Stillstand am Rosenmontag: Erneut ist der früher übliche Rosenmontagsumzug ausgefallen, der sich in früheren Jahren mit rund 30 Motivwagen durch die Marburger Innenstadt schlängelte.

Stattdessen feierten die Jecken mit Bühnenprogramm und Karnevalswagen vor dem Erwin-Piscator-Haus in einer Art von stehendem Festzug. Hintergrund sind erhöhte Sicherheitsauflagen. Ein Rosenmontagszug von der Innenstadt bis zum Afföller sei mit Überfahrsperren nicht finanzierbar, erklärte der Festausschuss.

Die Marburger FDP sieht in der Absage für den Karnevalsumzug einen „herben Verlust für unsere Stadt und ihre lebendige Karnevalskultur“. Es könne nicht sein, dass engagierte Ehrenamtliche durch immer neue bürokratische und finanzielle Hürden an den Rand der Belastbarkeit gebracht werden, erklärt Christoph Ditschler (FDP). Der Karneval sei gelebte Tradition und müsse mutiger unterstützt werden. Die FDP fordert die Stadt auf, gemeinsam mit den Vereinen ein Sicherheit- und Finanzierungskonzept zu entwickeln. Noch schärfer formulieren die Christdemokraten: „Der Magistrat beschädigt die Marburger Fastnacht“, schreiben sie. Die Sicherheitsauflagen stellten ehrenamtliche Organisatoren vor unlösbare Aufgaben. Zudem hat die CDU den Eindruck, dass kommerzielle Veranstaltungen – wie eine Mallorca Party und die Baumesse Memo auf dem Messeplatz – möglich sind, während ehrenamtlich getragene Veranstaltungen mit Auflagen überzogen würden.

Dagegen weist die Stadt Marburg darauf hin, dass nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes bei Karnevalsumzügen erhöhte Terrorgefahr besteht. Sie erinnerte an die Amokfahrt während des Rosenmontagsumzugs in Volkmarsen und den Anschlag vor einem Jahr in Mannheim. „Es ist unsere Pflicht, das Leben und die Gesundheit der Menschen zu schützen. Die Sicherheit hat oberste Priorität“, sagte Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD). Dass der Rosenmontag in Marburg auf dem Vorplatz des Erwin-Piscator-Hauses gefeiert wird, hätten die Vereine entschieden, nicht die Stadt. Marburg übernehme aber – im Unterschied zu vielen anderen Städten – die Kosten für die nötigen Sicherheitsmaßnahmen. Zudem unterstützten die Mitarbeiter der Stadt die Veranstalter massiv. Den Vergleich mit den Veranstaltungen auf dem Messeplatz hält die Verwaltung für falsch. Zum einen, weil Veranstaltungen dort leichter abzusichern sind, zum anderen, weil diese keine finanzielle oder personelle Unterstützung erhalten.

Aber auch Spies möchte in der Stadtverordnetenversammlung über die Zukunft des Rosenmontagsumzuges diskutieren. Denkbar wäre – wie in anderen Städten – eine komplette Sperrung der Innenstadt. Spies sieht das wegen der Auswirkungen auf Schulen und Werktätige allerdings kritisch.

gec

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