CDU hält Café Trauma und Q für nicht mehr finanzierbar

Geht es nach der Marburger CDU, könnte es in Zukunft nur noch zwei Kulturzentren in der Universitätsstadt geben: „Die Kulturförderung muss sich konzentrieren“, sagt der finanzpolitische Sprecher der CDU, Roger Pfalz. Er zählt inzwischen vier soziokulturelle Zentren. Auf Nachfrage präzisiert er: „Wir halten das Café Trauma und das Q für nicht mehr finanzierbar.“ Dagegen hätten die Waggonhalle und der Kulturladen KFZ ein breiteres Publikum. „Sie müssen das nicht gut finden“, rief er während der Podiumsdiskussion zum Thema: „Aber Sie müssen mir sagen, wo wir die fehlenden 40 Millionen im Haushalt hernehmen sollen.“

Gut fand das in diesem Publikum in der Tat kaum jemand. Und auch unter den Kommunalpolitikern gab es keine Unterstützer: „Kultur ist kein Sahnehäubchen, das man auch mal weglassen kann“, sagte Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD): „Kultur ist eine elementare Stütze der Demokratie.“ Je komplizierter die Zeiten seien, desto mehr Kreativität brauche es. Er berichtete, dass die städtischen Gelder für die Kultur in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt wurden. Und auch angesichts der großen Haushaltslöcher versuche die Stadt, die kulturellen Initiativen weiterhin so gut wie möglich zu unterstützen.

Friedhelm Nonne von den Grünen betonte: „Wir werden Streichungen weder im Kulturbereich noch im Sozialen zulassen.“ Dass man Sozial- und Kulturinitiativen „ohne Wenn und Aber“ schützen müsse, sagte auch Jan Schalauske von den Linken. „Café Trauma und TNT sind genauso wichtig wie das KFZ“, ergänzte Gwendolyn Berger von der Klimaliste. Unterdessen möchte die FDP „ideologisch abgeschottete Räume“ – zu denen zählt sie die soziokulturellen Zentren – durch digitale Plattformen besser genutzt wissen.

Hinter der Kontroverse um die Kultur stehen die großen Löcher in Marburgs Haushalt. Fast alle beklagten die desolate finanzielle Lage der Kommunen, die von Bund und Land immer mehr Aufgaben bekommen – ohne finanziellen Ausgleich. SPD und Linke plädierten für Änderungen bei der Erbschafts- und Vermögenssteuer. Aus dem Publikum wurde noch empfohlen, den Rüstungsetat zusammenzustreichen.

Sowohl die Linken als auch die Marburger Linken sprachen sich für höhere Gewerbesteuersätze aus: „Wir müssen die Gelder holen, wo sie sind, nicht in der Kultur oder im Sozialen“, sagte Tanja Bauder-Wöhr (Marburger Linke). Grünen-Vertreter Nonne empfahl weitere Einsparungen beim städtischen Personal. Sozialdemokrat Spies setzte auch darauf, die Stadtverwaltung effizienter zu machen. Jan Sollwedel (Liste Move 35) plädierte für mehr Investitionen in die Klimapolitik. Christoph Ditschler von der FDP kündigte Einschnitte für die Menschen in der Stadt an: „Wir müssen alle dazu beitragen, dass wir durch diese Krise kommen.“ Deshalb müssten alle für weniger Leistung mehr bezahlen.                

Gesa Coordes

Bild mit freundlicher Genehmigung von Gama.Films auf Unsplash