Unternehmen investieren in Förderung und KI-Kompetenzen.
Zum Start des neuen Ausbildungsjahres zeigt sich laut Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg erneut: Viele Unternehmen im Bezirk der IHK haben Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Im vergangenen Jahr betraf dies fast jeden zweiten Ausbildungsbetrieb. Das ist das Ergebnis der regionalen Auswertung der Ausbildungsumfrage 2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). 47,5 Prozent der Unternehmen, die diese Frage beantworteten, gaben an, ihre Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzt zu haben. An der Befragung, die zwischen dem 11. und 29. Mai stattfand, beteiligten sich 262 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Kassel-Marburg. Bundesweit nahmen 14.058 Unternehmen teil.
Die regional befragten Betriebe boten für das Ausbildungsjahr 2025 insgesamt 1.869 Ausbildungsplätze an. Davon blieben nach Angaben der Unternehmen 282 unbesetzt. Als häufigsten Grund nannten die Betriebe fehlende geeignete Bewerbungen. 59,8 Prozent der betroffenen Unternehmen gaben an, keine passenden Bewerber*innen gefunden zu haben. Bei 28,7 Prozent gingen überhaupt keine Bewerbungen ein.
Hinzu kommt, dass vereinbarte Ausbildungsverhältnisse nicht immer zustande kommen oder vorzeitig enden. 19,5 Prozent der betroffenen Unternehmen berichten, dass angehende Auszubildende ihre Stelle nicht angetreten haben. Bei 20,7 Prozent lösten Auszubildende den Vertrag innerhalb der Probezeit auf.
„Die duale Ausbildung ist für unsere Unternehmen nach wie vor der wichtigste Weg, um den eigenen Fachkräftenachwuchs zu sichern“, sagt IHK-Präsidentin Désirée Derin-Holzapfel. „Umso besorgniserregender ist es, dass viele Betriebe ihre Ausbildungsplätze trotz ihres großen Engagements nicht besetzen können. Wir müssen Jugendlichen und ihren Eltern noch deutlicher zeigen, welche beruflichen Perspektiven eine Ausbildung in unserer Region eröffnet.“
Die Herausforderungen beginnen für viele Betriebe bereits vor dem Ausbildungsstart: 93,4 Prozent der antwortenden Unternehmen sehen bei Bewerber*innen in mindestens einem der abgefragten Bereiche Defizite. Besonders häufig betrifft dies die Belastbarkeit. 50,4 Prozent der Unternehmen geben an, hier häufig oder immer Defizite festzustellen. Bei den Mathematikkenntnissen liegt der entsprechende Anteil bei 48,6 Prozent, bei den Wirtschaftskenntnissen bei 43 Prozent und beim schriftlichen Ausdrucksvermögen bei 42,3 Prozent.
Die Unternehmen reagieren darauf mit zusätzlichen Förderangeboten. So bieten 40,7 Prozent Nachhilfe im eigenen Betrieb an. 18,9 Prozent nutzen die assistierte Ausbildung einschließlich ausbildungsbegleitender Hilfen. 17,3 Prozent ermöglichen längerfristige Schülerpraktika. 16 Prozent setzen auf zweistufige Ausbildungsmodelle und jeweils 14,8 Prozent bieten Einstiegsqualifizierungen oder Vorbereitungskurse an. Gleichzeitig erklären 22,2 Prozent der Betriebe, dass sie leistungsschwächere Schulabgänger derzeit nicht zusätzlich fördern und integrieren können. Als Gründe werden unter anderem fehlende personelle Kapazitäten und schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen genannt.
„Viele Unternehmen leisten heute deutlich mehr als die reine Vermittlung beruflicher Fachkenntnisse“, betont Thomas Rudolff, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer. „Sie investieren zusätzliche Zeit und personelle Ressourcen, um schulische Grundlagen zu stärken und junge Menschen individuell zu begleiten.
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