Montag, 20. Mai 2019
Editorial | 10. Mai 2018

Herrlich

Über den Feldern ist bald Ruh ... – Foto: Pixabay

..., das Ende ist nah! Am Johannistag, dem 24. Juni im Jahre 2018, geht es dem Spargel an den Kragen. Dann wird die schlimme Stange zum letzten Mal gestochen. Und mein leguminoser Lieblingsfeind zieht sich zurück in seine lehmigen Unterstände wie weiland das 4. Großherzoglich Hessische Infanterie-Regiment Prinz Carl Nr. 118 im Trommelfeuer vorm Toten Mann.

Doch im Gegensatz zum Kreideboden der Champagne lassen die Äcker zwischen Aukrug und Bamberg, zwischen Weiterstadt und Kyhna ihre bleichen Bewohner schon in einem Jahr erneut ans fahle Licht der Vorfrühlingssonne streben. Und dann unter hochtrabenden Tituln wie "Schwetzinger Meister­schuss", "Huchels Meisterauslese" oder "Ruhm von Braunschweig" nicht nur die Geschmacksnerven, sondern auch die gut republikanische Gesinnung des Chronisten herausfordern.

Der kontert die anmaßenden Zapfen gerne mit dem Idealkörper der Erbse: Sympathisch bescheiden dimensioniert, hinreißend gefärbt, von Wohl­ge­schmack und unnachahmlicher Textur, harmoniert diese mustergültig mit der Kartoffel und auch der Karotte. Ja, die Erbse heiße ich einen wahrhaft gelungenen Wurf von Mutter Natur.

Aber hör'n Se mir bloß uff mit'n Schparrgl!

Michael Arlt

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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