Mehr als 3000 Menschen haben bei einer Großkundgebung am Mittwoch am traditionsreichen Marburger Pharmastandort gegen den geplanten Stellenabbau demonstriert.

Auf dem Spiel stehen fast 1500 Arbeitsplätze. „Nicht, weil es den Unternehmen schlecht geht, sondern aus purer Gier“, rief Anne Weinschenk, die Bezirksleiterin der Gewerkschaft IGBCE, den Beschäftigten zu. Vor wenigen Wochen kündigte der Pharmakonzern CSL Behring an, dass er bis zu 15 Prozent der Belegschaft abbauen will, obgleich der Standort gut läuft. Damit sind 400 Jobs in Gefahr. Bereits im vergangenen Sommer wurde bekannt, dass CSL Innovation seine gesamte Forschungssparte mit 500 Mitarbeitern in Marburg schließt. Bei Biontech verlieren 315 Menschen ihren Arbeitsplatz, 85 bei Nexelis. Dazu trifft es noch Menschen bei den Zulieferern.

Mit Transparenten und Trillerpfeifen protestierten die Beschäftigten lautstark vor den Werkstoren in Görzhausen im Nordwesten Marburgs. „Es reicht mit dem Arbeitsplatz-Abbau. Es reicht mit Zukunftsentscheidungen, die weit weg von Marburg getroffen werden“, sagte Gewerkschaftssekretär Alexander Wiesbach in Anspielung an den Konzernsitz von CSL in Australien. „Ohne Not wird hier ein Plan vorangetrieben, der selbst mit viel Phantasie nicht mehr nachvollziehbar ist“, kritisiert CSL-Betriebsrat Kai Seipp. Zudem müssten die verbleibenden, völlig überlasteten Kollegen nun immer mehr arbeiten. Auch bei den Auszubildenden wird massiv gespart. Stellte das Unternehmen früher jedes Jahr mehr als 100 Azubis ein, sind es heute nur noch 14. Trotz „grandioser Geschäftszahlen“ würden die Alten entlassen und Neue nicht mehr ausgebildet, kritisierte Jugendvertreter Niklas Werner.

Bei der Kundgebung dabei waren neben Marburgs Oberbürgermeister, dem Landrat, Landtagsabgeordneten und Kommunalpolitikern auch der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori, der mit der CSL-Konzernleitung verhandelt und eine „Task Force“ für den Standort eingerichtet hat. „Schäbig“ nannte er das Verhalten der Konzerne. Er kündigte aber an, dass das große CSL-Forschungsgebäude in Zukunft ein öffentliches Forschungszentrum mit Platz für Start-ups wird.

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Bild mit freundlicher Genehmigung von Gesa Coordes