Montag, 10. Mai 2021
Thema der Woche | 10. September 2020

Torten, Texte & Theater

Spielzeiteröffnung im Landestheater – Foto: Jorien Gradenwitz

Mit vier Premieren und der Vorstellung von Marburgs erster Stadtschreiberin startet das Hessische Landestheater im September in die neue Spielzeit, die coronabedingt für das Publikum etwas anders aussehen wird, als gewohnt. So gibt es im Erwin-Piscator-Haus, wo die Saison am 18.9. mit der Premiere von "Glaube Liebe Hoffnung" von Ödön von Horváth & Lukas Kristl beginnt, im komplett geöffneten großen Saal nur noch 200 Plätze – statt der knapp 1000, die vor der Pandemie möglich waren. Im Großen Tasch im Theater am Schwanhof sind es durch die Abstands- und Hygienevorgaben noch 46 statt 200 Plätze und im Mini Tasch bleiben nur noch 26 Plätze. Wer in eine der Premieren will, sollte sich also schnell Karten sichern.

Stadtschreiberin Anah Filou

2022 feiert die Stadt Marburg ihren 800. Geburtstag. Ein besonderes Geburtstagsgeschenk gibt's vom Hessischen Landestheater: Ein ureigenes Theaterstück für alle Marburgerinnen und Marburger. Dafür hat das Landestheater die Wiener Autorin Anah Filou engagiert, die Theatergängern in Marburg durch ihr Kinderstück "Am Hafen mit Vogel" bekannt sein dürfte.

Insgesamt drei Monate wird Anah Filou in Marburg leben, um zu recherchieren, Menschen kennenzulernen und daraus ein Theaterwerk zu schaffen. Diesen Herbst beginnt ihre Arbeit. Anah Filou wird einen Monat in Marburg sein. Sie widmet ihre erste Recherche dem Thema "Marburg erinnern", trifft sich mit Vertretern von Vereinen, Behörden und Instituten. Und lädt am 15.9. um 19.30 Uhr in das Theater am Schwanhof zum ersten Abend mit "Torten und Texten" ein, um mit Marburgs Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Denn sie will wissen: Wen soll sie unbedingt kennenlernen? Welche Orte, Vereine und Institutionen besuchen? Welchen Menschen zuhören? Und: Mit wem Torte essen?

Leider ist auch hier die Teilnehmerzahl wegen der Corona-Bestimmungen beschränkt: Anmeldung zu dem Termin nimmt das Theater bis zum 10.9. per Mail an intendanz@hltm.de entgegen.

Wer am dem Termin keine Zeit hat, muss sich nicht grämen: Genau einem Monat später, am 15.10. folgt die zweite Ausgabe von "Torten und Texte" mit Anah Filouh.

"Glaube Liebe Hoffnung"

Auf der Suche nach ihrem Glück findet sich die junge Elisabeth vor der Anatomie wieder. Ihren zukünftig toten Körper will sie verkaufen und damit dem Gerichtssaal entgehen. Doch tote Körper gibt es genug und so nimmt ihre Geschichte einen anderen Lauf: Ödön von Horváth zeichnet das Spiegelbild einer Gesellschaft, die am Abgrund steht. Inmitten Elisabeth, die nicht aufgeben wird, die keinen Platz gewährt, der nicht von der Zuversicht gefüllt werden kann und die auf der Suche nach ihrem Moment bleiben wird.

1932 unter der Mitarbeit des Gerichtsreporters Lukas Kristl entstanden, verfolgt dieses Volksstück den Weg der kleinen Verbrechen, die doch Existenzen zerstören. Elisabeth, die aufgrund eines kleinen Deliktes Opfer gewaltiger Schuldzuweisungen wird und doch ihre Selbstbestimmung nicht aufgibt. So zieht sie los, um in dieser Welt jemand Zuständigen zu finden, jemanden, der Verantwortung übernimmt. Indessen trifft sie auf eine Vielzahl von Figuren, die mehr Körper als Geist sind und findet sich wieder in einem Reigen der Untoten und doch Nicht-Lebendigen.

Der Glanz fremder Zeiten verblasst in dieser Halbwelt, von Träumen und dem Drängen nach Veränderung nur noch eine fade Spur – scheinbar gespenstische Verhältnisse, die vom gigantischen Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft berichten.

Regie: Eva Lange, für alle Menschen ab 14 Jahren.
Premiere: Fr., 18.9., 19.30 Uhr, Erwin-Piscator-Haus

"Mutig, Mutig"

Am Teich treffen sich Maus, Schnecke, Frosch und Spatz. Gemeinsam wollen sie etwas unternehmen. Aber was? Der Frosch hat die Idee: Einen Wettkampf, wer von ihnen am mutigsten ist! Doch schnell stellen sie fest, dass das was für einen richtig mutig ist, für die andere nur eine Kleinigkeit sein kann. Und kann es nicht auch richtig mutig sein einfach mal "nein" zu sagen?

