Montag, 20. Mai 2019
Editorial | 1. Februar 2018

Heute früh

Boot am See – Foto: Pixabay

... einen halbwachen Blick auf das halbdunkle Geschehen in unserer Straße geworfen. Nicht der gewohnte Müllwagen dieselte orange blinkend neben dem Bürgersteig vor sich hin, dessen verlängerter Rücken von emsigen Händen geschickt mit grauen, grünen oder blauen Plastiktonnen beschickt wird. Nein, ein weißes, winkliges Gefährt zitterte da auf seinen drei Achsen, ein eigen­tümliches Geknurschpel lag in der Luft. Und drei ernste Männer in leuchtender Kleidung führten allerhand ungefüge Brocken heran. Matratzen waren es, Regale, ein Deckenfluter und was noch mehr Sperriges schon lange seinen einstmaligen Daseinszweck erfüllt hatte und nun an der Hauswand lehnte, die Nacht verharrend, im Morgengrauen den letzten Gang anzutreten.

Denn von sicherem Griff gepackt, landeten die stummen Delinquenten im Schwung vor dem mechanischen Maul der Maschine, die da weiß winkelig zitterte. Und halb zog es sie, halb sanken sie hinein, hinter eiserne Kiefer und malmende Rollen, reißende Zähne und rüttelnde Zacken des gleichgültigen Gleichmachers, des erzenen Totalisators, des Großen Baal, der da so unver­sehens erschienen war, als just der seit viel zu langem schon vergraute Himmel von der Morgensonne geritzt wurde, mit roten und mit gelben Streifen.

Michael Arlt

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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