Montag, 20. Mai 2019
Editorial | 11. Januar 2018

Rühmenswert

Kleiner Gruß aus der Kälte – Foto: Pixabay

... ist, dass manchmal richtig kleine Wunder passieren. Und zwar dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Wie eng jahreszeitlich bedingt Transzendenz und Bodenhaftung beisammen liegen können, macht ein Geschehen deutlich, das der Schreiber dieser Zeilen über den Wechsel 17/18 hin verpasste.

Sein gewohnheitsmäßiger Gang führt des Morgens auch über die Lahnbrücke am Rosenpark, und noch bis zum Ende der vergangenen Weihnacht konnte das mitunter zu einer Buckelrutschpartie erster Güte werden. Denn es verwandelten punktueller Frosthauch und fieser Flechtenglitsch das Holzlattengefüge des Überweges in eine Glättefläche, gegen deren Tücke die berüchtigten Eisfelder der Eiger-Nordwand zu Bällchenbädern schrumpfen.

Doch hat diese Schrecknis in Finsternis und Kälte nun ein Ende, weil wunder­samer­weise ziert seit Kürzestem ein griffiger Läufer zwei­mann­breit den Brü­ck­en­rücken, ein sisal­haft kratziges Geflecht, das dem majestätischen Wal­fisch zum Massage­band gereichen würde und doch nur den bescheidenen Schritt des Wanderers dort hält wo er hingehört, erdgebunden, fest & zuversichtlich: Vorwärts immer, abheben nimmer. Bedankt.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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