Corona-Impfstoffwerk in Marburg schließt 2028.

Das Pharmaunternehmen Biontech hat keinen Käufer für seinen Marburger Standort gefunden. Das teilte die Geschäftsführung den Beschäftigten in einem einer Online-Mitarbeiter-Versammlung mit. Auch für die anderen deutschen Biontech-Standorte in Tübingen und Idar-Oberstein haben sich die Hoffnungen auf einen Verkauf zerschlagen.

In Marburg sind davon 540 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen, von denen allerdings schon rund 100 neue Jobs gefunden haben oder mit einer Abfindung freiwillig ausgeschieden sind. Die entgültige Schließung des Werks ist für 2028 vorgesehen. In den nächsten Wochen werden die Beschäftigten Aufhebungsverträge bekommen. Je nach Tätigkeitsfeld sollen die Betroffenen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausscheiden, wobei sie etwas mehr Zeit für die Neuorientierung haben, als bislang vorgesehen, berichtet Betriebsratsvorsitzender Mark Pfister.

Der Gewerkschafter äußerte sich sehr enttäuscht über das Vorgehen der Geschäftsführung: „Der ganze Verkaufsprozess war sehr undurchsichtig. Wir wissen nicht, wer die Interessenten waren“, so Pfister. Die Bezirksleiterin der Chemie-Gewerkschaft IGBCE, Anne Weinschenk, hatte sogar große Zweifel, ob Biontech ernsthafte Verkaufsverhandlungen für den Verkauf des Standorts führe.

„Biontech lässt Marburg fallen wie eine heiße Kartoffel“, sagt Betriebsratsvorsitzender Mark Pfister. Zudem kritisiert er, dass die Belegschaft nur per Videokonferenz informiert wurde. Die Biontech-Geschäftsführung hätte sich zumindest persönlich vor die Beschäftigen stellen können, sagt Pfister. Der Marburger Standort habe in der Pandemie maßgeblich dazu beigetragen, die Welt mit dem Corona-Impfstoff zu versorgen und dem Unternehmen Milliarden eingebracht. Und was passiert bei der nächsten Pandemie, wenn die Marburger Anlagen abgerissen seien, fragt Pfister: „Dann müssen wir in Indien, China oder den USA betteln, um Impfstoffe zu bekommen.“ Kritisch sieht er dabei auch die Haltung der Bundespolitik: „Dass die Wirtschaftsnation Deutschland da nicht längerfristig denkt, verstehe ich nicht.“

Biontech hatte schon im Mai angekündigt, mehrere Produktionsstandorte zu schließen und weltweit bis zu 1860 Stellen abzubauen. Als Grund nannte die Geschäftsführung den massiven Gewinneinbruch. Zunächst war bereits von einer entgültigen Schließung des Marburger Werks für Ende des Jahres die Rede. Diese wurde nun auf das zweite Quartel 2028 terminiert.

Das Pharmaunternehmen hatte Marburg im Herbst 2020 als Produktionsstandort ausgewählt, weil sie dort das gut ausgestattete Werk von Novartis übernehmen konnten. Sowohl die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch ihr Nachfolger Olaf Scholz besichtigten die Labors im Hinkelbachtal. Und die Beschäftigten galten als die „Retter der Welt“, weil sie Tag und Nacht schufteten, um den Impfstoff gegen Covid 19 möglichst schnell zu produzieren.

gec

Bild mit freundlicher Genehmigung von Biontech