Die Marburger Bürgermeisterin Nadine Bernshausen (Grüne) ist seit rund acht Wochen krank. Da das Ende ihrer „ungeplanten Abwesenheit“ derzeit nicht absehbar ist, hat Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) die Dezernate neu verteilt.
Für den Bereich Kinder, Jugend, Familie und Schule ist nun Stadträtin Kirsten Dinnebier zuständig, die den Bereich bereits früher verantwortet hat. Um den Fachdienst Umwelt, Klima, Naturschutz und Fairen Handel kümmert sich Stadtrat Michael Kopatz (Klimaliste), der ohnehin für Klimastrukturwandel zuständig ist. Damit will die Stadt sicherstellen, dass sie weiterhin handlungsfähig bleibt. Das weitere Vorgehen werde nach der Rückkehr der Dezernentin gemeinsam besprochen, teilt die Verwaltung mit. Eine vorherige Abstimmung über die Neuverteilung mit ihr gab es nicht: „Eine aktive Kontaktaufnahme seitens der Dienststelle wäre im gegebenen Kontext unzulässig“, teilt die Stadt mit.
Die Dauer des Ausfalls der Bürgermeisterin ist offenbar völlig offen. „Wir verstehen nicht, warum man über die Perspektiven schweigt, in einer Zeit, in der die Stadt mit dem Rücken zur Wand steht“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Jens Seipp. Jeden Tag bekomme seine Fraktion Mails von freien Trägern – meist aus dem Handlungsfeld der Bürgermeisterin -, die sich um ihre Zukunft sorgen. „Gesundheit geht immer vor“, sagt Seipp: „Aber wir wüssten gern, wie es weitergeht.“ Und er erinnert daran, dass andere hochrangige Kommunalpolitiker in der Vergangenheit offener mit krankheitsbedingten Ausfallzeiten umgegangen sind. So machte Oberbürgermeister Thomas Spies im März 2020 eine früh erkannte Krebserkrankung öffentlich, die ihn für sechs Wochen in den Krankenstand zwang. Auch der frühere Marburger Bürgermeister Franz Kahle (Grüne), zugleich Ehemann von Nadine Bernshausen, ließ mitteilen, dass er wegen eines chirurgischen Eingriffs für mehrere Wochen ausfallen werde. Und selbst eine städtische Fachbereichsleiterin informierte den Haupt- und Finanzausschuss über ihre Krebserkrankung.
Unterdessen hat der Magistrat Entscheidungen getroffen, die das Dezernat von Nadine Bernshausen betreffen. Danach wird jetzt auch bei den in Marburg gut ausgestatteten Kindertagesstätten Personal gespart. Bislang galt in der Universitätsstadt ein besonders hohes Qualitätsniveau mit mehr Erzieherinnen als andernorts. Nun wird der Betreuungsschlüssel auf das gesetzlich vorgeschriebene Maß gesenkt. Das bedeutet, dass auch in diesem besonders kostenintensiven Bereich in Zukunft Stellen abgebaut werden. Dagegen hatte sich die Bürgermeisterin massiv gewehrt. Die Stadt, die auch in den anderen Fachbereichen kürzt, erhofft sich von dieser Veränderung Einsparungen in Millionenhöhe.
gec

