Freiflächenanlage am Pharmastandort bringt die Wende
Marburg hat seine Solarleistung in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Nun hofft die Stadt, damit auch im bundesweiten „Wattbewerb“ punkten zu können. Dabei geht es darum, die installierte Photovoltaik-Leistung so schnell wie möglich zu verdoppeln.
Bei diesem Ranking steht Marburg bislang allerdings an keiner beeindruckenden Stelle: Mit einer Solarleistung von 610 Wp pro Einwohner erreicht es nur Platz 199 von 269 Städten seiner Größenordnung. Dagegen liegt Wolfhagen mit 9489 Wp pro Einwohner an der Spitze. Freilich täuscht der erste Eindruck. Die Universitätsstadt hat besonders viele kleine Solaranlagen, die auf den Dächern installiert wurden. Sie machen derzeit rund die Hälfte der Solarleistung aus. An die Spitze setzen sich in diesem Wettbewerb aber Städte, die große Freiflächen-Solaranlagen haben. So hat Wolfhagen noch nicht einmal halb so viele Dachanlagen wie Marburg.
Auch die Universitätsstadt hat die Verdopplung ihrer Solarleistung erst durch die Photovoltaik-Freiflächenanlage M159 am Pharmastandort Görzhausen geschafft, die im Sommer 2025 eröffnet wurde. Mit einer Leistung von drei Megawatt Peak (MWp) zählt sie zu den größten freistehenden Photovoltaik-Projekten im Stadtgebiet. „Damit gelingt Marburg ein zentraler Meilenstein auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt“, erklärt Oberbürgermeister Thomas Spies. Betrieben wird die Anlage von Innexis, dem Infrastruktur-Unternehmen am Standort
Als sich Marburg 2021 zum Wattbewerb anmeldete, hatte die Stadt 1.264 Photovoltaik-Anlagen. Inzwischen wurden insgesamt 3.710 Anlagen im Stadtgebiet installiert. Die Solarleistung ist seitdem von 21,2 Megawatt Peak auf 45,6 Megawatt Peak im Sommer 2025 und mittlerweile sogar auf 47,4 Megawatt Peak angestiegen.
Dabei haben auch die städtischen Energieberater sowie die Förderprogramme der Stadt mitgeholfen. „Durch die enge Zusammenarbeit lokaler Institutionen zeigt Marburg, dass Klimaschutz ein echtes Gemeinschaftsprojekt ist“, so Bürgermeisterin Nadine Bernshausen. Allein durch das Zuschussprogramm „Klimafreundlich Wohnen“ der Stadt wurden seit 2020 mehr als 949 Photovoltaikanlagen gefördert. Diese decken den Jahresstrombedarf von mehr als 3.000 Marburger Haushalten. Bis Ende 2024 wurde dank der Förderprogramme eine Gesamtleistung von mehr als zehn Megawatt Peak installiert.
„Als Kommune ist es uns wichtig, auch selbst mit gutem Beispiel voranzugehen und unsere eigenen Gebäude, wo die Möglichkeit besteht, mit PV-Anlagen auszustatten“, sagt Stadtrat Michael Kopatz. So verfügen beispielsweise die Schule am Schwanhof, der Feuerwehrstützpunkt Cappel oder auch das Nachbarschaftszentrum Waldtal über Photovoltaik-Anlagen. Mit dabei waren auch die Stadtwerke sowie die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau. So haben die Stadtwerke in Zusammenarbeit mit Wohnungsbaugesellschaften – vor allem von der Gewobau – 1,1 MWp errichtet. „Wir freuen uns, das gemeinsame Ziel zur Verdopplung der Solarleistung mit vorangetrieben zu haben“, erklären Jürgen Rausch von der gewobau und Alexander Sauer von den Stadtwerken. Weitere PV-Anlagen hat die Philipps-Universität – etwa auf dem Gebäude der Chemie, der Universitätsbibliothek, dem Synmikro oder auch dem Parkhaus Nord.
Der Wattbewerb läuft weiter und bietet weiterhin einen Anreiz für den freundschaftlichen Wettbewerb der Kommunen im Ausbau der Solarenergie (https://plattform.wattbewerb.de/ranking). Die Zahlen und Entwicklung zum Ausbau der PV-Anlagen sind auch im Datendashboard „Marburg in Zahlen“ im Bereich „Umwelt und Klima“ und dort unter „Energie und Ressourcen“ zu finden (https://marburginzahlen.marburg.de).
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