Bereits rund 700 Gefahrenstellen auf Marburgs Straßen werden beseitigt.

Kaum hat sich der Winter verabschiedet, offenbart er, was er hinterlassen hat: Schlaglöcher. 

Normalerweise sind zu dieser Jahreszeit ein bis zwei Teams vom Dienstleistungsbetriebs Marburg unterwegs, um Schlaglöcher zu stopfen. Doch in diesem Jahr ist es anders: Seit Ende des Winterwetters rücken täglich fünf Besatzungen aus, die Schlaglöcher in Marburger Straßen verfüllen. Ihr Auftrag: alle Straßen innerorts, für die die Stadt Marburg verantwortlich ist, abfahren und bei Bedarf beseitigen. Auch Hinweisen der Polizei oder über den Mängelmelder wird schnellstmöglich nachgegangen. Denn Schlaglöcher können nicht nur Schäden an Fahrzeugen verursachen. Sie sind auch eine ernsthafte Gefahr für alle, die mit dem Fahrrad unterwegs sind – vor allem, wenn sie mit dem Vorderrad in ein tiefes Schlagloch geraten. Und an Zebrastreifen oder Ampel-Übergängen können Schlaglöcher auch das Queren einer Straße zu Fuß behindern. 

Priorität haben dabei die größeren und tieferen Schlaglöcher, durch die eher Schäden für Menschen und Fahrzeuge zu befürchten sind. Die klassischen Schlaglöcher sind zwischen zehn und 30 Zentimeter breit und können vergleichsweise schnell ausgebessert werden. Oft reicht schon eine Flachschaufel Asphalt, der mit einem Handstampfer verdichtet wird. 

Die derzeitige Herausforderung ist jedoch eine andere.  „Es gibt aktuell viele Schlaglöcher, die weitaus größer sind und wegen des Mehraufwands auch umso mehr Zeit in Anspruch nehmen“, erläutert Janick Hofmann. Er gehört zu der „Task Force“, die sich aktuell täglich um Marburgs Straßen kümmert. Bislang haben sie in diesem Jahr bereits rund 700 Schlaglöcher verfüllt. 

Grund für die zahlreichen Schlaglöcher ist die Witterung während der Wintermonate. „Der Winter war nicht nur wegen des Schnees besonders, sondern auch wegen der Kombination aus Niederschlägen und mehrfachem starken Frost“, sagt Stadträtin Kirsten Dinnebier. Das Niederschlagswasser unter der Asphaltdecke dehnt sich nämlich während jeder Frostperiode aus. „Durch den starken Wechsel von starkem Frost und Tauwetter wird der Asphalt letztendlich sozusagen gesprengt“, sagt DBM-Mitarbeiter Moritz Neebe. Die mechanische Belastung durch den notwendigen Einsatz von Räumschilden und Schneeketten sowie Salz im Rahmen des Winterdienstes habe sein Übriges getan.

Manche der entstandenen Löcher im Asphalt sind bis zu zwei Quadratmeter groß. Um das sauber zu „flicken“ und ein schnelles, erneutes Aufbrechen zu verhindern, wird mit Hilfe einer Motorflex aus dem Schlagloch mit unregelmäßigen Kanten ein Rechteck mit geraden Rändern ausgeschnitten. Die Ränder werden mit einem Dichtband ausgekleidet. „Das verbindet den alten Asphalt nahtlos mit der neuen Füllung und verhindert das erneute Eindringen von Wasser, erläutert Neebe. 

Wenn er und seine Kollegen ausrücken, um die Löcher zu stopfen, muss es schnell gehen, denn die Arbeiten erfolgen oft im laufenden Straßenverkehr. Dabei wünschen sie sich etwas mehr Rücksicht und Geduld von den fahrenden Verkehrsteilnehmern. 

Schnell muss es auch gehen, weil der 170 Grad heiße Asphalt im Thermobehälter auf der Ladefläche zügig verarbeitet werden muss. Die reparierte Fläche ist sofort wieder befahrbar. Anders sieht es beispielsweise an Bushaltestellen aus. Für Ausbesserungen an solchen Stellen sind kurzzeitige Sperrungen nötig.    

Klar ist: Mit dem Verfüllen der Schlaglöcher werden Gefahrenstellen kurzfristig beseitigt und Straßen schnell wieder gut befahrbar. Dieses „Pflaster“ hält zwar nicht für mehrere Jahre. Doch insbesondere auf Straßen, für die in absehbarer Zeit eine grundhafte Sanierung geplant ist, ist diese günstige und schnelle Reparatur-Variante auch gleichzeitig die wirtschaftlichste. 

Für die Sanierung der Straßen will die Stadt Marburg in den nächsten zehn Jahren im Schnitt rund 15 Millionen Euro pro Jahr investieren – in 40 Kilometer Straßennetz. Dafür hat die Stadtverordnetenversammlung ein Straßenkataster beschlossen, das Straßenbauprogramm für die grundhafte Erneuerung verkehrswichtiger innerörtlicher Straßen. Es ist auf der Internetseite der Stadt Marburg im Bereich der Beschlussvorlagen unter der Nummer VO/2911/2025 zu finden: 

www.marburg.sitzung-online.de/public/vo020?VOLFDNR=1004534&refresh=false.  

red

Bild mit freundlicher Genehmigung von Lena-Johanna Schmidt, Stadt Marburg