Am Pharmastandort sind weitere 400 Stellen in Gefahr
Am Marburger Pharmastandort verlieren rund 1000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Jetzt sind weitere 400 Jobs in Gefahr. Der Pharmakonzern CSL Behring hat angekündigt, dass er zehn bis 15 Prozent der Belegschaft abbauen will. Damit würden nach Auskunft der Chemie-Gewerkschaft IGBCE etwa 400 Arbeitsplätze wegfallen. Die Gewerkschaft kritisiert dies scharf: „Hier wird aus nicht nachvollziehbaren Gründen ein gut arbeitender Standort beschädigt, an dem das Unternehmen viel Geld verdient“, sagt Anne Weinschenk, die Leiterin des IGBCE-Bezirks Mittelhessen.
CSL Behring stellt vor allem Medikamente aus Blutplasma her, die von Blutern gebraucht werden. Die Auslastung der Produktion ist nach Informationen der Gewerkschaft gut. Wirtschaftliche Schwierigkeiten gebe es kaum. Die Entscheidung für den Arbeitsplatzabbau sei global in der australischen Zentrale gefallen: „Es geht offenbar nur darum, aus dem Unternehmen noch mehr Profit herauszupressen“, so Weinschenk. Sie fragt: „Wie soll die Produktion laufen, wenn zehn bis 15 Prozent der Belegschaft fehlen?“ Zudem könne sie nicht verstehen, wie ein Unternehmen „einen sehr guten Standort und dessen Mitarbeiter dermaßen schädigen und vor den Kopf stoßen kann“.
Auch in der Marburger Kommunalpolitik trifft die Entscheidung nicht auf Verständnis. Jan Schalauske (Linke) berichtete, dass der Mutterkonzern CSL seinen Gewinn nach Steuern um zwölf Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar steigern konnte: „Eine Gewinnmarge von über 20 Prozent, die nur einer kleinen Minderheit von Unternehmen vergönnt ist, reicht offenbar nicht aus, um die Aktionäre zufrieden zu stellen.“ Rund 15 Prozent der weltweit 29.900 Beschäftigten des früher staatlichen australischen Konzerns sollen nun entlassen werden. Auch in Marburg stecke das Unternehmen keineswegs in Schwierigkeiten. Die letzten veröffentlichten Ergebnisse weisen einen hohen Gewinn aus. Es gebe keinen vernünftigen Grund, warum bei einem der gewinnstärksten Unternehmen Personal entlassen werden solle, so Schalauske.
Jetzt heißt es, dass CSL „faire und tragfähige Lösungen in jedem einzelnen Fall“ finden wolle. Betriebsrat und die Gewerkschaft IGBCE wollen jedoch einen Wirtschafts-Sachverständigen damit beauftragen, Alternativen zum geplanten Stellenabbau auszuarbeiten.
Erst im Sommer war bekannt geworden, dass 500 Beschäftigte in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der CSL Innovation ihren Job verlieren. 315 Stellen werden bei Biontech abgebaut. Nexelis mit seinen 75 Beschäftigten wird ganz geschlossen.
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