Montag, 20. Mai 2019
Editorial | 9. August 2018

Die Wege des Seltsamen

Dieser junge Mann hat sich vorbildlich auf den Genuss von Bienenstich präpariert, einem weiteren Spätsommerklassiker – Foto: Michael Arlt

... ins gewöhnliche Leben verlaufen mitunter wunderlich, wie uns folgende Geschichte erzählt, die an einem stürmischen Novemberabend im geselligen Beisammensein um einen Kessel dampfenden Punsches die Runde machte, und die wir Dir, geneigter Leser, nicht vorenthalten wollen ... – Im späten Sommer des Jahres 20.. begaben sich die Freunde Lothar und Cyprian nach einem wilden Gewitter an das Gestade der Ostsee nahe der alten Handelsstadt D., auf der Suche nach Bernstein und Treibholz, um ihre ins Groteske zielende Phantasie zu befeuern.

Doch was sie auf dem Sande fanden, vom Tang umschlungen und wellenumspült, war stattdessen eine dickwandige Flasche von alterthümlicher Form, darinnen gerollt ein Manuskript steckte mit den höchstmerkwürdigen Zeilen ---- Ameisen­kuchen. So wird's gemacht: 400 g Mehl mit 2 TL Backpulver und einer Prise Salz mischen, 130 g Zucker, ein Päckchen Vanillezucker, 2 Eier, 3 EL Milch und 200 g Butter unterkneten. Diesen Mürbeteig auf ein gefettetes Blech ausrollen und dicht mit 750 g Ameisen belegen. Bei 220 Grad ca. 40 Min. backen. Noch heiß dick mit Zucker und Zimt bestreuen. ---- ... Wie der Zufall stets neu in träumerischer Weise dem Ahnungsvollen Platz bahnt war lange noch Gespräch der Gesellschaft an jenem stürmischen Novemberabend.

Wir hingegen empfehlen uns leise und wünschen schlichtweg Guten Appetit.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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