Die gesamte Belegschaft von Nexelis wird entlassen.
Neben CSL Innovation und Biontech ist auch Nexelis am Pharmastandort Marburg in der Krise. Und auch hier trifft es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In drei Wellen werden alle 85 Beschäftigten des Speziallabors Nexelis noch in diesem Jahr entlassen. Zum 1. Februar wechseln die ersten in eine sogenannte Transfer-Gesellschaft, mit deren Hilfe sie nach einem neuen Job suchen.
Bei Nexelis wurde und wird bislang vor allem untersucht, wie wirksam ein Impfstoff – etwa gegen Meningitis – ist. Dazu analysieren sie vor allem Blutproben. „Wir sind ein sehr gutes Labor mit einer mehr als 20-jährigen Expertise in dem Geschäft“, sagt Betriebsratsvorsitzender Hartmut Engel. Doch für den neuen Eigentümer spiele das keine Rolle.
Schließung statt Ausbau
Die Entscheidung für die Schließung des Labors in Marburg wurde allerdings nicht in Marburg, sondern in den USA getroffen. Nachvollziehen können dies die Mitarbeiter vor Ort nicht. Die Holding-Gruppe von Iqvia, die Nexelis übernommen hat, mache einen Milliardengewinn, berichtet Engel. Das Labor gehörte ursprünglich zu den Behringwerken, wechselte dann zu den Pharmaunternehmen Chiron, Novartis und GSK. 2021 übernahm der kanadische Labor-Spezialist Nexelis die ehemalige Foschungsabteilung von GSK. Eigentlich sollte der Standort ausgebaut werden. Allerdings wurde das Unternehmen bereits im Januar 2022 Teil der Laborsparte des globalen Gesundheitsdienstleisters Iqvia.
Wer noch bei den Behringwerken gelernt hat, erinnert sich wehmütig an die früheren Eigentümer. Damals war klar, dass damit zugleich ein sicherer, gut bezahlter Arbeitsplatz verbunden war. Doch die einzelnen Menschen zählten bei den globalen Unternehmen nicht, kritisiert Hartmut Engel. Der Betriebsrat will nun eine Petition vorantreiben, damit solche globalen Entscheidungen zumindest mit den Betriebsräten vor Ort besprochen werden müssen.
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