Montag, 20. Mai 2019
Thema der Woche | 5. April 2018

Fest der Klänge

"Akkordeonale" 2018 im KFZ – Foto: Bashir Wagih

Herzstück der diesjährigen Internationalen Akkordeon-Festivals "Akkordeonale" ist die Begegnung und Interaktion zwischen den Musikern im Wechsel von Soli und Ensemblestücken. Rembetiko und Balkan-Jazz treffen dabei auf brasilianischen Forró, ägyptischer Indie-Folk begegnet Bandoneon-Magie aus Buenos Aires zu niederländischer Klangästhetik, garniert mit jazzigem Kontrabass aus Italien, Gitarre sowie kristallklarer portugiesischer Fado-Gitarre. Als Sahnehäubchen gibt es dazu eine kabarettreife Moderation.

So verschieden die kulturellen Hintergründe und Persönlichkeiten sind, so unterschiedlich sind auch die Herangehensweisen und Stile der Musikerinnen und Musiker: die eine ist studiert mit klassischer Ausbildung, der andere hat sein Instrument von frühester Kindheit an ganz selbstverständlich erlernt. Mit der gemein­samen Sprache Musik schaffen die Künstler eine Verständigung, die sich nicht um Grenzen und Trennendes schert, sondern einen lebendigen Austausch kreiert. Improvisationstalent, Spontaneität und Spaß am gemein­samen Konzert verbinden sich so mit den vielfältigen Klangmöglichkeiten der Instrumente zu etwas ganz Neuem und machen die Akkordeonale zu einem wahren Fest der Klänge.

Dimos Vougioukas (Griechenland) begann sein Akkordeon-Studium schon mit elf Jahren am Konservatorium von Vólos, promovierte mit Auszeichnung und hat sich auf die Musik seiner Heimat und des Balkans spezialisiert. Er spielte mit erstklassigen Balkan-Akkordeonisten wie Petar Ralchev und Ionica Minune zusammen sowie mit diversen Koryphäen griechischer Musik wie Nena Venet­sanou, George Dalaras, Glykeria oder Nana Mouskouri. Neben seinen solis­ti­schen Tätigkeiten, u.a. beim Estoudiantina Orchestra und Philharmonischen Orchester von Vólos, hat Dimos zwei Bands, "Athens Tango" und das "Dimos Vougioukas Gypsy Ensemble". Außerdem arbeitet Dimos Vougioukas als Komponist und Arrangeur.

Die musikalischen Wurzeln von Joao Pedro Teixeiras (Brasilien) erstrecken sich über eine breite Palette brasilianischer Musikgenres von den puren südlichen Xotes und Milongas bis hin zum Reichtum des nordöstlichen Forró Pé-de-Serra. Joao Pedro Teixeira hat für sich eine außergewöhnliche Technik des Akkor­de­on­spielens kreiert, die sich z.B. im Gebrauch der Bässe in einer bisher un­be­kann­ten Weise zeigt. Die Intimität zwischen dem Musiker und seinem Instru­ment, seinen Arrangements und Improvisationen, sind ebenso berührend wie mitreißend.

Schon jetzt wird Joao Pedro Teixeira zur Riege der legendären brasilianischen Akkordeonisten wie Hermeto Pascoal, Sivuca, Oswaldinho do Acordeao und Dominguinhos gezählt.

Youssra El Hawary (ägypten) ist Akkordeonistin, Komponistin, Songwriterin, Sängerin und Schauspielerin, ihr einzigartiger musikalischer Stil ist von verschiedensten Genres geprägt. Mit dem Akkordeon begleitet Youssra sich selbst bei ihren sozialkritischen, politischen Liedern. In sehr kurzer Zeit wurde sie zu einer der gewichtigen Frauenstimmen in ägypten, die besonders nach ihrem ersten Musikvideo "El Soor" oder "The Wall" – einem bissigen Kommentar zur Situation in ägypten – viel Aufmerksamkeit erhielt. "El Soor" gewann den ersten Platz im weltweiten Fair-Play-Wettbewerb für Musikvideos gegen Korruption. Mit ihrer "Youssra El Hawary Band" ist die Künstlerin auf Konzerten und Festivals in ägypten und im Ausland unterwegs.

Omar Massa (Argentinien) debütierte mit sieben Jahren im berühmten Tango-Haus "Café Tortoni" in Buenos Aires mit Musik von Astor Piazzolla. Mit zwölf begann er am dortigen Nationalen Konservatorium Bandoneon zu studieren, unterrichtet von renommierten Maestros wie Rodolfo Mederos, Marcos Madrigal, Julio Pane und Alejandro Barletta. Obwohl Omar Massa seine Wurzeln in der Tangomusik hat, widmet er sich der Konzertmusik, vor allem der Musik Astor Piazzollas, und dem europäischen und lateinamerikanischen Barock­re­pertoire. Omar Massa trat mit international bekannten Künstlern wie Placido Domingo auf, komponierte mehrere Ensemblewerke und ist als Solist ein viel­gefragter Musiker bei Symphonie- und Kammerorchestern in Amerika und Europa.

Als musikalischer Querdenker ist Servais Haanen (Niederlande) Drahtzieher und Organisator der Akkordeonale. Er komponiert und arrangiert die Ensemble-Stücke des Festivals und führt durchs Programm, wobei seine mit trockenem Humor gespickten Moderationen Kultstatus haben. Schon lange arbeitet Servais Haanen daran, die Grenzen des Akkordeons zu sprengen und Elemente aus Neuer Musik, Minimalstrukturen und ausgefallene Klänge zu integrieren. Dank seiner vielfältigen Bandarbeit – u.a. Appellation Controlée, Quatro Ventos, KlangWeltenFestival – und Komponistentätigkeit für Musik­theater-Produktionen und Dokumentarfilme, bringt Servais Haanen unter­schied­lichstes Musikmaterial ins Spiel. Neben der Akkordeonale und seiner Dozententätigkeit für Akkordeon gehört die Ensemblearbeit mit außer­ge­wöhnlicher bis unmöglicher Besetzung zu seinen liebsten Beschäftigungen.

Als ebenbürtige Begleitmusiker gestalten Kontrabassistin Veronica Perego (Italien) und Rafael Fraga (Portugal) mit Gitarre und Fado-Gitarre den Hinter­grund der Akkordeonale. Veronica Perego studierte neben klassischem Klavier ihr Lieblingsinstrument am Konservatorium in Turin bei Furio Di Castri und nahm an verschiedenen Jazz-Meisterklassen teil. Rafael Fraga Rafael studierte klassische Komposition in Lissabon und Amsterdam, seine wichtigsten musi­kalischen Einflüsse sind Bossanova, portugiesische Volksmusik, Jazz und klassisch-zeitgenössische Musik.

Akkordeonale 2018, Internationales Akkordeon-Festival, Fr 6.4., 20 Uhr, KFZ

MiA/pe

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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