Weniger Feinstaub, weniger Müll, weniger Belastung für Rettungsdienst, Krankenhäuser und Feuerwehr?
Oberbürgermeister Thomas Spies hat angeregt, privates Feuerwerk an Silvester abzuschaffen. „Ich persönlich hätte nichts dagegen“, formulierte er. Stattdessen könne die Stadt ein zentrales, professionelles Höhenfeuerwerk für alle organisieren. Wenn die Kosten für die Müllabfuhr am 1. Januar entfallen, könne man wahrscheinlich sogar Geld sparen, die Feinstaubwolke verhindern sowie Rettungsdienst, Feuerwehr und Krankenhaus entlasten, vermutet er.
Die Marburger FDP übt an der nur als persönliche Meinungsäußerung formulierten Idee scharfe Kritik: „Ich lehne den Vorschlag eines generellen Verbots privaten Feuerwerks entschieden ab“, sagt der Marburger FDP-Vorsitzende Christoph Ditschler. Dies stehe sinnbildlich für einen Politikstil, der immer häufiger auf pauschale Verbote setzt, statt den Menschen Eigenverantwortung zuzutrauen. Gerade für viele Familien gehöre das gemeinsame Erleben von Silvesterfeuerwerk seit Generationen zum Jahreswechsel dazu.
Ärztepräsident Klaus Reinhardt hatte die Politik kürzlich ein Böllerverbot gefordert, um die Bevölkerung vor den Gefahren der Knallerei zu schützen. Jedes Jahr verletzten sich viele Menschen durch Feuerwerkskörper und erlitten Knalltraumata. Das sorge für volle Notaufnahmen und koste die Krankenversicherung Millionen. Dagegen sagt Michael Selinka von der Marburger FDP: „Anstatt verantwortungsvolle Bürger mit Verboten zu gängeln, sollten wir bestehende Regeln konsequent durchsetzen und gezielt gegen illegales und gefährliches Feuerwerk vorgehen.“
Aber auch die Deutsche Umwelthilfe positioniert sich angesichts des Klimanotstandes unter anderem wegen der Feinstaubbelastung gegen die private Silvester-Böllerei. Ein professionell und zentral organisiertes Feuerwerk zur Jahreswende konnte sich aber auch die Umwelthilfe vorstellen.
Verrückt dabei: Das gab es in Marburg bis 2019 während des Stadtfests „3 Tage Marburg“ über viele Jahre. Das von klassischer Musik untermalte Höhenfeuerwerk am Landgrafenschloss war regelmäßig der Höhepunkt des Fests. Doch darüber wurde angesichts des Klimanotstandes in der Universitätsstadt diskutiert – das Feuerwerk wurde abgeschafft. Dabei verursachte das professionell organisierte Event so wenig Feinstaub, dass die Marburger Mess-Stationen noch nicht einmal ausschlugen. Ganz anders die private Silvester-Böllerei, bei der je nach Wind und Wetter regelmäßig Feinstaub-Spitzenwerte erreicht werden. Und das, obgleich die privaten Raketen – im Unterschied zum Stadtfest-Feuerwerk – meist schon nach wenigen Minuten im Nebel versinken. Indes: Die Stadt Marburg hat bei der privaten Knallerei sowieso keine rechtliche Handhabe.
gec