In dieser Inszenierung bringen die Regisseurin Dominique Enz und ihr Team das Kinderbilderbuch von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer poetisch-zart als Figurentheater auf die Bühne und in die Kindergärten in und um Marburg. Die beiden Schauspielerinnen hauchen den Figuren der vier Tiere auf der Bühne Leben ein und nehmen alle Menschen ab drei Jahren mit an ihren Teich.

Premiere: Sa., 19.9., 15.30 Uhr, Mini Tasch

"Mein ziemlich seltsamer Freund Walter"

Willkommen bei Radio Lisa – der Milkyway für deinen Tag: Zwei Moderatorinnen landen mit ihrer Weltraum-Radio-Station und erzählen eine Geschichte mit allem, was Radio ausmacht.

Im Mittelpunkt des Stücks "Mein ziemlich seltsamer Freund Walter" steht Lisa, sie ist fast neun und ziemlich alleine. Ihre Eltern sitzen nur zuhause auf dem Sofa und arbeiten nicht. Rappende Jugendliche auf dem Spielplatz ärgern sie. In der Schule steht sie immer alleine auf dem Pausenhof und die Lehrerin mag sie auch nicht. Die einzige Rettung, damit sie in der Schule nicht einschläft, sind ihre Bücher. Lisa liest Bücher über Astrophysik und träumt sich in ferne Galaxien. In einer Nacht passiert das Unglaubliche: Sie bekommt tatsächlich den lang ersehnten Außerirdischen-Freund Walter. Durch seine Hilfe ist alles auf einmal viel einfacher.

Schriftstellerin Sibylle Bergs erstes Theaterstück für Kinder entstand als Auftragswerk der Kunststiftung NRW anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums 2014.

Regie: Liljan Halfen, für alle Menschen ab acht Jahren.
Premiere: Mi., 23.9., 10.00 Uhr, Grundschule Niederweimar

"Der Schnaps erkennt die Traurigkeit"

Gegenwartsdramatik im Kleinen Tasch: "Karpfenendzeitalter auf einer Burg. Ein Maturatreffen ohne Internet nach zwanzig Jahren." Eine verschüttete Freundschaft soll in der Inszenierung von Anna Laner beschworen werden. Doch eine fehlt. Keiner weiß, was geschehen ist. "Sie könnte am Leben sein. Sie muss am Leben sein. Sie wäre hier. ... Wenn. Wenn. Wenn. Aus dem Alphabet verschwunden. Im Telefonverzeichnis gelöscht. Aus den Augen, im Sinn. Das Leben ist kein Krimi. Das Leben ist schlimmer als ein Krimi. Es ist real." Doch sie, sie sind auf sich selbst zurückgeworfen ...

Ein Stück für alle Menschen ab 15 Jahren.
Premiere: Sa., 26.9., 19.30 Uhr, Kleines Tasch

Gäste aus Graz
Das SchauspielStudio Marburg
Das Hessische Landestheater Marburg verbündet sich mit der Kunstuniversität Graz und begrüßt zur Spielzeit 2020/2021 vier Studierende in Marburg und am Theater.
Das "SchauspielStudio" der Kunstuniversität Graz existiert seit 2014 und kooperierte bisher mit dem Theater Chemnitz und dem Schauspiel Dortmund. Im nunmehr sechsten Jahrgang wird das Hessische Landestheater Marburg für die vier Schauspielstudierenden Patrick Bimazubute, Fanny Holzer, Ioana Nitulescu und Mia Wiederstein die letzte Station ihres Studiums sein.
Die Studierenden erhalten in Marburg praxisnahen Unterricht von erfahrenen Kollegen des Ensembles und präsentieren sich darüber hinaus in eigens erarbeiteten Performances, wie zum Beispiel bei "Watch Me Fail".
Die vier jungen Schauspieler debütieren zum Spielzeitbeginn 2020/2021. Patrick Bimazubute und Fanny Holzer sind in der Eröffnungsinszenierung "Glaube Liebe Hoffnung" in der Regie von Eva Lange zu sehen, Ioana Nitulescu zeigt neben Ensemblemitglied Lisa Grosche ihr Können im Figurentheaterstück "Mustig, Mutig" und Mia Wiederstein spielt gemeinsam mit Zenzi Huber in "Mein ziemlich seltsamer Freund Walter".

pe/kro

Tipp des Tages

Die kleine Diebin

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Frankreich, 1950: Seitdem ihre Mutter sie verlassen hat, lebt die ungestüme Janine bei Verwandten in einer französischen Kleinstadt. Nach Schulschluss schlüpft die 16-jährige Einzelgängerin in Seidenstrümpfe und Pumps, raucht US-Zigaretten und schaut sich romantische Kinofilme an.
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Peter "Star-Lord" Quill ist ein Weltraumbandit. Er tut sich mit den Kopfgeldjägern Rocket und Groot sowie der rätselhaften Gamora und dem rachgierigen Drax zusammen, um das Universum zu beschützen.
Do 11.2. | 20.15 Uhr | TV | Vox
 
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