Montag, 20. Mai 2019
Editorial | 20. September 2018

Pleite mit Strahlkraft

Insolventes Ionenstrahl-Therapiezentrum: Leuchtturmprojekt der Privatisierung – Foto: Kronenberg

Als Leuchtturmprojekt, das weit über Marburg hinaus strahlen soll, war das Ionenstrahl-Therapiezentrum auf den Lahnbergen von Hessens Ex-Minister­präsidenten Roland Koch & Co. einst gepriesen worden. Als ein Beleg, dass die von seiner Regierung durchgeführte und harsch kritisierte Privatisierung des Uni-Klinikums Gießen-Marburg ein Erfolgsmodell mit Vorbildfunktion ist.

Jetzt ist das Tumor-Therapiezentrum pleite – nach einer wechsel­vollen Ge­schich­te, bei der immer wieder das Land mit Nachdruck eingreifen musste. Stand das Zentrum doch schon vor Jahren vor dem Aus – mangels Wirt­schaft­lich­keit der lebens­rettenden innovativen Strahlentherapie.

Erst nach langem Gezerre mit dem privatisierten Uni-Klinikum war schließlich eine Lösung durch die Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) gefunden worden. Doch auch für die Heidelberger geht die Rechnung nicht auf: Vier Millionen Euro fehlen im Jahr wegen der geringen Auslastung in Marburg für einen kostendeckenden Betrieb.

Und die Landesregierung muss sich – wiedermal – um die Altlasten der CDU-Privatisierungspolitik unter Koch kümmern. Dass eine Rettung des Zentrums nicht billig werden wird, ist abzusehen. Und wer letztlich finanziell dafür ein­springen wird, sollte sie gelingen, auch.

Mit einem hatte Roland Koch immerhin Recht: Das Ionenstrahl-Therapie­zentrum ist ein Leucht­turm­projekt der Privatisierung.

Georg Kronenberg

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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