Montag, 20. Mai 2019
Editorial | 6. September 2018

Nachdem wir

Früh krümmt sich ... – Foto: Pixabay

... in der vergangenen Woche an dieser Stelle ein Schlaglicht auf den Biegen- und Deutschhausstraßenraser geworfen haben, soll diesmal ein weiterer Invertebrat vorgestellt werden, der in mancherlei Hinsicht dessen schieres Gegenteil darstellt. Leise ist er, und langsam dazu. Die Eigenschaft des Auf­fallen­wollens freilich teilt er mit dem gemeinen Straßen­schluchten­poser. Wobei von Wollen nicht eigentlich die Rede sein kann, da hier eher echte biologische Notwendigkeit am Walten ist.

Sie haben es sicherlich längst erraten, die Rede ist von niemand anderem als dem Tigerschnegel. Dieser hat es geschafft, 2018 vom Naturschutzbund Österreich zum Weichtier des Jahres erhoben zu werden, und für 2019 gleich dazu. Wie alle heimischen Nacktschnecken ein Zwitter, beeindrucke der/die/das "nicht nur durch ihre Größe und ihr Aussehen, sondern auch durch ihr spezi­elles Fortpflanzungsverhalten.

Bezüglich ihres Aussehens scheiden sich die Geister. Die einen finden sie ausgesprochen hübsch und attraktiv, für andere ist sie eher abstoßend und ekelig." Und weiter ist zu lesen: "... ernährt sich hauptsächlich als Räuber und greift auch andere Nacktschnecken und deren Gelege an. Sehr gerne werden zudem verschiedene Pilze aber auch Aas angenommen. Sie ist kein Garten­schäd­ling!"

Also, freuen Sie sich, wenn Ihnen ein Tigerschnegel über den Weg kriecht. Und grüßen Sie recht artig.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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