Montag, 20. Mai 2019
Thema der Woche | 9. August 2018

In voller Aktion

Die Seebrücke Marburg – Foto: Kronenberg

Sie haben innerhalb einer Woche zwei Demos mit 400 und 500 Teilnehmern in Marburg organisiert, Infoveranstaltungen und eine Filmvorführung im Capitol. Dabei gibt es die "Seebrücke Marburg" doch gerade mal rund vier Wochen, berichtet Anna Bubert. Sie gehört zu der Handvoll Marburger Aktivisten, die sich mit den Demos und Veranstaltungen in der Lahnstadt für die Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge im Mittelmeer und eine humane Asylpolitik einsetzen.

Warum? "Weil ich morgens noch in den Spielgel schauen können will", sagt Bubert. Alleine von Anfang Januar bis Anfang August seien 1500 Menschen bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ertrunken, zählt Bubert auf. Nichtstun ist für sie keine Option, auch wenn sie kaum glaubt, dass der bundesweite Protest des Bündnisses Seebrücke bei Politikern wie Horst Seehofer für ein Umdenken sorgt.

Es geht ihr auch um eine Änderung des politischen Klimas – und dafür sei lokaler Einsatz wichtig: "Es gibt gerade auch in Marburg so viele Menschen, die sich positiv engagieren, die sich für Menschen auf der Flucht einsetzen. Über die wird viel zu wenig berichtet. Wenn man im Internet schaut und sich die Hasskommentare auf den einschlägigen Seiten durchliest, bekommt man das Gefühl, dass es nur noch Rechte gibt. Und das ist falsch. Sie sind in der Minderheit."

"Wir sind bisher zu wenig sichtbar, das müssen wir ändern", unterstreicht Julia Flechtner von der DGB-Jugend. Tobias Haberland, der mit Anna und Julia am Samstag beim bundesweiten "Day Orange" für die Seenotrettung am Seebrücke-Infostand auf dem Marburger Marktplatz steht, sieht das genauso: "Eine rechte Minderheit bestimmt den politischen Diskurs. Wir müssen so menschenverachtenden Begriffen wie ,Asyltourismus' etwas entgegensetzen." Er geht davon aus, dass es "einen langen Atem und viele kleine Aktionen" im Kampf gegen rechtspopulistisches Gedankengut brauche. "Dass wir die festgesetzten Schiffe der privaten Rettungsorganisationen nicht freikriegen, wenn wir einmal hier auf dem Marktplatz Papierbötchen falten, ist ja klar." Deshalb hofft er, dass die Aktionen der Marburger Seebrücke auch im Wintersemester weitergehen. Die Vernetzung mit Engagierten in anderen Städten, in Gießen und Frankfurt, beginne gerade erst.

Nächste Aktionen der Seebrücke:
Am Donnerstag, 9. August, zeigt die Seebrücke Marburg im Capitol den Dokumentarfilm"Iuventa"über das gleichnamige Rettungsschiff. Nach fast zwei Jahren Einsatz und ca. 14.000 auf hoher See geretteter Menschen wurde der von der Berliner Initiative "Jugend rettet" zum Rettungsschiff umgebaute Fischkutter im August 2017 von den italienischen Behörden beschlagnahmt und in Lampedusa festgesetzt. Der Mannschaft wird die Kooperation mit Schlepperbanden vorgeworfen. Eine Anklage ist jedoch bis heute nicht erfolgt. Die Dokumentation von Regisseur Michele Cinque begleitet die der jungen Protagonisten, fängt die gesamte Spanne der Mission ein. Zur anschließenden Diskussion über den Film sind Mitglieder von "Jugend rettet" anwesend.
Die Seebrücke in Gießen veranstaltet am Freitag, 10. August eine Demonstration gegen die Kriminalisierung von Seenotrettungsorgansationen, die um 16 Uhr auf dem Gießener Kirchenplatz startet.

Georg Kronenberg

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
Aktuelles Heft
Zum Anschauen und Blättern klicken Sie bitte auf den Hefttitel.
 
Kulturtipps 2019
Zum Anschauen und Blättern klicken Sie bitte auf den Hefttitel.
 
Ausgehen & Einkaufen
Zum Anschauen und Blättern klicken Sie bitte auf den Hefttitel.