Zum Jubiläum bietet die Uni ein besonderes Veranstaltungsverzeichnis.
Das Jubiläums-Buch der Marburger Philipps-Universität ist ein kleines Kunstwerk mit Meridianen, sphärischem Satzraster und einer außergewöhnlichen Form: Geschlossen bildet es einen Halbkreis. Aufgeschlagen wird es zu einer Weltkugel mit einem Radius von exakt 152,7 Millimetern. Schließlich wurde die Philipps-Universität 1527 gegründet. Der Halbkreis nimmt die Grundform des Jubiläums auf, der Globus verweist auf die global vernetzte Unversität, in der Wissen wächst, wenn es geteilt wird. Und darin befinden sich die 287 Veranstaltungen, die von Oktober 2026 bis Dezember 2027 durch das Jubiläumsjahr führen. Ab dem 15. Oktober ist das Buch kostenlos zu haben.
Ein moderner „Codex Rotundus“
Gestaltet hat das Werk der Künstler Sebastian Peetz. Der Designer beruft sich auch auf einen Vorläufer aus dem 15. Jahrhundert – den „Codex Rotundus“, ein rundes Stundenbuch, also ein Andachts- und Gebetsbuch. Es gilt als Meisterwerk der spätgotischen Buchkunst und liegt in der Dombliothek Hildesheim. Peetz hat die runde Buchform in die dritte Dimension geführt, die er „Codex sphericus“ nennt. „1527 war das gedruckte Buch das jüngste Medium der Welt. Luther hat mit ihm die Reformation verbreitet, aus deren Geist diese Universität entstand“, sagt Peetz: „Heute ist das Buch das langsamste Medium, das wir haben. Deshalb kann es, was ein Link nicht kann: bleiben. Ich habe eine Form gesucht, die es nur als Buch geben kann, gerechnet wie ein Globus und genäht wie im 16. Jahrhundert.“
Und was steht eigentlich drin? Das Buch, das auch innen einer ganz eigenen Ordnung folgt, stellt die Projekte sowie die 287 Veranstaltungen des Jubiläumsjahrs vor. Das reicht von „Philipps Fanfaren“ über einen Zukunftsgenerator bis zu den zahlreichen Diskussionen, Vorträgen, Konferenzen. Dazu kommen Theater, Konzerte, Ausstellungen und Lesungen. Dabei führt das Verzeichnis chronologisch durch das Jahr. „Dieses Programm trägt die Handschrift vieler Menschen. Es zeigt, wie eine Unversität arbeitet: gemeinsam und über Grenzen hinweg“, sagt Uni-Vizepräsidentin Evelyn Korn.
Die Veranstaltungen folgen auch innen einem Gestaltungsprinzip, das der Weltkugel entlehnt ist. Das Satzraster ist aus Meridianen und Breitenkreisen entwickelt. Die Geometrie bestimmt Spalten, Bildformate, Abstände, Seitenform und Karte. Die Spaltenbreiten folgen dem Kosinus, mit dem sich die Breitenkreise zu den Polen hin verkürzen. Die Bilder werden seitlich von den Meridianen, oben und unten von den Breitenkreisen begrenzt.

Auf einer Doppelseite wird aus dem gedachten Globus eine Weltkarte, die eigens berechnet und programmiert wurde. Im Mittelpunkt findet sich die Alte Universität Marburgs. Umgeben wird sie von 303 Orten mit 368 Studienkooperationen auf allen Kontinenten. Das reicht von Alicante über Pretoria, Ho-Chi-Minh-Stadt und Tromsø bis nach Toronto, Lima und Pamplona.
Gebunden, gefalzt, zu Lagen zusammengetragen und vernäht ist das Verzeichnis so wie zur Zeit der Gründung der Marburger Philipps-Universität: mit sichtbarer Fadenheftung in sechs Lagen zu je zwölf Seiten aus einem einzigen Papier von der ersten bis zur letzten Seite. Die Abbildungen sind Originale aus dem Archiv und dem Fundus der Hochschule.
Als die Marburger Universität gegründet wurde, lernten Studenten in ganz Europa die Astronomie aus einem Lehrbuch mit dem Titel „De sphaera“ (von der Kugel). Dass die Erde rund ist, war damals gelehrtes Wissen. Fünf Jahre zuvor war das letzte Schiff Magellans von der ersten Weltumsegelung zurückgekehrt. Doch seine Weltkugel stand noch still. Allerdings arbeitete Kopernikus an der Rechnung, die zeigt, dass sich die Welt dreht. „Seither ist die Kugel kein Bild mehr, sondern eine Aufgabe“, schreibt das Jubiläums-Team: „Sie will vermessen, berechnet und projiziert werden.“
Wer das Buch ganz profan haben oder nutzen möchte, um Veranstaltungen nachzuschlagen, kann es sich ab 15. Oktober etwa in der Universitätsbibliothek, der Touristen-Information, in der Mensa am Erlenring oder im Stud-i-point im Uni-Hauptgebäude holen.
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