinnen, sie sollen mal sehen, was sie da verlassen haben!

red

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Der sensible Privat Pyle lernt bei den US-Marines das Töten, zerbricht daran, und erschießt sich und seinen sadistischen Ausbilder. Für die anderen Rekruten wird es ernst. In Vietnam kämpfen sie gegen einen unsichtbaren Feind, der aus dem Hinterhalt angreift. Der monatelange Drill erweist sich nun als nutzlos ...
Mi 3.2. | 20.15 Uhr | TV | Kabel eins
 
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Peter "Star-Lord" Quill ist ein Weltraumbandit. Er tut sich mit den Kopfgeldjägern Rocket und Groot sowie der rätselhaften Gamora und dem rachgierigen Drax zusammen, um das Universum zu beschützen.
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