Der Vorsitzende des Marburger Betriebsrats Frank Eggers spricht über die Kündigungen am Klinikum.

“Irgendwann wird man mürbe in diesem Hochleistungsberuf. Vor allem, wenn die Manpower nicht da ist und es keine Erholungsphasen gibt.” Die Pflegekräfte auf Station 235 hätten ihr Bestes gegeben, betont Betriebsrat Frank Eggers. Das sei so weit gegangen, dass sie zu ihren eigenen Lasten gearbeitet hätten. Um für kranke Kolleg:innen einzuspringen, hätten sie auf die eigenen Freizeit verzichtet. Kommenden März verlassen 14 Angestellte die chirurgische Station 235 auf den Lahnbergen, 13 davon wechseln ans Evangelische Krankenhaus in Gießen.

In den letzten Monaten sei es immer wieder zu ‘Belastungspeaks’ gekommen, berichtet Eggers. Die habe das Klinikum nicht ad hoc abfangen können.
Als Betriebsrat wolle er in aller Schärfe betonen: “Jawohl, da ist etwas sehr falsch gelaufen und es muss sich etwas ändern.” Die Geschäftsführung müsse dem Pflegepersonal mehr Raum zur Erholung geben – auch bei Belastungspeaks.
Das UKGM werde die Kündigungen noch länger spüren, meint Eggers. “Bei Pech könnte das ganze einen Dominoeffekt nach sich ziehen, und das wollen wir unbedingt vermeiden.” Über 200.000 Stellen fehlen laut dem Deutschen Pflegerat e.V. aktuell in der Pflege. Eggers ist es deshalb wichtig, dass in der Öffentlichkeit kein Schreckensbild entsteht – weder vom Beruf Krankenpfleger noch vom Standort Marburg. Auszubildende möchte er am Standort Marburg halten und zusätzlich Kräfte von außen einstellen.

Der Deutsche Pflegerat e.V. forderte kürzlich einen Monatslohn von 4000 Euro. Das unterstützt auch Gesundheitsminister Jens Spahn. “Nur: Geld ist nicht alles,” ist sich Eggers sicher. Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmten, verliere der Faktor Geld an Reiz. Pflegekräfte müssten wieder mehr Freizeit haben – etwa für die Familie oder für einen Kinobesuch.

Ob am gesamten Standort Marburg ähnliche Bedingungen wie auf Station 235 herrschen? “Ich bin so kühn zu sagen, dass es unter Umständen auf Krankenhäuser (er betont den Plural) zutrifft,” meint der Betriebsrat. Marburg habe dabei keine Inselstellung. “Andere Krankenhäuser kommen auch dahin.”

LB

Bild mit freundlicher Genehmigung von Georg Kronenberg | Marbuch Verlag GmbH