Montag, 20. Mai 2019
Editorial | 8. März 2018

Sauber

Heißkaltes Händchen – Foto: Michael Arlt

Ein Haushaltstipp. "So kommen Teppiche fleckfrei durch die Welt." Führt doch die artgerechte Bodenhaltung speziell in der Übergangsjahreszeit dazu, dass Hochflor, Velours und Co. allzuleicht Opfer von Schnee, Nässe, Schmutz werden ... Wohlan:

Feuchte Flecken wollen mit einem saugfähigen, weichen Tuch auf­genommen werden, so steht geschrieben. Eventuell mit lauwarmem Wasser nachbehandeln, aber keinesfalls Spülmittel oder Waschpulver verwenden. Das hinterlässt einen klebrigen Film, der neuen Schmutz anzieht. Was nicht gut ist, sondern unter Umständen Anlass zu neuer Verzweiflung.

Eingetrocknete Substanzen werden mit dem Messerrücken vorsichtig abge­tragen und weggesaugt. Nomadisierende Wachsflecken hingegen haben ein spezielles Nirvana: Waschbenzin, worinnen sie sich – Om mani padme hum – bereitwillig auflösen.

Abzuraten ist hingegen von der Löschpapier-Bügeleisen-Methode. Nicht etwa, weil kaum noch jemand weiß, was Löschpapier ist, sondern weil gerade bunte Wachsreste unter Hitzeeinwirkung die Tendenz zeigen, faserflächendeckend färbende Spuren ihrer einstigen Existenz zu hinterlassen.

Der beliebte Klassiker "Rotweinfleck" schließlich verlangt auch nach der traditionellen Beseitigungsmethode: Mit reichlich Salz bestreuen, trocknen lassen und alsdann unter dem Absingen einiger Hosiannas wegsaugen.

Dies stets bedacht, bleiben Mensch und Teppich jahrelang gute Freunde.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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