Montag, 20. Mai 2019
Thema der Woche | 1. März 2018

Bewegende Begegnung

Aeham Ahmad meets Edgar Knecht am 16. März in der Lutherischen Pfarrkirche – Foto: o-tone music

Syrischer Gesang trifft auf deutsches Volkslied. Jazz und Latin verbinden sich mit arabischen Rhythmen zu mitreißenden Kompositionen: Für ihr Projekt "Keys to Friendship" sind der renommierte Kasseler Jazzer Edgar Knecht und der syrisch-palästinensische Pianist Aeham Ahmad als Bundessieger beim Creole-Weltmusikwettbewerb ausgezeichnet worden.

Das gemeinsame Projekt der beiden Musiker ist die beeindruckende wie bewegende Geschichte einer besonderen Begegnung. Zwei Menschen, zwei Pianisten, die in der grotesk polarisierten Welt eigentlich nicht zueinander hätten finden sollen, trafen vor etwas über einem Jahr erstmals aufeinander, lernten sich kennen und inspirierten sich schließlich gegenseitig – kraft der Musik.

"Wir haben gleich gemerkt, dass wir zusammen ein riesiges Thema haben", erzählt der für seine Volksliedbearbeitungen renommierte Pianist Edgar Knecht über die erste Unterhaltung der beiden Musiker im Kasseler Opernhaus: "Ich habe mich ja intensiv mit Volksliedern auseinandersetzt. Aeham hat sofort arabische Volkslieder ins Feld geführt. Das war ein riesiger Glücksfall, wir haben sofort gespürt, dass wir eine wichtige gemeinsame Ebene haben."

Schnell war ein Termin für ein gemeinsames Konzert im Kasseler Opernhaus vereinbart. Das Konzert im Februar 2017 wurde ein voller Erfolg. "Wir waren alle am Fliegen, es gab schon zur Halbzeit Standing Ovations", berichtet Edgar Knecht.

So gut wie die Musiker harmonierten war für die Kritiker klar, "ihr könnt es nicht bei einem Konzert bewenden lassen".

"Ich hatte schon im Sommer mein Lieblingsstudio für unsere nächste Trio-CD gebucht", sagt Edgar Knecht, "ich habe dann schnell entschieden, wir verschieben die Trio-CD und machen das Projekt mit Aeham."

Da fest stand, dass im Herbst 2017 Aehams Autobiografie publiziert werden sollte, entschieden die Musiker, dass die CD gleichzeitig erscheinen sollte. Was folgte, war eine intensive musikalische und persönliche Zusammenarbeit, die die beiden Musiker noch mehr zusammengeschweißt hat.

"Ich habe eine Komposition basierend auf 'Die Gedanken sind frei' ge­schrie­ben", er­zählt Edgar Knecht. "Wir haben Aeham einbezogen und das ist natürlich ein Stück, dass er sofort als Botschaft empfindet, bei dem er am Ende sogar das Thema auf deutsch mitsingt." Umgekehrt fühlten sich Knecht sowie Rolf Denecke am Kontrabass und Tobias Schulte am Schlagzeug in Aehams Musik ein, reicherten sie etwa mit jazzigen Soli an.

Quasi in der letzten Minute beim hessischen Creole-Preis angemeldet, wurde das Projekt "Keys to Friendship" bei dem Weltmusikwettbewerb direkt zum Landessieger gekürt. Als erste hessische Formation konnten Aeham Ahmad und Edgar Knecht mit seinem virtuosen Trio danach auch den Bundespreis gewinnen. "Das ist eine Riesenannerkennung für unser Projekt", freut sich Knecht. Als Gewinner des Creole-Festivalpreises haben die Musiker zudem Einladungen zu namhaften Weltmusikfestivals, zum Rudolstadt-Festival, zum Bardentreffen in Nürnberg und zum Masala-Weltbeat-Festival in Hannover.

Die Presse beschied zur Premiere vor ausverkauftem Haus in der Oper Kassel: "Schon jetzt das bewegendste Konzert des Jahres – auch musikalisch heraus­ragend. Zu schade für nur eine Aufführung." (HNA)

Termin: "Keys to Friendship" – Aeham Ahmad meets Edgar Knecht
Fr, 16. März, 20:00 Uhr, Lutherische Pfarrkirche
Das Konzert wird vom Marburger Magazin Express veranstaltet.
Karten gibt es hier online

Georg Kronenberg

Tipp des Tages

Max Goldt

Foto: Axel
Martens
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedanken­fluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet." (Daniel Kehlmann). Ersteres tut der Meister persönlich am
Mo 20.5. | 20 Uhr | Marburg | Waggonhalle
 
Tipp der Woche

Axel Hacke

Foto: Thomas
Dashuber
Hacke liest – aber was liest er denn? Man weiß es nicht. Jede Hacke-Lesung ist ein bisschen anders als alle anderen: eine kleine Wundertüte. Klar ist, dass er aus seinem neuesten und sehr aktuellen Buch liest. Aber dann? Einige seiner legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung? Ein, zwei Kapitel über Oberst von Huhn und seine irr-poetische Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt? Oder eine kleine Hitparade der schönsten Missverständnisse aus der Wumbaba-Trilogie? Sicher ist am Ende nur jener Rat, den der Nord­deut­sche Rundfunk dem Publikum gibt: "Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden."
Do 23.5. | 20 Uhr | Marburg | KFZ
 
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