Montag, 10. Mai 2021
Thema der Woche | 3. Dezember 2020

Ein Campus als Lichtung

Neue Wege auf den Lahnbergen – Foto: Gesa Coordes

Eines Tages soll der Campus Lahnberge in Marburg wie eine von Wald um­ge­bene Lichtung wirken – mit weiten Wiesen und Bauminseln, mit Terrassen und Alleen, Sportfeldern und Plätzen. Nur Fußgänger, Radler und Busse dürfen sich dann noch über den Campus bewegen.

Jeden Tag pendeln mehr als 10.000 Menschen auf die Marburger Lahnberge. Davon sind zwischen 6000 und 8000 mit dem Bus unterwegs. Und ihre Zahl wird weiter wachsen, weil in Zukunft wirklich alle Naturwissenschaften auf den Lahnbergen konzentriert werden sollen.

Errichtet wurde der Campus der angehenden Ärzte, Chemiker, Mathematiker und Biologen allerdings in den 60er und 70er Jahren, als man noch von der autogerechten Stadt träumte. Deswegen braust der Verkehr bis heute zwei­spurig auf die Lahnberge. Und die Studierenden klagen seit mehr als 20 Jahren, wie unangenehm es ist, in der Dunkelheit zu den bisherigen Bushaltestellen durch die Unterführung an der Schnellstraße zu gehen. Dagegen gilt die neue Gestaltung als wegweisend für die Universität: "Wenn die Umweltspur kommt, werden die Studenten direkt zu den Instituten gebracht", so der Geschäftsführer der Stadtwerke Consult, Christoph Rau.

Bis dahin dauert es allerdings noch. Frühestens 2022 werden die städtischen Busse auf den Campus einbiegen, das Gelände in Fahrradgeschwindigkeit queren und zunächst in der Mitte, später am anderen Ende wieder hinaus­fahren, berichtet der Uni-Dezernent für Gebäudemanagement und Technik, Eckhard Diehl. Geplant ist ein Campus, auf dem wirklich nur Fußgänger, Radler und Busse unterwegs sind. Das Gelände wird daher mit Schranken abgesichert.

Aktuell wird die Infrastruktur mit Wasser-, Strom-, Heiz- und Datenleitungen erneuert. Sie ist Vorraussetzung für die neue Umwelttrasse. Bereits ab­ge­schlos­sen wurde die Erweiterung des Parkhauses Nord, das durch einen Anbau nun 600 anstelle von 360 Parkplätzen vorweisen kann. Sie bieten Ersatz für die weg­fallenden Parkplätze an der Hans-Meerwein-Straße.

Schon 2014 wurde die neue Chemie eingeweiht, heute ein Herzstück des Campus Lahnberge. Seitdem steht das alte chemische Institut leer, das eigent­lich abgerissen werden sollte. Allerdings wurde der sanierungsbedürftige Alt­bau mit seiner miserablen Energiebilanz 2013 unter Denkmalschutz gestellt. Die sogenannten Systembauten, die einst von Architekten bundesweit be­wundert wurden, beruhen nämlich auf einem ausgeklügelten Fertig­teil­bau­system mit viel Sichtbeton, das es bis dahin nirgendwo in Deutschland gab.

Abgerissen werden konnte daher nur das Gebäude der Biochemie, das der zukünftigen Busspur weichen soll. Die alte Chemie steht derzeit leer. Eine Machbarkeitsstudie soll Aufschluss darüber geben, wie und zu welchen Kosten man die Bauten modernisieren könnte, um die für die Natur- und Lebens­wissen­schaften zu nutzen. Das Ergebnis soll Ende nächsten Jahres vorliegen.

Neben dem Zentrum für Mikrobiologie entsteht zurzeit das neue 17 Millionen Euro teure Institut für Anatomie und Zellbiologie, das zum Wintersemester 2022/23 eröffnet werden soll. Das kubische Gebäude beherbergt Histologie- und Präpariersäle, Seminarräume und Labore für Human- und Zahnmediziner. Das alte Anatomiegebäude in der Robert-Koch-Straße, das 1902 eingeweiht wurde, konnte aus statischen Gründen nicht mit der gesetzlich notwendigen Lüftungs- und Absaugtechnik nachgerüstet werden. Die Forschungslabore und Büros der Wissenschaftler werden im benachbarten Zentrum für synthetische Mikrobiologie untergebracht. Der neue Forschungsbau für Synmikro kann wahrscheinlich in 2021 bezogen werden. In dem viergeschossigen Bau mit Innenhof und Vortragssaal werden künftig acht Abteilungen sowie zwei un­ab­hängige Forschungsgruppen in modernen Laboren und Büroräumen arbeiten.

In Zukunft sollen auch die Radwege von der Innenstadt auf die Lahnberge sicherer werden. Dabei werden mehrere Varianten diskutiert. So könnten die Radwege auf beiden Seiten der Schnellstraße entstehen. Möglich wäre aber auch, eine Fahrspur auf der Schnellstraße einzusparen und stattdessen eine Fahrradstraße einzurichten. Und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Marburgs hätte am liebsten eine Route, die vom Erlenring durch den Wald bis zur Mensa Lahnberge führt.

Gesa Coordes

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