43 Prozent der Straßen sind in desolatem Zustand. Die Stadt verfolgt eine Sanierung nach Plan.

Die Schlaglochpisten des vergangenen Winters zeigten das Problem noch einmal besonders deutlich: 43 Prozent der Marburger Straßen sind in einem desolaten Zustand. Das ist das Ergebnis des Katasters zum Zustand der Verkehrswege, das die Stadt erhoben hat. Das bedeutet, dass der Straßen möglichst bald saniert werden müssen. Nach der Analyse ist ein weiteres Drittel dieser Straßen ist in einem so schlechten Zustand, dass zumindest mittelfristig saniert und repariert werden muss. Nur bei einem Viertel der Straßen muss nichts unternommen werden. 

Für die Analyse wurde zwar nicht das gesamte 300 Kilometer lange Straßennetz untersucht, aber die verkehrswichtigen Verbindungen, die rund 120 Kilometer umfassen. Systematisch erfasst wurden – nach dem Schadenskatalog der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen – Risse, Setzungen, offene Nähte, abgeplatzter Asphalt und Schlaglöcher. 

Nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung will Marburg dies nach einer Prioritätenliste angehen. In den kommenden Jahren sollen im Durchschnitt 15 Millionen Euro pro Jahr investiert werden, um rund 40 Kilometer Straßen in zehn Jahren grundhaft zu sanieren. Repariert und erneuert werden soll nach Prioritäten – im ausgewogenen Verhältnis zu anderen Investitionen für Schulen, Kitas Bädern und sozialer Infrastruktur. „Investitionen stehen immer in Konkurrenz, die Mittel sind begrenzt. Wir wollen 15 Millionen Euro im Jahr in unsere Straßen investieren und das mit System und einer transparenten Reihenfolge“, erklärt Oberbürgermeister Thomas Spies. Mit dem Bildungsbauprogramm Bibap – dem Investitionsplan für die Marburger Schulen – habe die Stadt gute Erfahrungen gemacht und weitet dies nun auf die Straßen aus. 

Die Stadt Marburg hat daher nun einen Zehn-Jahres-Plan erstellt. Dabei geht es nicht nur darum, welche Schäden es gibt. Geschaut wurde auch, wie viel Verkehr auf den jeweiligen Strecken fließt, ob eine Straße für den öffentlichen Nahverkehr von Bedeutung ist und wo nach dem Radverkehrsplan Radwege entstehen sollen. Außerdem hat sich die Stadt Marburg mit den Stadtwerken abgestimmt, um zu klären, wo diese in den nächsten Jahren Leitungen verlegt, die Straßen also ohnehin aufgerissen werden müssen. Berücksichtigt wurden auch die Straßenabschnitte, an denen in nächster Zeit Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut werden – damit auch diese direkt erneuert werden können. „Dazu haben wir dann erfasst, was eine grundhafte Erneuerung der jeweiligen Straße grob kosten wird – und ob es Fördergeld oder Partner gibt, um Synergien zu schaffen“, erklärt Karsten Dittmar, Fachbereichsleiter Planen und Bauen. Zusätzlich achtet die Stadt darauf, dass nicht zwei wichtige Straßen zugleich saniert werden, wenn die eine Straße als Umleitung für die andere benötigt wird. Eine komplexe Zusammenstellung mit vielen Faktoren also.

Das Ergebnis: Eine Karte der Stadt Marburg, mit Straßen, die in zehn unterschiedlichen Farben markiert sind. Dabei steht jede Farbe für ein Jahr, in dem saniert werden soll. Eine Verschiebung der Planungen kann es aber grundsätzlich geben, etwa wenn es Fördermittel für eine bestimmte Straße gibt oder wenn neue Schäden auftreten. „Rund 40 Kilometer des Straßennetzes sollen in den nächsten zehn Jahren grundhaft erneuert werden – für insgesamt rund 150 Millionen Euro. Das ist nur realistisch zu finanzieren, wenn wir Fördermittel bekommen“, so Stadtrat und Baudezernent Michael Kopatz. Die Stadt Marburg wird für viele Straßen Zuschüsse für den kommunalen Straßenbau beim Land Hessen beantragen – hier gibt es bis zu 60 Prozent Förderung.

Für dieses Jahr sind beispielsweise Arbeiten in der Liebigstraße und im Bereich Lutherischer Kirchhof geplant. Weiter geht es mit der Friedrich-Naumann-Straße im Südviertel, An der Zahlbach am Ortenberg, dem Sonnenweg in Michelbach, der Königstraße in Elnhausen und der Wehrshäuser Straße in Wehrshausen. Neben der grundhaften Sanierung wird auch weiterhin laufend repariert. 

Sanierung nach Prioritätenliste

Nach der Prioritätenliste stehen folgende Straßen in den nächsten Jahren auf dem Straßenbauprogramm. Allerdings können sich mögliche Sanierungen – je nach Zuschüssen, anderen geplanten Maßnahmen oder Geldnöten – auch noch verschieben. 

In der Kernstadt: Liebigstraße, Friedrich-Naumann-Straße, An der Zahlbach, Stiftstraße, Ockershäuser Straße, Hermannstraße, Emil-von-Behring-Straße, Johannes-Müller-Straße, Frauenbergstraße, Temmlerstraße. 

Wehrda: Am Kaufmarkt, Cölber Straße

Wehrshausen: Wehrshäuser Straße

Elnhausen: Königstraße, Elnhäuser Straße, Pfaffenberg

Michelbach: Sonnenweg

Hermershausen: Allnatalstraße, Hermershäuser Straße, Nesselbrunner Straße

Saniert wird laut Straßenbauprogramm zudem in der Altstadt rund um den Lutherischen Kirchhof sowie in der Wettergasse und der Barfüßerstraße. Auch im Zuge der Umgestaltungen am Südbahnhof werden Straßen saniert. 

Das komplette Zehn-Jahres-Programm, das mit den Ortsbeiräten abgestimmt wurde, findet sich unter: https://www.marburg.sitzung-online.de/public/tr010?SUCHWORT=VO/2911/2025

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Bild mit freundlicher Genehmigung von Georg Kronenberg