Montag, 20. Mai 2019
Editorial | 11. Oktober 2018

Ist denn schon

Warte, warte noch ein Weilchen ... – Foto: Michael Arlt

... wieder Dezember, könnte man fragen angesichts des verdammt leckeren Stollengebäcks, das für eine vermutlich nur sehr kurze irdische Verweildauer von fürsorglichen Kollegen der Allgemeinheit bereitgestellt wurde.

Eigentlich nicht, eingedenk kurzer Pantalonen, leichter Turnschuhe und in Erwartung sonniger spätsommerlicher Temperaturen ab der Mittagszeit. Aber tauchten da nicht letztens schon wundersam Berge von weihnachtlichem Nasch­werk am Horizont über den vertrauten Einkaufsgängen auf? Lenkten nicht sanfte Lebkuchenhügel den Schritt des zögerlichen Konsumenten? Lockten nicht Kaskaden von Marzipankartoffeln den sorglosen Wanderer - auf der Suche nach was Leichtem fürs Abendessen, wahrscheinlich Salat - vom Weg ab? Lag nicht der süße Duft von Spekulatius und Vanillekipferl in der Luft? Taten sich sich nicht Schründe und Schluchten auf, gepflastert mit Dominosteinen, die schroffen Hänge voll Aachener Printen und allerley Pfefferkuchen, türmend in einem Dresdner-Stollen-Massiv von sagenhaften Format, über dessen puder­zucker­verhangenem Gipfel in einer strahlenden Gloriole der Nikolaus und das Christkind, und alle Glocken ...

Neinneinnein, geh nicht in das Licht, pack deinen Geldbeutel fester und lauf schnell zur Frischetheke! Solange es halt noch geht.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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