Chemiestudentin Annika Peter gewinnt Ideenwettbewerb.
„Flash“ lautet der Titel eines neuen Projekts der Marburger Philipps-Universität: Es spürt gute Einfälle, kreative Gedanken und alltägliche Ärgernisse auf und bringt die besten Ideen auf den Weg. Mit 93 Einrichungen aus 14 der 16 Fachbereiche ist die erste Runde deutlich breiter gestartet als erwartet.
Gewonnen hat die 21-jährige Chemiestudentin Annika Isabelle Peter, die die erste Runde des Ideenwettbewerbs für sich entschieden hat. Der mit 500 Euro dotierte Preis wird von der vom Zentrum für Entrepreneurship und Innovationsforschung Mafex zweimal pro Semester vergeben.
Annika Peters Konzept „AlgaCycle“ setzt an der Heizung eines Gebäudes oder am Abgasstrom eines Betriebs an. Dort binden Mikroalgen das CO₂ aus dem Abgas und wachsen dabei. Die Biomasse wird regelmäßig entnommen und vergoren, das entstehende Biogas dient wieder als Energiequelle. Algen wachsen schneller als etwa Bäume und nehmen viel CO₂ auf.
Zielgerichtet seit der Mittelstufe
Die von den Fridays for Future und dem Dieselskandal geprägte Annika Peters fand bereits in der Mittelstufe ihr Thema: die Frage, wie sich CO₂ aus Abgasen binden lässt. Statt auf ein chemisches Verfahren setzt sie auf einen Prozess, den die Natur seit Jahrmillionen perfektioniert hat: die Photosynthese. Sie recherchierte intensiv, informierte sich bei Algenfarmen und wertete Fachliteratur aus, bevor sie aus Tausenden Arten eine passende auswählte. Die ersten Tests waren noch sehr einfach: Mit einem Einmachglas im Gefrierfach prüfte sie die Algen auf Robustheit. Später maß sie in eigenen Versuchsaufbauten, wie schnell die Algen eingeleitetes CO₂ aufnehmen, und wies in Gärversuchen die Bildung von Methan nach. Dafür erhielt sie im vergangenen Jahr den Klimaschutzpreis der Stadt Kassel. Nach dem Abitur nahm sie das Chemiestudium in Marburg auf.
Als nächstes will Annika Peter den Methanertrag steigern. Außerdem untersucht sie, ob sich mithilfe von Bakterien auch Stick- und Schwefeloxide aus den Abgasen abbauen lassen und ob diese direkt im selben Reaktor mit den Algen arbeiten könnten oder wie sich beide Prozesse anders sinnvoll kombinieren lassen. „Einzelne Teile des Kreislaufs funktionieren schon. Ich freue mich, jetzt daran weiterarbeiten zu können“, erklärt Annika Peter.
Die Gründungsberatung Mafex begleitet die Preisträgerin weiter, etwa bei Fragen rund um Schutzrechte sowie, Förderprogrammen wie Hessen Ideen oder dem Exist-Gründungsstipendium, mit dem sich eine Idee nach dem Studienabschluss für eine gewisse Zeit mit finanzieller Absicherung verfolgen. „Das ist vielen gar nicht bewusst: Wenn die Idee scheitert, muss niemand etwas zurückzahlen. Deshalb lohnt es sich, solche Optionen schon früh in die Karriereplanung einzubeziehen“, sagt Holger Sommerlad, Berater bei Mafex.
Wettbewerb ab jetzt vierteljährlich
Ab jetzt findet der neue Wettbewerb vierteljährlich statt. Sein Ziel: vielversprechende Ideen früh zu erkennen und ihnen ein Unterstützungsnetzwerk an die Seite zu stellen, noch bevor ein Businessplan nötig ist. Bei einem klassischen Gründungswettbewerb, der bereits ausgearbeitete Ansätze und erste Marktüberlegungen verlangt, hätte sich Annika Peter nicht beworben: „Dafür habe ich mich einfach noch nicht weit genug gefühlt.“
Für die Teilnahme bei Flash braucht es weder Businessplan noch Team. Ein kurzes Online-Formular und wenige Sätze genügen. Gesucht werden Beobachtungen aus Studium, Forschung und Alltag. Was funktioniert nicht gut? Was könnte einfacher gelöst werden? Bei der ersten Runde beteiligten sich Studierende, Promovierende und Beschäftigte aus der Verwaltung. Die Spannbreite der Ideen reichte von freien Lernplätzen, die in einer Uni-App mit Wlan-Daten angezeigt werden, bis zu dem Vorschlag aus der Transfusionsmedizin, einen bislang manuell durchgeführten Schritt bei der Befundung teilweise zu automatisieren.
Die nächste Flash-Runde läuft bereits. Neue Einreichungen sind bis zum 17. November möglich. Weitere Informationen unter https://uni-marburg.de/lv0WZY.
red

